Delcy Rodríguez zur Interimspräsidentin Venezuelas ernannt
Reaktion auf Machtvakuum nach Maduros Festnahme
Mit der Ernennung reagiert das oberste Gericht auf das entstandene Machtvakuum nach der Festsetzung Maduros und seiner Ehefrau durch US-Behörden. Ziel sei es, die Handlungsfähigkeit des Staates aufrechtzuerhalten und die verfassungsmäßige Ordnung zu sichern, hieß es aus Justizkreisen.
Rodríguez forderte unmittelbar nach ihrer Ernennung die sofortige Freilassung des Präsidentenpaares und sprach von einer schweren Verletzung der venezolanischen Souveränität.
Harte Rhetorik gegen die USA
In einer ersten öffentlichen Stellungnahme kündigte die neue Interimspräsidentin Widerstand gegen den US-Militäreinsatz an. Venezuela werde sich nicht unterwerfen, erklärte Rodríguez laut staatlichen Medien. Das Land werde weder Sklave noch Kolonie eines Imperiums sein, unabhängig davon, von wem der Druck ausgehe.
Die Wortwahl unterstreicht den konfrontativen Kurs, den Rodríguez bereits in früheren Regierungsfunktionen verfolgt hatte. Beobachter rechnen daher nicht mit einer kurzfristigen Deeskalation.
Enge Vertraute Maduros übernimmt Führung
Die 56-jährige Juristin zählt seit Jahren zum innersten Machtzirkel des bisherigen Präsidenten. Als Außenministerin zwischen 2014 und 2017 prägte sie den scharfen außenpolitischen Kurs gegen die USA und westliche Staaten maßgeblich. Auch als Vizepräsidentin galt sie als eine der loyalsten und einflussreichsten Figuren im Regierungslager.
Politisch ist Rodríguez tief in das bestehende Machtgefüge eingebettet. Ihr Vater war linker Parteifunktionär, ihr Bruder Jorge Rodríguez bekleidete und bekleidet zentrale Posten in Regierung und Parlament. Die Ernennung wird daher von der Opposition als Machtsicherung des bestehenden Systems gewertet.
Unsichere Perspektiven für das Land
Mit der Einsetzung einer Interimspräsidentin ist die institutionelle Kontinuität formell gewahrt, politisch bleibt die Lage jedoch hochgradig instabil. Internationale Reaktionen, mögliche Sanktionen und die militärische Eskalationsrhetorik könnten die ohnehin fragile wirtschaftliche und gesellschaftliche Situation Venezuelas weiter verschärfen.
Ob Rodríguez ihre Rolle lediglich übergangsweise ausfüllt oder sich zu einer dauerhaften Machtfigur entwickelt, dürfte maßgeblich vom weiteren Verlauf der internationalen Auseinandersetzung abhängen.


