Investmentweek

Die schwarze Liste der Finanzbranche

06. August 2025, 12:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Die Bafin warnt im Juli 2025 vor einer wahren Flut betrügerischer Finanzdienstleister – von gefälschten Kryptojobs bis hin zu Identitätsklau bei Branchengrößen wie Allianz, Sparda-Bank und Deutsche Bank. Besonders perfide: Viele Täter agieren über Whatsapp-Gruppen.

Abgezockt per App: Wenn aus Anlegern Komplizen werden

Der Sommermonat Juli zeigt ein düsteres Bild: Die deutsche Finanzaufsicht Bafin musste innerhalb weniger Wochen gleich dutzende Warnungen veröffentlichen. Es ist eine beunruhigende Bestandsaufnahme – eine regelrechte Phishing-Offensive auf Anleger, Arbeitssuchende und Sparer.

Die Täter kopieren Websites, kapern Markennamen, fälschen Finanzprodukte und nutzen vor allem eines: die Unverbindlichkeit sozialer Medien.

Whatsapp hat sich zur neuen Frontlinie der Finanzkriminalität entwickelt. Wo früher dubiose Börsenbriefe und Phishing-Mails die Mittel der Wahl waren, locken heute anonyme Gruppen mit angeblichen Investoren-Tipps, Chefanalysten-Wahlen und exklusiven Zugangscodes zu vermeintlichen Hochleistungssystemen. Wer klickt, verliert.

Fake-Bafin, Fake-Analyst, echtes Chaos

Besonders bizarr: Selbst die Bafin ist mittlerweile Zielscheibe der Trittbrettfahrer. Unter dem Pseudonym „bafin_bund1“ tauchten auf Instagram und in Whatsapp-Gruppen Kanäle auf, die angeblich im Namen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht sprechen.

Dort wird Nutzern vorgegaukelt, man könne an einem Wettbewerb teilnehmen, den BlackRock Deutschland zur Kür des „Chefanalysten“ veranstalte. Alles frei erfunden. Die Domain blackrockvotes.com, auf die verwiesen wird, ist ein reiner Fantasiebau – doch mit fataler Wirkung.

In dieselbe Falle lockt ein angeblicher „Quantum Compute Fonds“, der mit einem dubiosen „Compute System“ und einer frei erfundenen Verbindung zur SEC wirbt. Auch die Namen bekannter Analysten wie Gil Blake werden einfach angeheftet.

Die Betrüger verlinken auf Apps wie FintechX und FNTCX und betreiben Websites wie computefund.com oder blakecompute.com. Kein einziger dieser Anbieter verfügt über eine Erlaubnis, keine der Seiten ist bei der Bafin registriert – aber überall fließt Geld.

Professor Riccardi? Nie gehört.

Unter dem Deckmantel der Wissenschaft läuft auch die Plattform axionto.com, die mit angeblichen Empfehlungen eines Professors Lorenzo Riccardi wirbt. Ob dieser Mensch existiert, bleibt offen.

Sicher ist: Das Impressum fehlt, der Anbieter ist nicht lizenziert. Und auch die GoldRhein-Börse – beworben über Gruppen wie „Vermögenswachstumsplan II“ – ist ein Geisterhaus.

Wer über Websites wie ada-handelssystem.com vermeintliche Support-Tätigkeiten im Home Office annimmt, wickelt in Wahrheit Geldwäschegeschäfte ab – und macht sich strafbar, warnt die Bafin.

Die dort empfohlenen Ansprechpartner, etwa Dr. Daniel Will oder Anna Schneider, sind weder bei der Fortress Investment Group registriert noch bei der Aufsicht bekannt.

Fantasie-Firmen, Copy&Paste-Websites

Die Liste der im Juli enttarnten Plattformen liest sich wie ein Gruselkabinett des digitalen Anlagebetrugs. Besonders auffällig: Viele der Websites sind sich grafisch und inhaltlich extrem ähnlich.

Oft fehlt ein Impressum, viele Seiten nutzen Baukastensysteme, überall versprechen sie das Gleiche: „Schnelles Geld“, „einfacher Einstieg“, „passives Einkommen“.

Unter den auffälligsten Täuschern:
cityindex.klosies.com – gibt sich als StoneX aus
ybuoj.com – suggeriert Handel mit Kryptos aus den USA
minexrapro.com – angeblich betrieben von Aurealis Capital
xtbwill.com – ein klarer Fall von Identitätsdiebstahl gegen XTB S.A.
nxvvj.com – angeblich betrieben von „Nexvolt Finance Academy“

Gefälschte Jobs: Ein Klick zur Geldwäsche

Wer glaubt, nur Anleger würden zur Zielscheibe – irrt. Die Bafin warnt mit zunehmender Dringlichkeit auch vor vermeintlich harmlosen Heimarbeitsjobs. Was nach Kundenbetreuung oder Assistenztätigkeit klingt, ist in Wahrheit eine perfide Geldwäschemasche.

Auf Seiten wie ada-staking.com, prozesswerk.digital oder ada-handelssystem.com sollen Bewerber Zahlungen empfangen, Kryptowährungen kaufen und Transaktionen für Dritte ausführen – oft mit dem eigenen Konto. Die Jobtitel klingen vertrauenswürdig („Support-Mitarbeiter (m/w/d) im Home Office“) – doch die Tätigkeit ist illegal. Und wer mitmacht, macht sich strafbar.

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Identitätsklau in Serie: Allianz, Sparda, Deutsche Bank

Die dreisteste Masche bleibt der Identitätsdiebstahl. Dabei kapern Kriminelle die Marken bekannter Konzerne und schicken unter deren Namen Finanzangebote oder Rückzahlungsforderungen. Betroffen im Juli:

  • Allianz: Auf allianz-invest.com wird unter Missbrauch des Konzernnamens mit vermeintlichen Finanzdienstleistungen geworben – komplett ohne Erlaubnis.
  • Sparda-Bank Hamburg: E-Mails von @sparda-fingroup.com fordern ahnungslose Kunden auf, persönliche Daten preiszugeben – angeblich zur Rückerstattung von Anlegermitteln.
  • Deutsche Bank / AllUnity: Der erfundene Token „EURAU“ wird als offizielles Produkt verkauft – dabei handelt es sich um eine komplette Fälschung.
  • Bank of Scotland: Briefe mit dem Logo des Instituts versprechen Kredite, die durch den Verkauf von Kunstwerken rückgezahlt werden sollen – die Kriminellen dahinter operieren mit Briefpapier, das täuschend echt aussieht.

Ganze Websites kopiert

Immer häufiger tauchen auch Websites auf, die scheinbar echte Finanzdienstleister repräsentieren – tatsächlich aber nur geklonte Fassaden sind. So etwa:

  • kapitalmagazin.de (missbraucht Ucapital Asset Management LLP)
  • kpi-ltd.co (Kinetic Private Investment Limited)
  • festgeld360.de (Management GmbH)
  • myfundrock.de (FundRock Distribution DE)
  • finanzweggmbh.com (Finanzweg GmbH)
  • linuscapitalmanagement.com (Linus Capital Management GmbH)

Unlizenziert und aggressiv

Darüber hinaus fanden die Prüfer erneut Dutzende Anbieter, die ganz offen Finanzprodukte ohne Prospekt oder Zulassung anbieten – ein klarer Verstoß gegen deutsches Recht.

Besonders auffällig: Die Neutrino Energy Property GmbH & Co. KG, die mit „NET8 Security Token“ wirbt, obwohl kein einziger dieser Token von der Bafin genehmigt ist.

Gleich sechs Gallus-Unternehmen und die Amagvik Int. AG stehen unter Verdacht, Partizipationsscheine ohne gültigen Prospekt angeboten zu haben – ein Verstoß, der mit bis zu 5 Millionen Euro Bußgeld geahndet werden kann.

Was Anleger jetzt tun sollten

Die Bafin ruft zu erhöhter Vorsicht auf. Wer Finanzangebote per Whatsapp erhält, sollte grundsätzlich skeptisch sein – und niemals persönliche Daten oder Geld über unbekannte Kanäle versenden.

Die Behörde betreibt eine eigene Unternehmensdatenbank, in der sich seriöse Anbieter finden lassen. Zudem sollten Impressum, Handelsregisterauszug und Lizenzen kritisch geprüft werden – und nicht zuletzt: Der gesunde Menschenverstand.

Denn in vielen Fällen ist der Betrug eigentlich leicht zu erkennen. Nur passiert das oft zu spät.

Finanzen
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