Lebensbedrohliche Krankheit

Experten: Ebola-Lage ernst – aber keine Pandemiegefahr

20. Mai 2026, 13:12 Uhr · Quelle: dpa
Ebola-Ausbruch - Demokratische Republik Kongo
Foto: Dirole Lotsima Dieudonne/AP/dpa
Die WHO geht von einer Dunkelziffer bei den Fällen aus.
Warum Experten trotz des Ebola-Ausbruchs in Zentralafrika keine Pandemie-Notlage ausrufen und welche Maßnahmen jetzt als entscheidend gelten.

Genf/Kinshasa/Addis Abeba (dpa) - Die Lage nach dem Ebola-Ausbruch in Zentralafrika bleibt ernst, aber internationale Experten sehen keine Gefahr für eine Pandemie. Das sagte Lucille Blumberg, die Vorsitzende des Ebola-Notfallausschusses aus unabhängigen Spezialistinnen und Spezialisten, der die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf berät. «Wir sind auch der Meinung, dass dies die Kriterien für einen Pandemie-Notstand nicht erfüllt», sagte sie. 

In der Demokratischen Republik Kongo und Uganda gibt es nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) inzwischen mehr als 500 Verdachtsfälle und mehr als 130 vermutete Todesfälle, der Großteil davon im Kongo. Einige Dutzend Fälle wurden bislang im Labor bestätigt. 

Die WHO geht davon aus, dass die wahre Zahl deutlich höher liegt, weil nicht alle Krankheitsfälle gemeldet werden. Der Ausbruch passiert in der Unruheprovinz Ituri, wo nach Kämpfen rund 100.000 Menschen auf der Flucht sind. In solchen Situationen ist eine gute Gesundheitsversorgung schwierig. Die Provinz grenzt an Uganda und Südsudan.

Infizierter Amerikaner in der Charité 

In Berlin kam unterdessen in der Nacht in einem speziell ausgestatteten Krankentransporter der amerikanische Arzt an, der sich im Kongo angesteckt hatte. Er wurde auf Bitten der US-Behörden in Deutschland aufgenommen. «Zum jetzigen Zeitpunkt äußern wir uns nicht zum Gesundheitszustand des Patienten», teilten das Bundesgesundheitsministerium und das Krankenhaus Charité mit. Der Mann befindet sich in der geschützten Sonderisolierstation des Universitätsklinikums. 

Eine Pandemie-Notlage zu erklären wäre die höchste Alarmstufe, die die WHO verhängen kann, damit Länder umfangreiche Schutzmaßnahmen ergreifen. Anders als das Virus, das die Covid-Pandemie ausgelöst hat, wird das Ebola-Virus aber nur durch engen Kontakt mit Blut und Körperflüssigkeiten von Infizierten übertragen, nicht durch zufällige Kontakte mit der Person, sagte Blumberg.

«Keine Reisebeschränkungen vorgesehen»

Deshalb sieht der Ausschuss auch keinen Anlass für weitere Zwangsmaßnahmen. «Reisebeschränkungen sind unter den Regularien der Internationalen Gesundheitsvorschriften nicht empfohlen», sagte Blumberg.

Ungeachtet dessen hat das benachbarte Ruanda seine Grenze zum Osten des Kongo bereits geschlossen. Die USA haben für den Kongo ihre höchste Reisewarnung herausgegeben und Einreisebeschränkungen für Personen ohne US-Pass verhängt, die sich kürzlich im Kongo, in Uganda oder im Südsudan aufgehalten haben.

Die Empfehlungen des Ausschusses seien die gleichen wie bei anderen Ausbrüchen: Kranke isolieren, Gesundheitspersonal schützen, Kontakte der Kranken überwachen und bei Bedarf isolieren, Begräbnisse so gestalten, dass keine Ansteckungsgefahr besteht.

Impfstoffe noch in weiter Ferne 

Es handelt sich um den insgesamt 17. Ebola-Ausbruch im Kongo seit 1976. Ebola ist eine ansteckende und lebensbedrohliche Infektionskrankheit. In den Jahren 2014 und 2015 waren bei einem Ausbruch der Zaire-Variante in Westafrika mehr als 11.000 Menschen gestorben. Die WHO hat Szenarien entwickelt, wie sich die Lage in der betroffenen Region entwickeln könnte. Sie hält 400 bis 800 Todesfälle für möglich, in einem «Worst-Case-Szenario» auch 1.000 Todesfälle, sagte WHO-Spezialistin Marie‑Roseline Belizaire. 

Für die seltene Bundibugyo-Variante des Virus, die vermutlich schon in der dritten April-Woche ausbrach, aber zunächst nicht entdeckt wurde, gibt es bislang weder einen Impfstoff noch eine Therapie. Die WHO spricht von zwei Impfstoffkandidaten. In einem Fall dauere es aber sicher sechs bis neun Monate, bis Impfdosen zur Verfügung stünden, sagte WHO-Spezialist Vasee Moorthy. Im anderen Fall könnten Dosen schneller hergestellt werden, in zwei bis drei Monaten, dort fehle es aber noch an Daten aus Tierversuchen. 

Vertrauen der Bevölkerung wichtig

Die USA wollen bis zu 50 Behandlungszentren zur Bekämpfung des Ebola-Ausbruchs im Kongo und Uganda finanzieren. Die schnell eingerichteten Kliniken sollen medizinische Versorgung und Eindämmungsmaßnahmen in den betroffenen Gebieten unterstützen, wie das US-Außenministerium mitteilte. 

Die WHO-Experten betonten bei ihrer Pressekonferenz in Genf, wie wichtig es sei, nicht mit großen Delegationen ins Land zu reisen in dem Glauben, dort dann alles richten zu können. Vielmehr frage die WHO immer, bei welchen Aufgaben die Lokalbehörden vor Ort Unterstützung brauchen. Kongo sei im Umgang mit Ebola sehr erfahren. Zudem sei ein Einsatz nur erfolgreich, wenn man das Vertrauen der lokalen Bevölkerung habe. Sonst würden Krankheits- und Verdachtsfälle oder Kontakte von Kranken sich nicht melden, könnten nicht isoliert werden, und die Infektionsketten könnten nicht unterbrochen werden.

Ebola / WHO / Demokratische Republik Kongo / Uganda / Charité / USA / Impfstoff
20.05.2026 · 13:12 Uhr
[4 Kommentare]
Computer-Nutzer (Archiv)
San Francisco - Das US-Unternehmen Anthropic hat sein neues KI-Modell vorläufig vom Markt genommen. Grund dafür seien Sicherheitsbedenken der US-Behörden, die nur wenige Tage nach der öffentlichen Vorstellung des Programms laut wurden, teilte der Konzern mit. Wie das Unternehmen auf seiner Website schreibt, wurde es angewiesen, ausländischen Nutzern den […] (00)
vor 33 Minuten
Ariana Grande hat das Weiße Haus verurteilt, nachdem ihr Song 'Bye' mit einem ICE-TikTok-Video kombiniert wurde.
(BANG) - Ariana Grande hat Donald Trump scharf kritisiert, nachdem ihr Song 'Bye' als Hintergrundmusik für ein TikTok-Video verwendet wurde, das Festnahmen durch die US-Einwanderungsbehörde ICE zeigte. Der Clip, der am Dienstag (9. Juni) veröffentlicht wurde, zeigte ICE-Beamte dabei, wie sie Menschen festnahmen und ihnen Handschellen anlegten, während […] (05)
vor 12 Stunden
Warner Bros.
Washington (dpa) - Die US-Regierung hat die Übernahme des Hollywood-Urgesteins Warner Brothers durch den Konkurrenten Paramount ohne Auflagen genehmigt. Das Justizministerium kam zu der Einschätzung, dass der Zusammenschluss weder dem Wettbewerb noch US-Verbrauchern schaden werde - sowohl im TV- oder Streaming-Geschäft als auch in der Filmproduktion. […] (00)
vor 5 Stunden
PS4 verliert einen Dienst, den viele wohl nie gesehen haben
Die PlayStation 4 bekommt eine weitere kleine Abschaltung. Diesmal betrifft es aber keinen großen Multiplayer-Hit, keinen Store-Bereich und keine bekannte Apps oder APIs. Sony beendet einen Dienst, von dem viele PS4-Spieler wahrscheinlich nicht einmal wussten, dass er überhaupt noch existiert. Es geht um die Trend Micro Kids Safety- und Web Security- […] (00)
vor 8 Stunden
TF1 zeigt Thriller-Serie «All Her Fault» ab Juli
Sarah Snook spielt die Hauptrolle in der neuen achtteiligen Thriller-Serie «All Her Fault», die ab dem 1. Juli bei TF1 und TF1+ zu sehen sein wird. Der französische Sender TF1 hat den Starttermin für die neue Serie All Her Fault bekannt gegeben. Die achtteilige Produktion basiert auf dem gleichnamigen Bestsellerroman von Andrea Mara und feiert ihre Premiere am Mittwoch, den 1. Juli, um 21.10 […] (00)
vor 1 Stunde
WM 2026 - USA - Paraguay
Inglewood (dpa) - Doppeltorschütze Folarin Balogun dachte nach dem höchsten WM-Sieg einer US-Herren-Nationalmannschaft und der überzeugenden Auftakt-Party schnell an das ganz große Ziel bei dieser Fußball-WM: Den Titel. 4: 1 (3: 0) gewannen die Co-Gastgeber ihren Start gegen Paraguay und etablierten sich sofort als Favorit in ihrer Gruppe D.  Mit zwei […] (01)
vor 13 Minuten
Bundestag
Berlin (dpa) - Während der Bundestag in diesem Jahr auf eine Erhöhung der Diäten verzichtet, steigen die Bezüge der Abgeordneten in einigen Landtagen wie geplant. Die Fraktionen von Union und SPD wollen im Bundestag mit einer einmaligen Nullrunde ein Sparsignal in finanziell schwierigen Zeiten senden. In den Ländern ist das Bild dagegen uneinheitlich: […] (00)
vor 4 Stunden
Innerhalb weniger Jahre hat sich verschoben, was ein deutsches Auto im Kern ausmacht. Wo früher Hubraum und Verbrauch den Ton angaben, entscheiden heute Reichweite, Ladezeit und die Qualität der Bordsoftware über Erfolg oder Misserfolg. Entsprechend bauen Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz ihre Werke um, stellen Teams neu auf und denken das Fahrzeug von […] (00)
vor 15 Stunden
 
Sven Schulze und Friedrich Merz (Archiv)
Magdeburg - Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) plant, dass auch […] (00)
Herbert Reul (Archiv)
Düsseldorf - Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) dringt auf eine […] (02)
Seniorin mit Helferin (Archiv)
Berlin - Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat die Bundesländer […] (06)
Rainer Dulger (Archiv)
Berlin - Der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), […] (01)
UFC Freiheit 250 Trump
Washington (dpa) - Ein US-Gericht hat grünes Licht für das geplante Kampfsportevent […] (02)
Handy-Preise steigen jetzt – Das versteckte Material, das Verbraucher ruiniert
Das unsichtbare Problem in Ihrer Geldbörse Wenige Verbraucher wissen es, doch in […] (00)
Jennifer Lopez
(BANG) - Jennifer Lopez hat offen darüber gesprochen, wie ein Film ihr dabei half, […] (00)
Kabel Eins holt «Magnum» zurück ins Frühprogramm
Der Sender setzt ab Ende Juni wieder auf die Abenteuer des hawaiianischen Privatdetektivs […] (00)
 
 
Suchbegriff