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Zuwanderung gegen den Arbeitskräftemangel – Die ernüchternde Realität

13. Februar 2025, 13:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Die Bundesregierung setzt auf Einwanderung als Schlüssel zur Bekämpfung des Fachkräftemangels. Doch wie viele der versprochenen neuen Arbeitskräfte kommen tatsächlich in den deutschen Arbeitsmarkt an? Die aktuelle Bilanz zeigt: Vieles bleibt hinter den Erwartungen zurück.

200.000 Arbeitsvisa – aber nur ein Bruchteil landet in Jobs

Deutschland braucht dringend neue Arbeitskräfte. Bis zu sieben Millionen Beschäftigte werden in den nächsten zehn Jahren in den Ruhestand gehen, während der Nachwuchs fehlt. Die Antwort der Bundesregierung: Eine massive Erleichterung der Einwanderung für Fachkräfte aus Drittstaaten.

Die Zahl der erteilten Arbeitsvisa klingt beeindruckend: Rund 200.000 Visa wurden 2024 für Erwerbszwecke ausgestellt, verkündete Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) stolz. Doch eine genauere Analyse zeigt, dass diese Zahl wenig über den tatsächlichen Erfolg der Zuwanderungspolitik aussagt.

Denn ein Arbeitsvisum bedeutet nicht automatisch, dass die Person nach Deutschland kommt – geschweige denn, dass sie tatsächlich einen Job antritt. Die Realität: 2023 erhielten zwar 177.578 Menschen aus Drittstaaten ein Visum, doch nur rund 70.459 Personen traten tatsächlich eine Arbeit in Deutschland an.

Das bedeutet: Mehr als die Hälfte derjenigen, die ein Visum erhalten, tauchen nie in der deutschen Arbeitsmarktstatistik auf. Manche entscheiden sich kurzfristig um, andere verzögern ihre Einreise oder absolvieren zunächst Sprachkurse – doch der große Fachkräftezustrom, den sich die Politik erhofft, bleibt bislang aus.

Warum kommen so wenige wirklich an?

Die größte Hürde für viele ist die Bürokratie. Zwar wurden die Verfahren reformiert, doch die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse bleibt in vielen Branchen ein langer und komplizierter Prozess.

„Es gibt pro Herkunftsland bis zu zehn verschiedene Abschlüsse im Gesundheitswesen, die theoretisch anerkannt werden können. Das dauert entsprechend“, sagt Alexander Lundberg, Geschäftsführer des Personalvermittlers Careloop.

Das Berliner Unternehmen bringt Pflegekräfte aus Ländern wie Tunesien, Vietnam oder Usbekistan nach Deutschland. Doch selbst mit digitaler Begleitung und Sprachkursen dauert der Prozess oft bis zu zwei Jahre, bevor eine Fachkraft vollwertig im deutschen Gesundheitssystem arbeiten kann.

Auch Unternehmen beklagen die hohe Hürde: Laut einer Umfrage des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) verzichten 52 Prozent der Betriebe auf die gezielte Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte – weil der bürokratische Aufwand zu hoch ist.

Trotz hoher Einwanderungszahlen treten weniger als die Hälfte der Visumsinhaber tatsächlich eine Arbeit in Deutschland an. Bürokratische Hürden und lange Anerkennungsverfahren bremsen den Zuzug aus Drittstaaten.

Das Rentenproblem: Mehr Zuwanderung oder steigende Sozialkosten?

Dass Deutschland Arbeitskräfte braucht, steht außer Frage. Schon heute kommen auf einen Rentner nur noch 1,8 Beitragszahler – Tendenz sinkend.

Doch die bisherigen Einwanderungszahlen reichen nicht annähernd aus, um die Lücke zu schließen. Von den 1,9 Millionen Zuwanderern, die 2023 nach Deutschland kamen, war nur ein kleiner Teil gezielt für den Arbeitsmarkt angeworben.

Die meisten kamen aus der Ukraine (276.047), Rumänien (189.321) und der Türkei (126.487). Viele von ihnen sind jedoch Flüchtlinge oder Familiennachzügler – was bedeutet, dass sie nicht direkt als Fachkräfte zur Verfügung stehen.

Dazu kommt, dass sich die Integration in den Arbeitsmarkt oft schwierig gestaltet: Nur 31 Prozent der ukrainischen Zuwanderer und 46 Prozent der Geflüchteten aus anderen Ländern haben bisher eine Beschäftigung gefunden.

Ohne eine bessere Integration dieser Menschen wird der Fachkräftemangel weiter wachsen – während die Sozialkosten für den Staat steigen.

Bricht das Arbeitskräftepotenzial der EU weg?

Ein weiteres Problem: Während die Einwanderung aus Drittstaaten langsam anläuft, sinkt die Zahl der Arbeitskräfte aus EU-Staaten.

Noch vor wenigen Jahren war es selbstverständlich, dass Deutschland seinen Bedarf an Fachkräften aus Ländern wie Polen, Rumänien oder Spanien decken konnte. Doch die Zahl der in Deutschland arbeitenden EU-Bürger geht zurück: 2023 waren 25.000 weniger EU-Bürger in Beschäftigung als im Vorjahr.

Der Grund: Die Arbeitsbedingungen in anderen europäischen Ländern haben sich verbessert. Länder wie Polen oder Tschechien bieten mittlerweile attraktive Jobmöglichkeiten, was viele Fachkräfte davon abhält, nach Deutschland zu kommen.

Wo bleibt die große Strategie?

Der Fachkräftemangel bleibt eine der größten Herausforderungen für die deutsche Wirtschaft. Doch die bisherigen Maßnahmen der Bundesregierung scheinen weniger effektiv, als die Politik es darstellt.

200.000 ausgestellte Visa hören sich nach einem Erfolg an – doch wenn am Ende weniger als die Hälfte dieser Menschen tatsächlich in Deutschland arbeitet, ist das ein ernüchterndes Ergebnis.

Politik
[InvestmentWeek] · 13.02.2025 · 13:00 Uhr
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