Autobiografie «Hoffe»

Attentate, Fußball und Tango: Papst Franziskus erinnert sich

14. Januar 2025, 05:00 Uhr · Quelle: dpa
Papst Franziskus veröffentlicht seine Autobiografie. Neben Themen wie Krieg und Frieden, Migration sowie Klimawandel erzählt der 88-Jährige in seinen Memoiren auch viel Persönliches.

Rom (dpa) - Eigentlich hätte die neue Autobiografie von Papst Franziskus erst nach seinem Tod veröffentlicht werden sollen. Doch - wie schon so oft in seiner Amtszeit als Oberhaupt der katholischen Kirche geschehen - hat Franziskus diesen Plan über den Haufen geworfen. Anlässlich des Heiligen Jahres 2025 wollte er seine Erinnerungen jetzt veröffentlichen. Die Memoiren des 88-Jährigen erscheinen an diesem Dienstag unter dem Titel «Hoffe. Die Autobiografie».

Nicht selten eckt der Argentinier mit seinen politischen Äußerungen bei öffentlichen Auftritten sowohl außerhalb als auch innerhalb der Kirche an. Besonders angesichts seiner Äußerungen zu den Kriegen in der Ukraine und in Nahost steht der Pontifex in der Kritik. Ihm wird vorgeworfen, sich nicht ausgewogen zu den Aggressoren und Angegriffenen der jeweiligen Kriege zu äußern. In seinem Buch erklärt Franziskus nun, wie er politisch - aber auch menschlich - tickt und was ihn im Laufe seines Lebens geprägt hat. 

Politisches und viel Persönliches in 25 Kapiteln

Die neue Autobiografie und ihre 384 Seiten sowie 25 Kapitel sind zwar als Niederschrift seines politischen Vermächtnisses zu verstehen - im Fokus stehen nämlich weltpolitische Themen wie Krieg und Frieden, Migration, Rassismus, soziale Ungleichheit und der Klimawandel. Doch gleichzeitig erzählt er anhand privater und intimer Anekdoten seine persönliche Lebensgeschichte.

Da sind etwa die Erinnerungen an seine Kindheit und Jugend in Argentinien: Die starke Liebe zur Großmutter Rosa, das innige Familienleben zu Hause, das Spielen mit Freunden auf den Straßen von Buenos Aires oder das erste Verliebtsein in ein Mädchen, das er als Junge kennenlernte. Außerdem berichtet er über seine Leidenschaft fürs internationale Kino, die Musik und den argentinischen Tango, den der Papst auch heute noch hört. 

Man erfährt auch, dass Jorge Bergoglio, so der bürgerliche Name des Papstes, als Kind begeisterter, aber nicht begnadeter, Fußballer war. «Spielen macht auch glücklich, wenn du zwei linke Füße hast.» Er erzählt zudem von seiner bis heute währenden Treue zum Fußballverein seiner Jugend, dem Club San Lorenzo de Almagro, dessen Team er 2014 auch schon im Vatikan empfing.

Das Buch enthält zudem mehrere bislang unveröffentlichte Fotos aus dem Privatarchiv des Papstes: Kinderfotos mit seinen Großeltern, Eltern und Geschwistern, Erinnerungen aus seiner Zeit als junger Priester, eine Fahrt in der U-Bahn von Buenos Aires als Erzbischof oder Bilder von Papst-Reisen. 

Zwei Attentatsversuche im Irak

Bei all den seichten Anekdoten kommt Franziskus jedoch immer wieder auf ernste Themen zu sprechen. Erstmals berichtet er von zwei versuchten Anschlägen auf ihn während seiner Reise in den von Krieg und Zerstörung gezeichneten Irak 2021. Beide Attentatspläne konnten jedoch vereitelt werden. 

Er besuchte die Stadt Mossul, die einst als ein Zentrum des Islamischen Staates galt. Trotz großer Sicherheitsbedenken trat er die Reise an. «Aber ich wollte diese Reise unbedingt machen. Ich spürte, dass ich das tun musste», schreibt Franziskus. Der Irak und seine Kirche hätten lange auf seinen Besuch gewartet.

Klare Worte für Kriege und Konflikte

Auch das Thema Krieg und Frieden lässt Franziskus in seinen Memoiren nicht los. Sein Großvater habe ihm die Schrecken des Krieges geschildert. Auch heute verbreite der Krieg wieder Schrecken auf der Welt. «Kriege bringen nur Elend und Not, Waffen nichts weiter als den Tod. Krieg ist immer dumm», schreibt er. Er erinnert vor allem an die Kriege in der Ukraine und in Nahost.

Klare Worte findet der Pontifex insbesondere für Israels Vorgehen im Gazastreifen nach dem Überfall der Hamas und verbündeter Terroristen auf den Süden des Landes am 7. Oktober 2023. Er kritisiert die angebliche Gleichgültigkeit der Welt für das Leid der Menschen: «Angesichts der schändlichen Unfähigkeit der internationalen Gemeinschaft und der mächtigsten Staaten, dieses Gemetzel zu beenden, hat sich aus der Welle des Hasses eine ozeanische Flut der Gewalt entwickelt.»

«Und ich mache einfach weiter»

Spekulationen über einen bevorstehenden Rücktritt weist Franziskus erneut zurück. Franziskus ist seit einiger Zeit gesundheitlich angeschlagen. Wegen eines Knieleidens ist er auf einen Rollstuhl angewiesen. Vor zwei Jahren musste er zweimal in einer Klinik stationär behandelt werden - zunächst wegen einer Lungenentzündung, danach wegen einer Operation am offenen Bauch.

«Immer wenn es einem Papst schlecht geht, weht ein Hauch von Konklave durch die Welt», erklärt Franziskus. «Nicht einmal» habe er in solchen Momenten jedoch ans Aufgeben gedacht. Die Notwendigkeit eines Rücktritts sieht Franziskus nur im Falle ernsthafter medizinischer Probleme. Für diesen Fall habe er einen Brief mit einer Rücktrittserklärung bereits hinterlegt.

Franziskus betont: «Die Wahrheit ist, dass der Herr die Uhr des Lebens ist. Und ich mache einfach weiter.» Die Kirche habe noch viele Aufgaben zu erledigen, um für die Zukunft gewappnet zu sein. Seine Reformversuche auf diesem Weg wie die Segnung homosexueller Paare verteidigt er. In der Geschichte und auch Zukunft der katholischen Kirche sei er dennoch nur «ein einziger Schritt».

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14.01.2025 · 05:00 Uhr
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