Kritik an EU-Plänen zur Lockerung der Gentechnik-Kennzeichnung

Die Debatte um die Lockerung der Kennzeichnungspflicht für geringfügig gentechnisch veränderte Lebensmittel in der EU zieht mit der Kritik von Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte eine prominente Stimme aus dem Grünen-Spektrum an. Die Ministerin äußerte sich skeptisch zu den Plänen, die die Notwendigkeit einer speziellen Überprüfung und Kennzeichnung dieser Produkte in Frage stellen, obwohl maßgebliche Veränderungen des Erbguts gekennzeichnet bleiben sollen. Die Entscheidung des EU-Parlaments und der Unterhändler der EU-Staaten, diese Lockerung Anfang Dezember durchzusetzen, trifft bei ihr auf deutliche Ablehnung.
Befürworter sehen in den geplanten Änderungen eine Chance, Züchtungserfolge schneller zu erzielen, insbesondere um Pflanzen robuster gegen Klimawandelfolgen zu machen oder den Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln zu reduzieren. Staudte hingegen ist skeptisch gegenüber Versprechen, die mit der neuen Gentechnik gemacht werden. Sie erinnert daran, dass ähnliche Erwartungen an die alte Gentechnik vor 30 Jahren nicht erfüllt wurden.
Die Ministerin fürchtet zudem, dass die neuen Regelungen die Macht der großen Agrarkonzerne stärken könnten. Die Möglichkeit, Saatgutsorten zu patentieren, könnte zu einer noch stärkeren Marktkonzentration führen, was aus ihrer Sicht langfristig die Landwirte finanziell benachteiligen könnte.
Zudem kritisiert sie, dass die Lockerungen die Verbraucherrechte beschneiden, da diese nicht mehr frei wählen können, gentechnikfreie Produkte zu kaufen. Nur Bioprodukte blieben als Ausweg, wenngleich deren Angebot eingeschränkt ist.
Schließlich warnt Staudte vor möglichen Langzeiteffekten durch das Auskreuzen gentechnisch veränderter Pflanzen im Freilandanbau. Sie bedauert die Abkehr vom europäischen Vorsorgeprinzip, da dessen bisherige Einhaltung ihrer Meinung nach positive Resultate in der Landwirtschaftssicherheit erzielt habe.

