Tragischer Unfall in Pakistan

Ein Leben am Limit: Laura Dahlmeier stirbt bei Bergunglück

30. Juli 2025, 17:35 Uhr · Quelle: dpa
Laura Dahlmeier, Doppel-Olympiasiegerin im Biathlon, starb tragisch beim Bergsteigen im Karakorum. Ihr leidenschaftliches Leben und ihr Kampf um Freiheit hinterlassen bleibende Eindrücke.

Garmisch-Partenkirchen (dpa) - Langeweile hatte im Leben von Doppel-Olympiasiegerin Laura Dahlmeier keinen Platz. Ob Klettern auf Tausende Meter hohe Gipfel, Fallschirmspringen oder Motorradfahren - die 31-Jährige liebte das Leben am Limit, die Natur und den Kampf gegen sich selbst. Wann immer es nur ging, wollte die ehemalige Weltklasse-Biathletin etwas erleben. «Ich mag es, häufig unterwegs zu sein, neue Orte zu sehen und mich verschiedenen Herausforderungen zu stellen», sagte Dahlmeier mal.

Diesen Drang nach Freiheit bezahlte Dahlmeier nun mit ihrem Leben. Beim Bergsteigen am Laila Peak im pakistanischen Karakorum-Gebirge verunglückte sie trotz ihrer enormen Erfahrung auf tragische Weise tödlich. Das teilte ihr Management mit. Die Bayerin wurde am Montagmittag auf rund 5.700 Metern Höhe von einem Steinschlag erfasst. 

Wegen andauernder Steinschlaggefahr konnte niemand zu ihr vordringen. Wie die Familie mitteilte, war es Dahlmeiers «ausdrücklicher und niedergeschriebener Wille», in solch einem schlimmen Fall den Leichnam am Berg zurückzulassen. Das wurde nun getan und die Rettungsaktion eingestellt.

Wenn Laura Dahlmeier die Freiheit spüren wollte, ging sie in die Berge. An keinem anderen Ort war sie so sehr sie selbst, fühlte Frieden und inneres Glück. Sie galt als erfahrene und sehr risikobewusste Bergsteigerin, war staatlich geprüfte Berg- und Skiführerin sowie zu Hause aktives Mitglied der Bergwacht.

Ex-Biathletin schon mal Zugspitzmassiv abgestürzt

«Ich denke, es ist ganz wichtig, dass man sich da ernsthaft Gedanken macht, dafür ist auch schon zu viel passiert. Natürlich, wenn dann wieder ein schlimmer Unfall ist und es passiert was im direkten Umfeld, dann stellt man sich auch wieder die Frage: Puh, wie macht man denn jetzt weiter», sagte Dahlmeier in der ZDF-Dokumentation «Laura Dahlmeier und der Rausch der Höhe». Ihr Ex-Freund (29) starb Anfang Januar 2022 bei einem Lawinenunglück in Patagonien.

Nicht erst seitdem wusste Dahlmeier um die Gefahren der Risikosportart. Im August 2014 stürzte sie beim Klettern im Zugspitzmassiv ab. Eine Felsschuppe, ein Griff, brach heraus. Sie versuchte nachzugreifen, fand aber erneut keinen Halt, weil auch der nächste Griff ausbrach, wie sie in ihrem Buch «Wenn ich was mach, mach ich 's gscheid» schrieb. 

«Ich schlage ein paar Mal auf, falle kopfüber ... Bin völlig machtlos. Eine mir unbekannte Angst durchschießt meinen Körper und ich schreie.» Das Sicherungsseil rettete sie, sie erlitt einen Knöchelbruch, einen Bänderriss im Sprunggelenk sowie mehrere Prellungen. Die Bergrettung holte sie. Später sagte sie, ihr komme es vor, «als hätte ich in sehr kurzer Zeit fast alles erlebt». Und sie lernt eindrücklich die Lektion, dass man nicht «unsterblich» ist: «Wenn du beim Klettern einen Fehler machst, kannst du ums Leben kommen.»

Doppel-Olympiasiegerin tritt mit nur 25 Jahren zurück

Eine normale Arbeit wäre nach ihrer glanzvollen Karriere mit Siegen über Siegen im Biathlon niemals infrage gekommen. Sie wollte ein Leben nach ihren eigenen Regeln. «Wenn ich einen 9-to-5-Job hätte und von Montag bis Freitag immer im gleichen Büro sitzen müsste, wäre das für mich die totale „Anti-Freiheit“», sagte die Garmisch-Partenkirchnerin einst: «In den Bergen fühle ich mich einfach daheim.»

Auch deswegen entschied sie sich im Alter von nur 25 Jahren für ein frühes Ende ihrer Laufbahn. Sie hatte alles gewonnen, wollte lieber ein Leben ohne Zwänge und Erwartungsdruck: «Ich finde es total langweilig und schrecklich, drinnen gefangen zu sein. Das Freiheitsgefühl draußen in den Bergen wiederum ist einzigartig!», hatte Dahlmeier «alps-magazine.de» gesagt.

Auf den Bergen stellte Dahlmeier Rekorde auf

Schon als Kind wurde Dahlmeier von ihrem Vater zum Klettern und auf Bergtouren mitgenommen. Später reiste sie um die Welt. USA, Peru, Iran oder Nepal - überall stand Dahlmeier auf sehr hohen Gipfeln, stellte dabei Rekorde auf. Keine Frau war jemals schneller auf dem 6.814 Meter hohen Ama Dablam in Nepal als Dahlmeier. Auch die legendäre Eiger-Nordwand bezwang sie.

Vor einigen Wochen führte sie erstmals als Bergführerin eine Gruppe an. Danach schrieb sie auf Instagram: «Reisen. Berge besteigen. Die Welt entdecken. Frei sein ... Die Elemente spüren ... Risiken abwägen ... Gipfel erreichen. Glücklich sein ... Träume verwirklichen ... LEBEN.» 

Olympiasiege und WM-Titel - Dahlmeier gewann alles

«Olympiasiegerin - oder Hüttenwirtin», schon als Siebenjährige hatte Dahlmeier ihre Ziele für die Zukunft in einem Freundebuch festgehalten. Mit viel Ehrgeiz und absoluter Leidensfähigkeit erfüllte sie sich ihren sportlichen Traum vom Olympiasieg 2018 und wurde zum nächsten deutschen Biathlon-Star nach Magdalena Neuner. Schon die WM 2017 in Hochfilzen war zum Glanzpunkt ihrer sportlichen Laufbahn geworden, als sie in sechs Rennen fünfmal Gold und einmal Silber holte. 

In der gleichen Saison gewann Dahlmeier auch den Gesamtweltcup, ein Jahr später glänzte sie dann bei ihren zweiten Olympischen Spielen in Pyeongchang. In der Eiseskälte von Südkorea stürmte sie in Sprint und Verfolgung sensationell zu Gold, zudem gewann sie noch Bronze im Einzel. Zudem holte Dahlmeier 15 WM-Medaillen, sieben davon waren golden. 2019 war sie letztmals bei einer Weltmeisterschaft am Start, ehe sie im Frühjahr zurücktrat. Das Ausdauerwunder gewann insgesamt 20 Weltcuprennen.

Dahlmeier: «Eine Sehnsucht nach Leistungssport gibt es nicht»

Ziemlich überraschend wurde Dahlmeier nach ihrer Karriere TV-Expertin im ZDF. Ein fester Job beim Deutschen Skiverband kam dabei aber nie infrage, auch wenn die herausragende und nervenstarke Schützin eine Trainerlizenz besaß. Auch ein Comeback im Weltcup war nie ein Thema. «Mir geht es gut, eine Sehnsucht nach Leistungssport gibt es nicht», sagte Dahlmeier Jahre nach dem Rücktritt.

Stattdessen schrieb sie ihr Buch, schloss ein Sport-Studium an der TU München ab. Sie engagierte sich für den Umweltschutz und Nachhaltigkeit, verurteilte den Massentourismus am Mount Everest. 2023 radelte sie alleine 500 Kilometer am Stück, später lief sie 100 Kilometer am Stück. Sie startete bei der Berglauf-WM, absolvierte Skitourenrennen. 

Bei allen Aktivitäten blieb sie dabei immer ein absoluter Familienmensch. Ihre Heimat Garmisch-Partenkirchen liebte Deutschlands Sportlerin des Jahres 2017, sie fühlte sich im Kreise ihrer Familie sicher. Diese muss nun den schweren Schicksalsschlag verkraften. 

«Wir nehmen Abschied von einem großartigen Menschen. Laura hat mit ihrer herzlichen und geradlinigen Art unser Leben und das Leben vieler bereichert», hieß es in der Mitteilung der Familie zum Tod: «Sie hat uns vorgelebt, dass es sich lohnt, für die eigenen Träume und Ziele einzustehen und sich dabei immer treu zu bleiben. Unsere gemeinsamen Erinnerungen geben uns Kraft und Mut, unseren Weg weiterzugehen.»

Biathlon / Sportklettern / Unfälle / Pakistan / Deutschland / Bayern
30.07.2025 · 17:35 Uhr
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