Trotz Traumstart: Nintendo Switch 2 erlebt im westlichen Weihnachtsgeschäft ein böses Erwachen
Es schien, als könne Nintendo nichts mehr aufhalten. Nach einem furiosen Marktstart im Juni 2025, bei dem die Kassen nur so klingelten, hat die Realität den japanischen Giganten pünktlich zum Fest der Liebe eingeholt. Während man in Kyoto wohl schon den Champagner kaltgestellt hatte, zeigen die neuesten Zahlen aus dem Westen ein ernüchterndes Bild: Die Nintendo Switch 2 hat im entscheidenden Weihnachtsgeschäft eine deutliche Delle kassiert und hinkt den historischen Erfolgen ihres Vorgängers hinterher.
Der Absturz im Westen: Zahlen, die schmerzen
Ein aktueller Bericht von The Game Business legt den Finger tief in die Wunde. Vergleicht man die Performance der Switch 2 in den USA mit dem Debüt der ersten Switch im Jahr 2017, blicken wir auf einen drastischen Einbruch von satten 35 Prozent. Dieser Wert bezieht sich explizit auf die heiße Phase im November und Dezember – traditionell die Zeit, in der Konsolen eigentlich wie warme Semmeln über die Ladentheke gehen sollten.
Auch in Europa herrscht Katerstimmung. In Frankreich, oft eine Bastion für Nintendo, brachen die Zahlen um über 30 Prozent ein. Großbritannien meldet ebenfalls ein Minus von 16 Prozent im Vergleich zum Launch-Fenster der ersten Generation. Besonders paradox: Die „alte“ Switch erfreut sich weiterhin bester Gesundheit. Im Vereinigten Königreich lagen die Gesamtverkäufe von Nintendo-Hardware im Winter 2025 sogar 7 Prozent über den Werten von 2017. Es scheint fast so, als würde der rüstige Rentner dem jungen Wilden die Show stehlen.
Japan tanzt aus der Reihe: Der „Kirby-Effekt“
Im Land der aufgehenden Sonne ticken die Uhren jedoch anders. Zwar hinkt auch hier die Switch 2 minimal hinter dem legendären Start der ersten Switch her (ein Minus von 5,5 Prozent), doch das Gesamtbild ist weitaus rosiger. Mit 1,32 Millionen verkauften Einheiten bleibt man auf Tuchfühlung zum Vorgänger.
Warum läuft es dort besser? Analysten sehen zwei Hauptgründe: Zum einen lockt eine exklusive, günstigere Variante der Konsole für umgerechnet rund 335 Dollar die preissensible Kundschaft. Zum anderen feuert Nintendo in der Heimat starke Software-Geschütze ab. Titel wie Kirby Air Riders fungieren als veritable Zugpferde, die im westlichen Line-up schmerzlich vermisst werden.
Wirtschaftliche Flaute und fehlende Blockbuster
Nintendo selbst gibt sich zwar nach außen hin gelassen, benennt intern aber klare Gründe für die westliche Misere. Ein hochrangiger Mitarbeiter verwies auf eine „komplizierte wirtschaftliche Großwetterlage“ – eine diplomatische Umschreibung für die inflationsbedingte Kaufzurückhaltung vieler Familien. Zudem wurde das Fehlen eines großen, westlich orientierten Blockbusters im Weihnachtszeitraum als Achillesferse identifiziert.
Dennoch: Von Panik ist in der Chefetage nichts zu spüren. Da die Konsole bereits im November die magische Marke von 10 Millionen verkauften Einheiten durchbrochen hatte, wurden die internen Ziele erreicht. Es scheint, als hätten die Fans einfach früher im Jahr zugeschlagen, statt auf den Weihnachtsmann zu warten.


