Iran feiert sein erstes Akw und neue Kampf-Drohne

22. August 2010, 16:38 Uhr · Quelle: dpa

Moskau/Teheran (dpa) - Der Iran hat inmitten des Dauerkonflikts um sein Atomprogramm ein erstes Kernkraftwerk feierlich in Betrieb genommen. In der Hafenstadt Buschehr brachten Nuklearexperten aus Moskau am Samstag die ersten der mehr als 160 Brennstäbe in die Reaktoranlage, mit deren Bau deutsche Ingenieuren vor mehr als 30 Jahren noch unter dem Schah-Regime begonnen hatten. Die internationale Atom-Kontrollbehörde IAEA kündigte die Fortsetzung ihrer strengen Kontrollen an. Nur einen Tag später präsentierte der Iran eine mit Sprengstoff bestückbare Kampfdrohne - die erste aus eigener Produktion.

Die Führung in Teheran feierte den Start der Anlage in Buschehr als wichtiges politisches Signal Richtung Westen. Der Chef des russischen Atomkonzerns Rosatom, Sergej Kirijenko, schloss bei der Zeremonie am Persischen Golf einen Missbrauch der Anlage zur Waffenproduktion aus. Israel forderte mehr internationalen Druck auf den Iran, um ihn daran zu hindern, sein Atomprogramm weiter auszubauen.

Für weitere Unruhe in der Krisenregion sorgte der Test neuer Militärtechnik durch Teheran. Im Beisein von Präsident Mahmud Ahmadinedschad zeigte das Regime die erste vom Iran gebaute Drohne mit einer Reichweite von bis zu 1000 Kilometern. Der vier Meter lange, unbemannte Flugkörper namens Karar könne mit einer «größeren Menge Sprengstoff» sein Ziel ansteuern, hieß es.

«Diese Drohne kann ein Botschafter des Todes für die Feinde der Menschheit sein. Zugleich kann sie aber auch ein Bote der Rettung, des Friedens und der Freundschaft sein», sagte Ahmadinedschad. Ahmadinedschad betonte, die iranischen Streitkräfte wollten nicht als Aggressor auftreten, «aber sie sollten so stark sein, dass jedem Aggressor die Hand abgehackt werden kann, noch bevor dieser in Aktion tritt.»

Im Meiler Buschehr sagte der iranische Atomchef Ali Akbar Salehi, die Eröffnung verdeutliche die Entschlossenheit von Teheran, sein «friedliches Atomprogramm» trotz der Ablehnung durch den Westen fortzuführen. Jedoch wolle der Iran den Bau weiterer Atomanlagen «nicht überstürzen». Buschehr ist nicht Bestandteil der Sanktionen, die der Weltsicherheitsrat im Juni gegen Teheran verschärft hatte. Die Anlage soll ab November Atomstrom liefern.

Israel forderte nach der Eröffnung einen stärkeren internationalen Druck auf Teheran. Der Iran müsse gehindert werden, sein Atomprogramm weiter auszubauen, berichtete der israelische Rundfunk am Sonntag unter Berufung auf das Außenministerium in Jerusalem. Teheran verstoße gegen Resolutionen der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA und des UN-Sicherheitsrates. Es dürfe dem Land nicht erlaubt werden, Uran anzureichern. Israel sieht sich durch Teherans Führung unter Ahmadinedschad in seiner Existenz bedroht.

Kritiker werfen dem Iran vor, das Spaltmaterial von Buschehr zu militärischen Zwecken nutzen zu wollen. «Alle Experten wissen, dass dies (wegen der ständigen Kontrolle durch die IAEA) nicht möglich ist», sagte Kirijenko. Die Organisation werde den Meiler auch in Zukunft regelmäßig inspizieren, teilte ein IAEA-Sprecher in Wien mit. Aus den USA kamen zunächst keine Reaktionen auf die Inbetriebnahme von Buschehr. Moskau hatte aber wiederholt darauf verwiesen, dass die Fertigstellung der Anlage von den USA begrüßt werde. Experten sehen keine große Gefahr, dass mit Hilfe des Leichtwasserreaktors waffenfähiges Plutonium erzeugt wird.

Laut Rosatom soll das Beladen mit Brennstäben bis 5. September abgeschlossen sein. Der in den 1970er Jahren mit westdeutscher Hilfe begonnene Reaktor soll im November ans Netz gehen und spätestens im März seine Maximalleistung von 1000 Megawatt erreichen. «Auf den Fundamenten, die deutsche Ingenieure vor mehr als 30 Jahren zu legen begannen, haben Experten aus beiden Ländern ein einzigartiges Projekt geschaffen», sagte Kirijenko. Er kündigte an, dass Russland künftig Atomteilchen zur Bekämpfung von Krebs an den Iran liefern werde. Bisher hatte Teheran diese in einem Forschungsreaktor herstellt.

1974 hatten vor allem deutsche Ingenieure mit dem Bau der Anlage begonnen. Nach der Islamischen Revolution von 1979 verweigerte der Westen der neuen Führung in Teheran die Zusammenarbeit. Der Iran einigte sich schließlich 1995 mit Russland auf den Weiterbau des Blocks. Der Vertrag hat einen Umfang von einer Milliarde US-Dollar.

Konflikte / Verteidigung / Iran
22.08.2010 · 16:38 Uhr
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