Verwischte Spuren. Die Sorge der IAEA um Irans Atomprogramm

30. August 2012, 20:22 Uhr · Quelle: dpa

Wien/Teheran (dpa) - Der Iran treibt den Ausbau seines umstrittenen Atomprogramms stetig voran und lässt sich dabei immer weniger in die Karten schauen. Das geht aus einem in Wien vorgelegten Iran-Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA hervor.

Vor allem die gesteigerte Urananreicherung und verwischte Spuren in der Militäranlage Parchin machen den Atomwächtern Sorgen. Experten befürchten einen baldigen Angriff Israels auf die iranischen Nuklearanlagen, wenn es weiter keine Annäherung im Atomstreit gibt.

Viele Länder sind sich inzwischen sicher, dass der Iran unter dem Deckmantel der zivilen Nutzung der Atomenergie an Nuklearwaffen arbeitet. Auch die IAEA hält dies wegen fehlender Kooperation des Landes für immer wahrscheinlicher. Dennoch bemüht sich die Behörde weiter um Zugang zu Informationen und Anlagen. Vergangene Woche blieben erneute Iran-IAEA-Gespräche ohne Ergebnis.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte den Iran am Donnerstag In Teheran auf, im Atomstreit eine rasche diplomatische Einigung mit dem Westen zu finden und ernsthaft mit der IAEA zusammenzuarbeiten. Im Interesse von Frieden und Sicherheit müsse der Iran in der internationalen Gemeinschaft Vertrauen aufbauen, dass sein Atomprogramm ausschließlich friedlicher Natur sei, sagte Ban auf dem Gipfeltreffen der Blockfreien Staaten.

Ban forderte die iranische Führung außerdem auf, ihre verbalen Angriffe auf Israel zu beenden. Erklärungen, wonach das UN-Mitglied Israel kein Existenzrecht habe, seien nicht nur total falsch, sondern untergrüben auch die Prinzipien der Vereinten Nationen.

Der israelische Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu kündigte in Jerusalem an, er wolle Ende September vor der UN-Vollversammlung den Iran als «größte Gefahr für den Weltfrieden» brandmarken.

Der religiöse Führer im Iran, Ajatollah Ali Chamenei, erklärte bei dem Blockfreien-Treffen in Teheran, dass sein Land keine Atomwaffen entwickele. «Wir stellen keine Atomwaffen her und werden dies auch niemals tun», sagte Chamenei. Der Iran werde aber sein Recht auf eine friedliche Nutzung der Atomenergie nicht aufgeben.

Der IAEA geht es aktuell vor allem um Zugang zu der Militäranlage Parchin, in der sie Tests im Zusammenhang mit Atomwaffen vermutet. Jahrelang habe es rund um die Gebäude keine Arbeiten gegeben, heißt es im Bericht. Seitdem die IAEA im Januar 2012 aber Zugang zu Parchin gefordert habe, sei plötzlich viel passiert: Gebäude wurden abgerissen, Material abtransportiert und der Boden umgegraben. Eine effektive Kontrolle sei damit kaum noch möglich.

Ebenfalls Unbehagen bereitet den Atomwächtern der deutliche Ausbau der Urananreicherung im Land, deren Stopp eine zentrale Forderung der Weltmächte im Streit mit dem Iran ist: Nach IAEA-Informationen hat Teheran die Zahl seiner für die Anreicherung benötigten Zentrifugen seit dem vorangegangenen Iran-Bericht im Mai auf mehr als 2000 verdoppelt. Diese sind in der unterirdischen und vor einem Angriff gut gesicherten Anlage in Fordo installiert.

Atom / IAEA / Iran
30.08.2012 · 20:22 Uhr
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