Investmentweek

Wie Betrüger mit Fakeprofilen auf Instagram Tausende schädigen

24. Juli 2025, 12:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Betrüger tarnen sich auf Instagram mit Fakeprofilen und, nutzen die Glaubwürdigkeit prominenter Persönlichkeiten. Diese Machenschaften zeigen die dramatischen Schwächen des Plattformbetriebs auf.

Das Geschäft mit der Maske

Die Masche ist simpel – und zerstörerisch. Ein vertrautes Gesicht, ein paar optimistisch klingende Sätze über Aktien oder Krypto, vielleicht garniert mit dem Versprechen „Das hätte ich gern früher gewusst“: So lockten Kriminelle ihre Opfer 2024 zu Dutzenden in manipulierte Chatgruppen.

Ihr Köder: das Profil von Thomas Kehl, dem Gründer des erfolgreichen Finanzbildungs-Kanals Finanzfluss. In Wahrheit steckte hinter dem Profil kein Investmentbanker – sondern ein perfides Schema.

Kehl, der auf YouTube und Instagram zusammen mehr als zwei Millionen Follower erreicht, hatte bereits vor einem Jahr Alarm geschlagen. Doch auch nach über 180 gemeldeten Fälschungen blieb das Echo bei Instagram & Co. oft aus. „Es passiert zu wenig. Viel zu wenig“, sagt Kehl heute – und zieht Konsequenzen.

Betrug mit System – und Plattformlogik

Im Zentrum der Kritik steht Meta, der Mutterkonzern von Facebook und Instagram. Dass dort täglich Betrugsversuche stattfinden, ist kein Geheimnis. Dass aber selbst prominente Personen mit hohem Wiedererkennungswert keine Möglichkeit haben, sich wirksam zu wehren, offenbart ein strukturelles Problem.

Laut Kehl ignorierte das interne Meldesystem von Meta nicht nur Hinweise – es wies sie in vielen Fällen sogar pauschal ab. Der Verdacht: Meta profitiert indirekt selbst von der kriminellen Aktivität, weil auch Fake-Accounts Werbeanzeigen buchen können – gegen Bezahlung.

„Wenn Plattformen an den Anzeigen dieser Fakeprofile mitverdienen, dann fehlt jeder Anreiz, sie wirklich konsequent zu entfernen“, sagt Kehl.

Der Sitz der Drahtzieher in schwer zugänglichen Jurisdiktionen wie Singapur oder Hongkong mache eine Strafverfolgung nahezu unmöglich – und die Verantwortung lande am Ende bei jenen, deren Gesichter missbraucht werden.

Betrüger nutzten gefälschte Kehl-Accounts, um mit dubiosen Aktientipps Kursmanipulationen durchzuführen – ein Anleger verlor dabei 50.000 Euro.

Pump & Dump mit Instagram-Glanz

Was genau in den Chatgruppen passiert, ist ein weiteres Kapitel des Skandals. Nach Recherchen von Finanzfluss schickten die Kriminellen gezielt Empfehlungen für bestimmte Aktien, die normalerweise kaum gehandelt werden.

Opfer, die den vermeintlichen Experten vertrauten, kauften – und trieben die Kurse kurzfristig hoch. Die Täter, die bereits vorher eingestiegen waren, stiegen mit Gewinn aus. Danach brach der Kurs ein – wie im Fall eines Geschädigten, der 50.000 Euro verlor.

Diese Praxis, im Börsenjargon als Pump & Dump bekannt, ist illegal – aber schwer zu verfolgen, wenn sie auf anonymen Plattformen orchestriert wird und mit gefälschten Identitäten operiert. Die soziale Glaubwürdigkeit eines bekannten Gesichts wie Kehl wird damit zur Ware. Und zur Waffe.

Ein Konzern, der alles kann – aber wenig will?

Technisch, so Kehl, sei die Sache eindeutig lösbar. YouTube etwa filtert geklaute Inhalte schon vor dem Hochladen heraus. Auch Gesichtserkennung, KI-gestützte Erkennung und Bildvergleiche wären längst Stand der Technik. Doch Meta, so der Vorwurf, setze diese Werkzeuge gezielt nicht ein – weil sie unbequem oder geschäftsschädlich wären.

Ein Sprecher des Unternehmens verweist auf interne Prüfer und den Kampf gegen betrügerische Inhalte. Laut Konzernangaben wurden Anfang 2025 rund eine Milliarde Fake-Accounts erkannt – angeblich zu 99 Prozent von Metas eigenen Systemen. Doch konkrete Fragen zu Kehl und den Fake-Profilen ließ das Unternehmen unbeantwortet.

Lesen Sie auch:

Finanzfluss in der Kritik – und endlich spricht einer Klartext
Warum die sachliche Analyse von Michael C. Jakob genau das ist, was der deutsche Finanzjournalismus braucht…

Der Präzedenzfall Hirschhausen – Hoffnung vor Gericht

Hoffnung gibt Kehl ein Urteil vom Oberlandesgericht Frankfurt. Dort hatte sich Eckart von Hirschhausen erfolgreich gegen Meta gewehrt, nachdem sein Gesicht in KI-generierten Videos für dubiose Diätmittel missbraucht worden war. Der Fall zeigt: Die Gerichte beginnen, die Verantwortung der Plattformen klarer zu fassen.

Kehl will nun per Klage erreichen, dass Meta proaktiv verhindern muss, dass sein Name und seine Marke „Finanzfluss“ für Betrug herhalten. Er fordert eine Pflicht zur Vorab-Prüfung und besseren Identitätskontrollen. Die Klage könnte – sollte sie Erfolg haben – maßgebliche Konsequenzen für den gesamten Plattformbetrieb bedeuten.

Digitale Verantwortung ist kein freiwilliger Service

Der Fall Kehl steht exemplarisch für eine Entwicklung, die in Zeiten von KI, Deepfakes und unreguliertem Plattformkapitalismus an Brisanz gewinnt. Wer als Tech-Konzern Milliarden verdient, darf sich nicht hinter Maschinen und Geschäftsbedingungen verstecken. Es geht längst nicht mehr um Einzelfälle – sondern um Grundfragen digitaler Sicherheit und unternehmerischer Verantwortung.

Denn am Ende steht kein Avatar vor Gericht. Sondern Menschen wie Thomas Kehl, deren Gesichter zur Fassade für kriminelle Absichten gemacht werden. Und Plattformen, die sich entscheiden müssen: Für die Nutzer – oder fürs nächste Quartalsergebnis.

Finanzen / Betrug / Fake-Profile / Instagram / digitale Sicherheit
[InvestmentWeek] · 24.07.2025 · 12:00 Uhr
[0 Kommentare]
Home Depot beruhigt Anleger: Aktie steigt nach Gewinnüberraschung und bestätigter Jahresprognose
Home Depot erhöht Vertrauen mit starken Ergebnissen Home Depot hat mit seinen neuesten Quartalsergebnissen eine deutliche Erleichterung bei Anlegern ausgelöst, die zuletzt wegen wirtschaftlicher Unsicherheiten nervös geworden waren. Der Baumarktriese übertraf die Erwartungen der Analysten beim Gewinn pro Aktie und demonstrierte damit bemerkenswerte […] (00)
vor 1 Stunde
AfD-Logo (Archiv)
Berlin/Düsseldorf/Schwerin - Das Plädoyer des früheren schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Torsten Albig (SPD), die Brandmauer zur AfD einzureißen, stößt bei führenden Sozialdemokraten auf scharfen Widerspruch. Jochen Ott, SPD-Fraktionschef und designierter Spitzenkandidat in Nordrhein-Westfalen, sagte der "Bild": "Ich weiß nicht, was ihn da […] (00)
vor 12 Minuten
Katie Price hat erklärt, dass sie ihren Ehemann Lee Andrews vermisst – neun Tage nach dessen Verschwinden.
(BANG) - Katie Price hat erklärt, dass sie ihren Ehemann Lee Andrews vermisst – neun Tage nach dessen Verschwinden. Das frühere Glamour-Model feierte seinen 48. Geburtstag am Freitag (22. Mai) allein und veröffentlichte in den sozialen Medien ein bewegendes Video mit Fotos von sich und Lee, der seit vergangener Woche nicht mehr gesehen wurde, als er […] (00)
vor 2 Stunden
Teile aus dem 3D-Drucker für die Ukraine
Berlin/Kiew (dpa) - Die Ukraine hat eine Armee, die auch in Deutschland aktiv ist: Drukarmija (Druckarmee) heißt eine Freiwilligenorganisation, deren Aktivisten mit 3D-Druckern massenhaft kleine Plastikteile herstellen. Sie drucken fast alles, was Soldaten und Rettungskräfte der Ukraine bei der Abwehr der russischen Invasion brauchen: Drohnenzubehör, […] (00)
vor 8 Stunden
Microsoft schiebt EA den schwarzen Peter zu: Xbox Game Pass Family Plan endgültig gestorben?
Kaum eine Funktion haben Xbox-Spieler so vehement gefordert wie einen Familien-Tarif für den Game Pass. Über das hauseigene Feedback-System „Player Voice“ landete das Familienabonnement unter den Top 5 der meistgewünschten Features. Doch nach Monaten des Testens in Irland und Kolumbien ist klar: Der Traum vom günstigen Mehrspieler-Abo ist geplatzt. Und […] (00)
vor 3 Stunden
Netflix schließt Exklusivdeal mit den «Super Mario Bros.»-Machern
Michael Jelenic und Aaron Horvath entwickeln künftig Serien und Filme exklusiv für Netflix. Netflix verstärkt seine Animationssparte mit prominenter Unterstützung: Der Streamingdienst hat eine mehrjährige Kreativpartnerschaft mit Michael Jelenic und Aaron Horvath geschlossen. Das Duo war zuletzt als Regisseure der erfolgreichen Kinofilme «The Super Mario Bros. Movie» und «The Super Mario […] (00)
vor 1 Stunde
Uli Hoeneß
München (dpa) - Uli Hoeneß hat die Kommunikation um die Nominierung des deutschen WM-Torwarts durch Bundestrainer Julian Nagelsmann bemängelt. «Das war nicht in Ordnung, nicht fair», sagte der 74 Jahre alte Ehrenpräsident des FC Bayern München im «Spiegel»-Spitzengespräch. Es sei ein Fehler gewesen, bereits im Frühjahr die Entscheidung zu verkünden, […] (00)
vor 14 Minuten
Modellbau Utensilien professionell entfetten und reinigen
Mörfelden-Walldorf, 23.05.2026 (lifePR) - Modellbau Utensilien professionell entfetten und reinigen Jeder Modellbauer kennt das Problem: fettige Fingerabdrücke, Staub oder Schweiß auf empfindlichen Bauteilen. Gerade beim Kleben oder Lackieren ist eine absolut saubere Oberfläche entscheidend, damit die Arbeit gelingt und das Modell ein perfektes Finish […] (00)
vor 5 Stunden
 
Puma im Fokus der Anleger Die bevorstehende Fußball-Weltmeisterschaft in Nordamerika […] (00)
Ein positiver Wandel in der Kreditperspektive Moody’s Ratings hat kürzlich die […] (00)
Der Fall für Geduld Im Zuge der anhaltenden Inflation, die zu einem erheblichen […] (00)
Mitmach-Aktion mit Bundespräsident Steinmeier
Berlin (dpa) - Zum Grundgesetztag hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Menschen in […] (03)
Starke Leistung trotz wirtschaftlicher Herausforderungen Die neuesten finanziellen […] (00)
Eishockey-WM: Ungarn-Deutschland
Zürich (dpa) - Der erste Sieg ist perfekt, die Chance auf das Viertelfinale intakt: […] (00)
Das Erste setzt auf Krimiabend mit «Donna Leon» und «Steirerblut»
Ende Juni zeigt Das Erste gleich zwei Krimiproduktionen am Montagabend. Zunächst geht es nach […] (00)
Rumer Willis
(BANG) - Rumer Willis ist überzeugt davon, dass sie dank ihrer "spirituellen Arbeit" […] (00)
 
 
Suchbegriff