Vorzeitig Immobilienkredit kündigen und bessere Konditionen mit Neufinanzierung sichern

Foto: pixabay / CC0 Creative Commons

Wer vor ein paar Jahren einen Immobilienkredit abgeschlossen hat, zahlt teilweise einen wesentlich höheren Zinssatz als jene Menschen, die heute in Zeiten der Niedrigzinspolitik einen Darlehensvertrag unterschreiben. Selbstverständlich besteht für diese Personen jederzeit die Möglichkeit zur Umschuldung ihrer Finanzierung. Dafür ist es jedoch erforderlich, den aktuellen Vertrag zu kündigen. Das ist mit hohen Zusatzkosten verbunden, denn die Finanzierungsunternehmen verlangen dafür eine sogenannte Vorfälligkeitsentschädigung. Die gute Nachricht für Betroffene: Mit dem Widerrufsjoker gibt es einen ganz einfachen Ausweg aus dieser Misere.

Was ist der Widerrufsjoker?

Der Widerrufsjoker wurde durch ein überraschendes Urteil des Europäischen Gerichtshofes ausgelöst. Davor hatten die deutschen Gerichte tendenziell eher bankenfreundlich geurteilt. Doch durch diese Entscheidung könnte sich die ohnehin bevorstehende Krise für die Immobilienwirtschaft massiv verstärken.

Für die Konsumenten, die vor etwa fünf bis acht Jahren ein Immobiliendarlehen beantragt haben, ist es allerdings eine sehr gute Nachricht. Denn das Urteil hat unter anderem die Auswirkung, dass sehr viel Kreditnehmer ihre Kreditverträge derzeit widerrufen können und dafür keine Zusatzkosten befürchten müssen. So erhalten sie einfach und unkompliziert eine günstige Neufinanzierung.

Das ist besonders bei Baufinanzierungen sehr lukrativ, da hier die Zinsen in den letzten Jahren stark gesunken sind. Der marktübliche Zinssatz lag 2012 bei rund vier Prozent. Heutzutage ist die Finanzierung mit einem wesentlich niedrigeren Zinssatz von durchschnittlich etwa 1,2 Prozent möglich.

Auslöser für das Urteil war der sogenannte Kaskadenverweis, der Verbraucherschützern und Konsumentenvereinen schon lange ein Dorn im Auge war. Denn dieser Verweis machte es Normalverbrauchern, die in ihrem sonstigen Leben nichts mit komplizierten Vertragstexten zu tun haben, fast unmöglich, herauszufinden, wann die Widerrufsfrist des jeweiligen Darlehens genau beginnt. Der Europäische Gerichtshof meinte dazu in seinem Urteil, dass dieser Zustand unzumutbar und vor allem nicht mit Europäischem Recht vereinbar ist. Für die betroffenen Darlehensnehmer bedeutet das, dass sie nun ein sogenanntes „ewiges“ Widerrufsrecht haben. Das heißt, sie können ihr Darlehen auch noch Jahre nach dem Vertragsabschluss widerrufen.

Wie viel Geld lässt sich mit dem Widerrufsjoker sparen?

Wie viel Geld sich tatsächlich sparen lässt, ist mit einem einfachen Praxisbeispiel leicht erklärt. Dabei gelten die folgenden Parameter:

  • Restschuld: 150.000 Euro
  • Restlaufzeit: 10 Jahre
  • Alter Zinssatz: 3,8 Prozent
  • Neuer Zinssatz: 0,9 Prozent

Würde das Darlehen wie bisher weiterlaufen, ergäben sich daraus Zinszahlungen in der Höhe von insgesamt 57.000 Euro. Durch die Umschuldung sinkt der Zinssatz für die restliche Laufzeit auf 0,9 Prozent. Die Zahlungen reduzieren sich deshalb auf eine Summe von 13.500 Euro. Mit der Umschuldung lassen sich in diesem Beispiel 43.500 Euro einsparen. Diese Summe ist es auf alle Fälle wert, um zu prüfen, ob der eigene Vertrag eine Widerrufsmöglichkeit enthält.

Wie bringt man in Erfahrung, ob der eigene Vertrag widerrufen werden kann?

Es ist ratsam, einen Vertrags-Check von einer Institution durchführen zu lassen, die möchte, dass Konsumenten den Joker tatsächlich erhalten. Das Unternehmen, mit dem der ursprüngliche Vertrag abgeschlossen wurde, wird in der Regel versuchen, so zu argumentieren, dass kein Anspruch auf den Widerruf besteht.

Daher ist es sinnvoller, sich an Organisationen wie den Verbraucherschutz oder die Verbraucherzentrale zu wenden. In deren Reihen gibt es Experten, die eine neutrale Prüfung des Vertrages vornehmen und eine Empfehlung abgeben, welche weiteren Schritte sinnvoll sind, um den Widerrufsjoker zu erhalten.

Die Banken wehren sich

Selbstverständlich nehmen die Banken die Widerrufe nicht kampflos hin. Im Gegenteil: Für die Institute geht es auch um viel Geld und daher versuchen sie alles, um Widerrufe zu verhindern. Vor allem, wenn man als Privatperson probiert, seine Rechte allein durchzusetzen, steht man gegen den mächtigen Apparat oft auf verlorenem Posten. In vielen Fällen wird dafür ein Anwalt erforderlich sein. Daher ist es generell ratsam, bereits im Vorfeld eine Rechtsschutzversicherung abzuschließen, die im Falle eines Rechtsstreits die Kosten übernimmt.

Finanzen / Immobilien
29.06.2020 · 08:48 Uhr
[0 Kommentare]
 

Corona-Krise zwingt Eltern zur Improvisation

Geschlossener Spielplatz
Wiesbaden (dpa) - Eltern in Deutschland haben in der Corona-Krise einer Untersuchung zufolge viel […] (02)

Die Berliner Kiezboten bringen Pakete auf den Punkt

Wer kennt das Phänomen nicht? Online eingekauft, sehnsüchtig gewartet, dann die Ernüchterung: Das Paket wird nicht persönlich zugestellt, sondern muss in einer Filiale abgeholt werden. Lösungen gegen diesen […] (06)
 
 
Diese Woche
15.07.2020(Heute)
14.07.2020(Gestern)
13.07.2020(Mo)
Letzte Woche
Vorletzte Woche
Top News