Proteste im Iran: Politische Spannungen und wirtschaftliche Unsicherheit

Die Protestwelle im Iran, die nun in den sechsten Tag geht, hat sowohl national als auch international beträchtliche Aufmerksamkeit erregt. US-Präsident Donald Trump hat sich mit einer Drohung auf seiner Plattform Truth Social klar positioniert, den Iran zu unterstützen, sollten friedliche Demonstranten in Gefahr geraten. Was konkrete Maßnahmen betrifft, bleiben Trumps Pläne jedoch unklar. Der Iran reagierte unverzüglich. Ali Laridschani, Generalsekretär des iranischen Sicherheitsrats, betonte auf der Plattform X, dass ein Eingreifen der USA die gesamte Region destabilisieren könnte. Der Berater Ali Schamchani sprach ebenfalls auf X eine deutliche Warnung aus und drohte mit scharfen Konsequenzen für äußere Einmischungen.
Die aktuelle Protestbewegung ist die bedeutendste seit den Unruhen vor drei Jahren und wurde durch den jüngsten Einbruch der Devisenkurse ausgelöst, der vor allem Händler in Teheran zum Protest bewegte. Mittlerweile weitet sich die Unzufriedenheit auf andere Landesteile und Bevölkerungsgruppen aus. Angetrieben durch wirtschaftliche Probleme, politischen Druck und die Klimakrise spiegelt der Unmut der Bevölkerung eine tiefere Kritik an der Staatsführung wider.
Augenzeugen berichten von massivem Einsatz von Sicherheitskräften in den urbanen Zentren, während in den Provinzen mit drastischen Maßnahmen gegen Demonstrierende vorgegangen wird. Die Auseinandersetzungen forderten bislang mindestens sieben Todesopfer. Beobachter sind unsicher, wie sich die Proteste entwickeln werden. Der Historiker Arash Azizi sieht in den strukturlosen Protesten eine Schwäche, die sie im Sande verlaufen lassen könnte. Sollten sie jedoch anhalten, sei ein Machtwechsel innerhalb des Regimes möglich.
Die wirtschaftliche Lage sorgt bei vielen Iranern für Zukunftsängste und Hoffnungslosigkeit. Mortesa, ein 37-jähriger Fitnesstrainer, berichtet von seinen Beobachtungen der Proteste, die durch junge Menschen der Generation Z geprägt werden. Lehrerin Mila teilt die Sorgen um die Zukunft, da die Belastungen des Alltags schwer zu ertragen sind. Auch Händler wie Mohammad-Dschawad, der seinen Schmuckladen geschlossen hat, klagen über die Unsicherheiten beim Devisenkurs.
Neben den wirtschaftlichen Herausforderungen beeinflussen auch die Sorgen vor einem möglichen Krieg die Märkte. Trump signalisierte neulich Unterstützung für israelische Angriffe auf den Iran, sollte dieser an seinem Atomprogramm festhalten. Der iranische Präsident Massud Peseschkian hat auf X auf mögliche Vergeltungsmaßnahmen hingewiesen. Trotz einer im Juni vereinbarten Waffenruhe zwischen Israel und dem Iran bleibt der Grundkonflikt ungelöst, während die diplomatischen Spannungen hoch bleiben.

