Vereitelter Mordanschlag: Beck will härtere Gangart gegenüber Iran
Berlin - Der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Volker Beck, hat die Bundesregierung nach dem vereitelten Mordanschlag gegen ihn zu einer härteren Gangart gegenüber dem Iran aufgefordert. Alles Gerede von Staatsräson sei "leeres Gewäsch, wenn man den Iran weiter hätschelt und tätschelt", sagte Beck dem TV-Sender "Welt" am Donnerstag.
Er habe von dem Anschlagsversuch im letzten Sommer erfahren. "Und danach hatte ich auch sechs Wochen eine der höchsten Stufen des Personenschutzes, die man im Land so anbieten kann. Ein Weg zum Mülleimer war ohne Polizeibegleitung nicht möglich", so Beck.
Er sei erleichtert gewesen, als man dann den Verdächtigen und dessen Komplizen festgenommen habe, aber er habe lange Zeit nicht gewusst, wie akut die Gefahr wirklich gewesen sei. "Das habe ich gestern erst von einem Reporter der "Bild-Zeitung" erfahren, dass offensichtlich schon eine Pistole zu meiner Ermordung beschafft worden war."
Grundsätzlich sei bekannt, dass der Iran auf deutschem Gebiet Juden, jüdische Einrichtungen und Israel-Freunde "als Target hat und auch regelmäßig immer wieder angreift und das leider konsequenzenlos für die deutsche Außenpolitik bleibt", so Beck. Er erwarte jetzt aber, dass die deutsche Politik endlich konsequent handele und auch den iranischen Botschafter ausweise. "Es kann doch nicht sein, dass hier jemand über seine Botschaft und seine Mittelsmänner in Deutschland Killer anheuert gegen deutsche Staatsbürger, gegen den Zentralratspräsidenten, mich."
Er fragte, was das Gerede von "die Sicherheit des jüdischen Lebens ist unverhandelbar" und der deutschen "Staatsräson" solle. "Das ist alles leeres Gewäsch, wenn man den Iran weiter hätschelt und tätschelt, wie man es in den letzten Jahrzehnten getan hat und wie man es jetzt weiter tut."
Besonders empört zeigte sich Beck über den deutschen Außenminister Johann Wadephul (CDU), weil der sich abschätzig über die Relevanz des israelischen Geheimdienstes geäußert hatte. "Dem Außenminister Wadephul möchte ich gerne ins Stammbuch schreiben, der im letzten Jahr behauptet hat, wir seien auf israelische Geheimdienstinformationen nicht angewiesen: Ohne israelische Geheimdienstinformationen wäre ich vermutlich tot - und ich wäre womöglich nicht der Einzige."
Vor dem Oberlandesgericht in Hamburg waren zwei Männer angeklagt worden, denen vorgeworfen wird, im Auftrag der iranischen Revolutionsgarden Anschläge in Berlin geplant zu habe. Ein aus Afghanistan stammender Däne soll in der Hauptstadt jüdische Einrichtungen ausgekundschaftet haben und die Ermordung von Josef Schuster, dem Vorsitzenden des Zentralrats der Juden, sowie dem DIG-Vorsitzenden Volker Beck geplant haben.


