«Party auf Londons Straßen»: Arsenal träumt vom großen Coup
London (dpa) - Kai Havertz und seine Teamkollegen sprangen singend durch die Räume des Arsenal-Trainingszentrums und brüllten immer wieder «Campeones». Rund um das Emirates-Stadion verwandelten Tausende Fans die Straßen bis morgens um 5 Uhr in ein rot-weißes Jubelmeer.
Der erste Meistertitel seit 22 Jahren hat beim FC Arsenal sämtliche Emotionen freigesetzt und wurde bis in die frühen Morgenstunden gefeiert. Jetzt träumen sie in London vom Double aus Meisterschaft und Champions League.
Als einer der Ersten meldete sich Premierminister und Arsenal-Fan Keir Starmer zu Wort. «22 lange Jahre für Arsenal», schrieb Starmer, der politisch stark unter Druck steht. «Aber endlich sind wir wieder dort, wo wir hingehören. Champions!»
Nach einem erneuten Patzer von Konkurrent Manchester City haben die Londoner den Titel am Ende einer nervenaufreibenden Saison schon vor dem letzten Spieltag sicher - und sind nach drei Vize-Meisterschaften endlich am Ziel. Trainer Mikel Arteta, einst Pep Guardiolas Assistent bei Man City, übertrumpfte damit seinen einstigen Lehrmeister. Ein Machtwechsel? Guardiola wird City Berichten zufolge am Saisonende nach zehn Jahren verlassen.
Arsenal übersteht dramatischen Saisonendspurt
Seit dem siebten Premier-League-Spieltag standen die Londoner fast durchgängig an der Tabellenspitze. Zwischenzeitlich hatte Arsenal neun Punkte Vorsprung (wobei Man City weniger Spiele absolviert hatte). Doch auf den letzten Metern schien die Puste auszugehen. Das Team wirkte zunehmend nervös.
Nach der Niederlage gegen Man City zog der punktgleiche Konkurrent wegen der besseren Tordifferenz sogar kurzzeitig vorbei. «Panik auf Londons Straßen», unkten City-Anhänger auf einem Transparent. In Anspielung darauf zeigten Arsenal-Fans nach der Titelentscheidung ein anderes Banner: «Party auf Londons Straßen».
Havertz ebnet den Weg zum Titel
Abwehrchef Declan Rice hatte sich nach der Pleite bei City kämpferisch gegeben. «Es ist nicht vorbei!», rief er seinen Teamkollegen damals auf dem Platz zu. Er behielt Recht. Die für Aufholjagden und Siegesserien zum Saisonende berühmten Cityzens patzten erst in Everton (3:3) und nun in Bournemouth (1:1).
Arsenal hatte am Montag dank des Treffers von Kai Havertz 1:0 gegen den FC Burnley gewonnen. Der deutsche Nationalspieler, der in dieser Saison verletzungsbedingt nur elf Premier-League-Spiele absolvierte, schoss sein Team damit zum Titel. Im Champions-League-Finale gegen Paris Saint-Germain soll am 30. Mai der nächste folgen. Noch nie triumphierten die Engländer in der Königsklasse.
Ein Umbruch, der mehr als fünf Jahre dauerte
Als Architekt des Erfolgs gilt Mikel Arteta, der das Traineramt Ende 2019 übernahm und einen radikalen Umbruch einleitete. «Arteta hat ein toxisches Chaos übernommen», schrieb der «Telegraph». Ein Titelkandidat war Arsenal da schon lange nicht mehr. 2004 hatten die «Invincibles» unter Arsène Wenger ihren letzten Coup gefeiert - eine Saison ohne Niederlage.
«Zwei Jahrzehnte später und nach vielen Jahren des Leidens ist die Premier League wieder bei Arsenal», schrieb die spanische «Mundo Deportivo».
Arteta scheute sich nicht, formschwache oder egoistische Stars wie Mesut Özil und Pierre-Emerick Aubameyang auszusortieren. Er baute eine neue Mannschaft auf, deren Leistungsträger heute Bukayo Saka, Martin Ødegaard oder Declan Rice heißen, und stärkte den Zusammenhalt.
«Trust the process» («Vertraue dem Prozess») lautete sein Mantra, das er vor allem dann wiederholte, wenn es nicht so gut lief. Die Clubführung um Miteigentümer Josh Kroenke wurde für ihre Geduld belohnt.
Kritiker monieren, dass Artetas Fußball zu sehr auf Sicherheit und Ballbesitz angelegt ist. Dem Coach, der während der Saison oft verbissen wirkte, dürfte das spätestens jetzt herzlich egal sein. «Mikel Arteta hat seinen Platz in unserer Geschichte als einer der größten Trainer aller Zeiten gefestigt», hieß es nach dem Titelgewinn auf der Arsenal-Website.


