Digitale Verwaltung: Start im Schneckentempo
Trotz eines langsam wachsenden Angebots an Online-Behördendiensten haben die meisten Deutschen bislang keinen Gebrauch von diesen digitalen Optionen gemacht. Eine Umfrage des Vergleichsportals Verivox, die 1023 Bürgerinnen und Bürger im Alter von 18 bis 79 Jahren befragte, ergab, dass rund 59 Prozent der Teilnehmer angaben, noch nie digitale Verwaltungsdienste in Anspruch genommen zu haben. Etwa 40 Prozent bejahten die Nutzung, während der Rest unschlüssig blieb.
Interessant ist, dass selbst unter den Nutzern oft nicht alles digital abgewickelt wird. Ein Viertel der Befragten gab an, dass ihre Anliegen nur teilweise digital bearbeitet wurden. Lediglich 15 Prozent berichteten von einem vollständig digitalen Ablauf. Jörg Schamberg, Experte von Verivox, macht auf das zentrale Problem der schleppenden Digitalisierung aufmerksam: Häufig sei nur ein Teil der Dienste digital zugänglich, was dennoch einen persönlichen Besuch auf dem Amt erforderlich mache.
Das Onlinezugangsgesetz (OZG) zielt darauf ab, den Bürgerkontakt mit staatlichen Institutionen zu vereinfachen. Doch laut Verivox sind fast zwei Drittel der OZG-Leistungen gegenwärtig noch nicht digital verfügbar. Im Dezember waren lediglich 110 Leistungen vollständig online nutzbar, was zwar eine Zunahme von neun im Vergleich zum Vorjahr darstellt, aber immer noch unzureichend ist. Schamberg betont, dass das Digitalisierungsvorhaben ins zehnte Jahr geht und ein erheblicher Nachholbedarf besteht.
Unter den Nicht-Nutzern von Online-Diensten hoben 39 Prozent die mangelnde Verfügbarkeit digitaler Services als Grund hervor. 22 Prozent ziehen den direkten Kontakt auf dem Amt vor, 13 Prozent finden die Verfahren unklar, 12 Prozent lehnen zusätzlichen digitalen Aufwand ab und 11 Prozent sorgen sich um den Datenschutz. Mehrfachnennungen waren möglich.
Die schwarz-rote Bundesregierung hat die Weiterentwicklung der digitalen Verwaltung zu einer ihrer vorrangigen Aufgaben erklärt. Ziel ist es, die Online-Zugänge und Verwaltungsdienstleistungen zu vereinfachen und zu verbessern. Eine zentrale Rolle wird die Einführung der digitalen Brieftasche, der 'Wallet', spielen. Ab dem 2. Januar 2027 soll es möglich sein, den Personalausweis im Smartphone zu hinterlegen und sich damit online auszuweisen. Die Umsetzung des OZG ist eine Gemeinschaftsaufgabe von Bund, Ländern und Kommunen.

