Workation: Warum die Deutschen Weltmeister sind und welche drei Städte sich laut Daten wirklich lohnen
Eine Analyse von 630 Städten kürt drei klare Sieger, abhängig davon, ob du angestellt oder selbstständig bist und worauf es dir ankommt.

Wenn es ums Arbeiten unter Palmen geht, sind die Deutschen offenbar konkurrenzlos. 52 % aller weltweiten Google-Suchanfragen nach dem Begriff „Workation“ stammen aus Deutschland, neunmal so viele wie aus dem zweitplatzierten Polen. Zählt man Österreich und die Schweiz dazu, kommt der deutschsprachige Raum sogar auf 57 %. Und der Trend hält an: 2025 lag das Suchvolumen in Deutschland im Schnitt bei 15.000 Anfragen pro Monat, 13 % mehr als im Vorjahr. Laut einer Fraunhofer-Studie kennen inzwischen rund zwei Drittel der Beschäftigten das Konzept, etwa ein Viertel hat bereits eine Workation gemacht.
Doch welche Stadt lohnt sich wirklich? Eine neue Analyse von dem Datenstudio DataPulse Research ist dieser Frage nachgegangen und hat 630 Städte weltweit nach Flugpreisen, Lebenshaltungskosten, Remote-Work-Infrastruktur, Sicherheit und weiteren Faktoren verglichen. Das Ergebnis ist keine einzelne Bestenliste, sondern drei, je nachdem, wer man ist und worauf es einem ankommt.
Drei Typen, drei Rankings
Der Grund für die Aufteilung: Die deutsche Workation-Zielgruppe zerfällt in zwei Gruppen mit völlig unterschiedlichen Spielregeln. Angestellte größerer Unternehmen sind durch firmeninterne Richtlinien, die A1-Bescheinigung für die Sozialversicherung und die 183-Tage-Regel faktisch auf die EU beschränkt. Selbstständige dagegen haben weltweite Wahlfreiheit. Daraus ergeben sich drei Sieger:
- Pragmatiker (Angestellte mit EU-/EWR-Vorgaben): Sevilla
- Sparfuchs (Selbstständige die den maximaler Gegenwert pro Euro suchen): Jaipur
- Weltenbummler (Selbstständige mit Reiselust): Bangkok
Sevilla: der unkomplizierte Sieger für Angestellte
Wer für ein deutsches Unternehmen arbeitet, braucht vor allem ein Ziel, das jede Richtlinie automatisch erfüllt. Genau das ist Sevilla: günstiger Flug ab Frankfurt (rund 200 Euro), EU und Euro, im Jahresmittel 21 Grad und Lebenshaltungskosten 30 % unter Berlin. Alle zehn Städte dieses Rankings liegen in der EU und sind in unter vier Stunden ab Frankfurt erreichbar. Die größte Überraschung: Rom ist mit rund 90 Euro für Hin- und Rückflug das günstigste Ziel aller drei Rankings, günstiger als Faro, Lissabon oder Valencia. Auffällig ist auch, wer fehlt: Barcelona, Lissabon und Mallorca tauchen in keiner Top 10 auf, denn pro Land sind maximal zwei Städte für das Ranking zugelassen, und die gingen an die günstigeren Städte.
Jaipur schlägt Bangkok: der beste Gegenwert
Für Selbstständige, die auf einen längeren Aufenthalt und maximalen Gegenwert setzen, führt nicht etwa Bangkok, sondern Jaipur im Nordwesten Indiens. Die Lebenshaltungskosten liegen dort rund 73 % unter Berlin und damit bei weniger als der Hälfte von Bangkok, während der Flug mit rund 580 Euro fast gleich teuer ist. Wer es näher mag: Antalya in der Türkei kommt mit rund 130 Euro Flugpreis aus, dem günstigsten Ticket dieser Liste. Tiflis in Georgien lockt mit visafreiem Aufenthalt von bis zu einem Jahr, und Ericeira ist als portugiesischer Surf-Ort die einzige westeuropäische Stadt in den Top 10.
Asien dominiert das Abenteuer-Ranking
Geht es rein ums Erlebnis, bleibt Bangkok die Nummer eins, gefolgt von Kuala Lumpur und Chiang Mai. Neun der zehn Plätze liegen in Asien, einziger Ausreißer ist Rio de Janeiro. Für Überraschungen sorgt Penang. Die malaysische Insel schafft es auf Platz 10, mit schnellerem Festnetz-Internet als Berlin (164 gegenüber 110 Mbit/s). Und selbst das teure Tokio landet auf Platz 9, allein über Qualität, Sicherheit und begeisterte Bewertungen.
Fazit
Die zentrale Erkenntnis der Studie ist, dass es nicht das eine perfekte Workation-Ziel gibt. Ob Sevilla, Jaipur oder Bangkok, die richtige Wahl hängt davon ab, ob die Personalabteilung mitredet, wie lange man bleibt und ob Abenteuer oder Bezahlbarkeit den Ausschlag gibt. Die Daten liefern für jeden dieser Fälle eine eigene Antwort.

