Wachsende Mängelquoten bei Reise- und Linienbussen: Ein Weckruf für die Branche

Alarmierende Ergebnisse der Hauptuntersuchung
Fast 20 Prozent der bei TÜV geprüften Reise- und Linienbusse sind in den Jahren 2024 und 2025 durch die Hauptuntersuchung gefallen. Diese Zahlen, die der TÜV-Verband veröffentlicht hat, zeigen, dass 19,2 Prozent der untersuchten Fahrzeuge erhebliche oder gefährliche Mängel aufwiesen. Im Vergleich zu den Vorjahren ist dies ein Anstieg um 5,1 Prozentpunkte, was die Notwendigkeit einer kritischen Betrachtung der Wartungspraktiken in der Branche unterstreicht.
Die Aussage von Richard Goebelt, einem Vertreter des TÜV-Verbandes, ist eindeutig: "Die Mängelquoten steigen zum zweiten Mal in Folge kräftig." Während die Quote in den Jahren 2020 und 2021 noch bei 11,7 Prozent lag, ist der Rückgang der bestandenen Prüfungen besorgniserregend. Lediglich 69,8 Prozent der Busse schafften es, ohne Mängel durch die Prüfung zu kommen, was einen Rückgang von 5,6 Punkten im Vergleich zu den Vorjahren darstellt. Dies geschieht trotz unveränderter Prüfstandards.
Besorgniserregende Trends bei Fahrzeugen
Besonders auffällig ist, dass nicht nur ältere Busse durchfallen, sondern auch jüngere Fahrzeuge. Goebelt weist darauf hin, dass "insbesondere jüngere Fahrzeuge schlechter abschneiden". Bereits ein Jahr nach der Neuzulassung scheitert jeder zehnte Bus an der Hauptuntersuchung, was mehr als das Doppelte des Wertes von vor zwei Jahren darstellt. Bei fünf Jahre alten Bussen stieg der Anteil mit erheblichen Mängeln von 11,9 auf 21 Prozent – ein klares Signal, dass die Branche dringend handeln muss.
Die Analyse der Mängel zeigt, dass bei Bussen im Alter von 17 bis 20 Jahren weniger als 60 Prozent ohne Beanstandung durch die Prüfung kommen. Die häufigsten Probleme, wie Ölverlust, schadhafte Beleuchtung oder Rost, sind oft leicht zu beheben, wenn sie rechtzeitig erkannt werden. Hier liegt eine Chance für Unternehmen, die durch proaktive Wartung nicht nur die Sicherheit erhöhen, sondern auch langfristig Kosten sparen können.
Wirtschaftlicher Druck und seine Folgen
Goebelt hebt hervor, dass "viele Unternehmen in der Personenbeförderung unter erheblichem wirtschaftlichen Druck stehen". Dieser Druck führt dazu, dass die notwendige Wartung und Pflege der Fahrzeuge vernachlässigt wird, was letztlich die Verkehrssicherheit gefährdet. Die Mängel, die bei den Prüfungen festgestellt werden, sind in der Regel leicht zu erkennen und können mit geringem Aufwand behoben werden.
Trotz der Tatsache, dass Busse als "sehr sichere Verkehrsmittel" gelten, kommen immer wieder schwere Unfälle vor. Während menschliches Fehlverhalten oft als Hauptursache identifiziert wird, spielen technische Mängel ebenfalls eine Rolle. Daher ist es von entscheidender Bedeutung, dass die Busunternehmen verstärkt in die Wartung und Pflege ihrer Fahrzeuge investieren, um sowohl die Sicherheit der Passagiere als auch den Shareholder Value zu gewährleisten. Ein Umdenken in der Branche ist dringend erforderlich, um die Attraktivität des Standorts und die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten.

