Iran: Proteste trotz Unterdrückung ungebrochen
Die anhaltenden Massenproteste im Iran gegen die Staatsführung trotzen weiterhin widrigen Bedingungen. Trotz zunehmender Todeszahlen, massiver Drohungen seitens der Sicherheitskräfte und einer fast vollständigen Internetsperre, weiten sich die Demonstrationen auf mittlerweile 185 Städte aus, wie von Aktivisten berichtet wird. Laut dem Menschenrechtsnetzwerk HRANA, das seinen Sitz in den USA hat, liegt die Zahl der getöteten Demonstranten bei mindestens 490, während rund 10.700 Personen festgenommen wurden, so der US-Sender CNN. Ein israelischer Regierungsbeamter meldete via Barak Ravid von "Axios", dass die Opferzahlen im Iran inzwischen bei über 1.000 liegen könnten, jedoch sind diese Angaben nicht unabhängig verifizierbar.
Unterdessen verschärft die iranische Führung ihre Maßnahmen gegen die Demonstranten. Eine Analyse des US-Instituts für Kriegsstudien zeigt, dass die Regierung die Proteste als militärische Herausforderung einstuft und nicht mehr lediglich als Frage der Strafverfolgung. Demonstranten werden mittlerweile als "Terroristen" bezeichnet, was ein härteres Durchgreifen rechtfertigen soll. Die Kommunikation zur Außenwelt ist aufgrund von Internetsperren stark eingeschränkt, eine Verbindung ist nahezu nur durch das illegal ins Land geschmuggelte Starlink-Satellitensystem möglich.
Der Präsident des iranischen Parlaments, Mohammed Bagher Ghalibaf, warnt vor ausländischen Interventionen und droht mit Vergeltung. Er verortet die Demonstrationen als Teil eines von den USA initiierten "terroristischen Krieges" gegen den Iran. US-Präsident Donald Trump kündigte auf seiner Plattform Truth Social Unterstützung für die iranischen Freiheitsbestrebungen an, konkrete Maßnahmen wurden jedoch nicht dargelegt.
Zwischenzeitlich rief Reza Pahlavi, Sohn des 1979 gestürzten Schahs, zu weiteren Demonstrationen auf. Aus dem Exil in den USA fordert er, zentrale Plätze der Städte unter Kontrolle zu bringen. Kritiker bezeichnen diese Aufrufe als unverantwortlich, da sie Demonstranten unnötig in Gefahr bringen. Die eigentliche Unzufriedenheit im Land ist nicht nur durch Pahlavis Führungsverhalten, sondern vor allem durch Misswirtschaft und Fehlentscheidungen der Staatsführung bedingt.
Internationale Solidarität wird ebenfalls sichtbar: In Berlin und Frankfurt am Main fanden Solidaritätsdemonstrationen statt, bei denen sich tausende Menschen den Protesten im Iran anschlossen.

