Trendwende auf dem Wohnungsmarkt: Durchschnittsgröße deutscher Wohnungen schrumpft
Nachdem über Jahrzehnte hinweg die Wohnflächen in Deutschland kontinuierlich gewachsen sind, zeichnet sich nun eine bemerkenswerte Trendwende ab. Erstmals stagniert die durchschnittliche Wohnungsgröße, und in den kommenden Jahren wird sie voraussichtlich schrumpfen. Dies offenbart eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).
Seit 1965 ist die durchschnittliche Wohnungsgröße von 69 auf 94 Quadratmeter gestiegen, was einen Zuwachs von mehr als einem Drittel bedeutet. Gleichzeitig hat sich die Wohnfläche pro Person mehr als verdoppelt. Doch seit 2005 zeigt sich ein umgekehrter Trend: Neubauwohnungen werden wieder kleiner, und dieser Wandel zeichnet sich auch im Wohnungsbestand ab. Bis 2050 könnte die durchschnittliche Wohnungsgröße auf etwa 88 Quadratmeter zurückgehen.
Das DIW führt diese Entwicklung auf zwei Hauptfaktoren zurück: die Zunahme kleinerer Haushalte und die steigenden Immobilienpreise. Insbesondere die demografischen Veränderungen spielen eine entscheidende Rolle. Der Anteil der Einpersonenhaushalte hat sich seit den 1960er Jahren verdoppelt und liegt heute bei 41 Prozent, in Metropolen wie Berlin oder München sogar bei rund 50 Prozent. Parallel dazu haben sich die Immobilienpreise seit 2010 stark erhöht, was größere Wohnungen unerschwinglicher macht und kleinere Einheiten für Bauträger attraktiver erscheinen lässt.
Dieser Trend ist nicht auf Deutschland beschränkt. In Ländern wie Belgien, Japan oder Norwegen wurden Neubauwohnungen bereits um die Jahrtausendwende kleiner, in Frankreich, Polen und Russland folgte diese Entwicklung einige Jahre später.
Trotz der kleineren Haushaltsgrößen dominieren große Wohnungen noch immer den Bestand. Diese Diskrepanz zeigt, dass der Wohnungsmarkt vor einer notwendigen Anpassung steht. Sebastian Kohl, Co-Autor der Studie, betont, dass kleinere, energieeffiziente Wohnungen keine Rückschritt, sondern eine Reaktion auf gesellschaftliche Realitäten sind. Sie repräsentieren die Wohnform der Zukunft und könnten helfen, den Energiebedarf des Gebäudesektors zu senken.

