Deutscher Fußball-Bund

Gestalten statt verwalten: Neuendorf bleibt DFB-Boss

07. November 2025, 15:33 Uhr · Quelle: dpa
Bernd Neuendorf wurde einstimmig als DFB-Präsident bis 2029 wiedergewählt. Er kündigt eine neue Phase der Gestaltung an, um den Verband voranzutreiben.

Frankfurt/Main (dpa) - Mit einem Lächeln und wie üblich seiner Brille auf der Stirn trat Bernd Neuendorf auf die Bühne und bedankte sich für seine einstimmige Wiederwahl als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes. Der 64-Jährige wurde auf dem 45. Ordentlichen Bundestag des weltgrößten Sportfachverbandes in Frankfurt am Main wie erwartet bis Ende 2029 im Amt bestätigt und kündigte nach turbulenten Jahren der «Konsolidierung und Transformation» an: «Die Zukunft beginnt jetzt.»

Nach einer erfolgreichen «Wurzelbehandlung», wie Neuendorf seine erste Amtszeit bezeichnete, will der DFB-Boss künftig mehr gestalten als verwalten. Es gehe darum, den eingeschlagenen Weg konsequent fortzusetzen. «Wir treten jetzt in eine neue Phase ein – in eine Phase der Gestaltung. Wir wollen mutig nach vorn gehen - und das stringent und planvoll», verkündete Neuendorf. 

«Wir haben den DFB in jeglicher Hinsicht stabilisiert und konsolidiert – atmosphärisch, finanziell, inhaltlich, sportlich. Der DFB hat seine Reputation wieder hergestellt. Er wird wieder als verlässlicher Player wahrgenommen», rief Neuendorf in der Eventhalle auf dem DFB-Campus den 253 Delegierten zu, die ihm mit ihrem Votum das hundertprozentige Vertrauen aussprachen. 

Sinning gewinnt Kampfabstimmung 

Während Neuendorf als einziger Kandidat für den höchsten DFB-Posten angetreten war, kam es bei der Wahl der Vizepräsidentin für Bildung, Freizeit und Breitenfußball zwischen Amtsinhaberin Silke Sinning und Herausforderin Silke Raml zur einzigen Kampfabstimmung des Tages. Dabei setzte sich Sinning mit 124:113 Stimmen knapp durch. «Es ist grundsätzlich lobenswert, dass wir diese Situation hatten. Das ist ein ganz normaler demokratischer Prozess», sagte Neuendorf dazu.

Einen Wechsel gibt es auf dem Posten des Generalsekretärs, den Holger Blask von Heike Ullrich übernimmt. Der Geschäftsführer der DFB GmbH und Co. KG wurde unmittelbar nach dem Bundestag vom neuen Präsidium ernannt. Ullrich bleibt dem DFB als Vizepräsidentin für Mädchen- und Frauenfußball erhalten. Dieser Bereich soll künftig noch stärker gefördert werden. 

Am 10. Dezember wird der DFB eine eigene Gesellschaft für die Frauen-Bundesliga gründen und diese für die nächsten acht Jahre mit 100 Millionen Euro ausstatten. Dies sei «ein starkes und mutiges Signal, welches aus meiner Sicht dringend geboten ist», sagte Neuendorf.

Schwerer Start

Der ehemalige SPD-Politiker steht seit dem 11. März 2022 an der Spitze des Verbandes. Bei der Wahl des Nachfolgers für den im Mai 2021 zurückgetretenen Fritz Keller hatte er sich damals gegen Interimsboss Peter Peters durchgesetzt. 

In seiner ersten Amtszeit hatte Neuendorf einige Krisen zu moderieren. Da waren zunächst die peinliche Spielführer-Debatte und das blamable Vorrunden-Aus bei der WM 2022 in Katar, wo der DFB sowohl auf als auch neben dem Platz keine gute Figur abgab. Die sportlichen Aufräumarbeiten führten zur Trennung von Bundestrainer Hansi Flick und Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff. Auch Frauen-Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg musste nach dem enttäuschenden Vorrunden-Aus bei der WM 2023 vorzeitig gehen. 

Gute Personalentscheidungen

Bei der Auswahl der neuen Führungspersönlichkeiten im sportlichen Bereich bewies der ehemalige Journalist und Staatssekretär im Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport in Nordrhein-Westfalen ein gutes Händchen. Mit Sport-Geschäftsführer Andreas Rettig holte er einen jahrelangen DFB-Kritiker ins Boot. Die zum Direktor der Nationalmannschaft berufene Fußball-Legende Rudi Völler und Bundestrainer Julian Nagelsmann hauchten der DFB-Auswahl neues Leben ein, die Frauen befinden sich unter Bundestrainer Christian Wück wieder im Aufschwung.

Unter Neuendorfs Führung hat sich zudem das in der Vergangenheit oft verhärtete Verhältnis des Verbandes zur Deutschen Fußball Liga normalisiert. Man habe gemeinsam bewiesen, «dass der Fußball handlungsfähig ist», stellte Neuendorf fest. DFL-Aufsichtsratschef Hans-Joachim Watzke lobte «den Wandel, der da stattgefunden hat» und bekräftigte: «Wir haben gelernt, vertrauensvoll zusammenzuarbeiten. Mir hat das die letzten dreieinhalb Jahre Spaß gemacht.»

Wirtschaftlicher Aufschwung

Noch wichtiger: Auch finanziell steht der DFB, der 2022 ein strukturelles Defizit von jährlich 20 Millionen Euro verzeichnete, wieder besser da. «Im Hinblick auf die Finanzen standen wir an einem gefährlichen Kipppunkt», sagte Neuendorf im Rückblick und verkündete stolz: «Wir haben den DFB auf eine wirtschaftlich solide Basis gestellt. Wir werden 2029, also am Ende der kommenden Wahlperiode, schuldenfrei sein.»

Und nicht nur das: Neben der kompletten Tilgung des 75-Millionen-Euro-Kredits für den Bau des DFB-Campus will der Verband bis zu diesem Zeitpunkt Rücklagen von mehr als 100 Millionen Euro bilden, kündigte Schatzmeister Stephan Grunwald an. 

Hilfreich sein wird dabei der neue Ausrüstervertrag mit Nike, der dem DFB dem Vernehmen nach 100 Millionen Euro einbringen soll. Mit den Einnahmen will Neuendorf vor allem den Bereich Nachwuchs/Amateure stärken. Schon jetzt investieren der DFB und seine Landesverbände rund 125 Millionen Euro pro Jahr in den Amateurfußball. «Ein kraftvolles Statement, wie ich finde», sagte Neuendorf und appellierte: «Daran sollten wir festhalten.»

DFB kämpft vor Gericht um viel Geld

Ist also alles paletti beim DFB? Nicht ganz, denn der Verband kämpft juristisch immer noch mit einigen Altlasten. Nach dem Sommermärchen-Prozess, der im Juni mit einer Geldstrafe (130.000 Euro) für den Verband endete, läuft derzeit vor dem Landgericht Frankfurt ein weiteres Steuerstrafverfahren. Darin geht es um eine mögliche falsche Deklarierung der Einnahmen aus der Bandenwerbung in den Jahren 2014 und 2015. 

Weiter anhängig ist zudem eine DFB-Klage vor dem Finanzgericht Kassel wegen der Aberkennung der Gemeinnützigkeit für 2006 und einer daraus resultierenden Steuernachzahlung. Inklusive Zinsen geht es dabei um rund 26 Millionen Euro.

Fußball / DFB / Bundestag / Deutschland
07.11.2025 · 15:33 Uhr
[1 Kommentar]
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