Trade Republic baut um: Eigener Handelsplatz als Antwort auf das Ende der Billig-Bebühren
BaFin-Lizenz mit großer Wirkung
Was zunächst wie ein technisches Detail wirkt, ist strategisch hochrelevant. Eine Tochtergesellschaft von Trade Republic hat am 23. Januar 2026 von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht die Erlaubnis zum Betrieb eines multilateralen Handelssystems (MTF) erhalten. Damit darf Trade Republic künftig selbst als Handelsplatz auftreten.
Insider bestätigen, dass der Neobroker seine Handelsinfrastruktur derzeit umfassend neu aufsetzt. Für die Nutzer soll sich an der Oberfläche wenig ändern – doch im Hintergrund verschiebt sich die Wertschöpfung fundamental.
Das Aus für Payment for Order Flow
Auslöser ist ein EU-Verbot mit erheblicher Sprengkraft. Das sogenannte Payment-for-Order-Flow-Modell (PFOF) wird ab 2026 in nationales Recht überführt und ist dann nicht mehr zulässig. Bislang leitete Trade Republic Kundenorders an den Handelspartner Lang & Schwarz weiter. Dieser zahlte dem Broker Rückvergütungen für die Ordervermittlung.
Kritiker sehen darin seit Jahren einen Interessenkonflikt: Broker könnten Orders eher an den zahlungskräftigsten als an den für den Kunden günstigsten Handelsplatz leiten. Für Trade Republic ist PFOF jedoch existenziell – Schätzungen zufolge stammt rund ein Drittel der Umsätze aus diesem Modell.
Eigener Handelsplatz statt Provisionsmodell
Mit dem MTF beugt Trade Republic dem Verbot vor. Künftig kann das Unternehmen Orders intern matchen oder selbst als Market Maker auftreten. Market Maker stellen fortlaufend Kauf- und Verkaufspreise und sorgen so für Liquidität im Markt.
Ein Insider bringt es auf den Punkt: Für den Kunden ändere sich nichts, wohl aber für die Struktur dahinter. Statt Provisionen von externen Handelsplätzen zu kassieren, kontrolliert Trade Republic nun selbst einen zentralen Teil der Handelswertschöpfung.
Personaloffensive als Vorbereitung
Der Schritt kommt nicht überraschend. Bereits im vergangenen Jahr hatte Trade Republic gezielt Expertise eingekauft. Besonders aufsehenerregend war der Wechsel von Carsten Lütke-Bornefeld, der zuvor viele Jahre das Trading-Geschäft bei Lang & Schwarz verantwortet hatte. Auch weitere Spezialisten sollen von Düsseldorf nach Berlin gewechselt sein.
Nach Insiderangaben arbeitete dieses Team seit Monaten am Aufbau der neuen Handelsarchitektur – lange bevor die BaFin-Lizenz offiziell erteilt wurde.
Branche im Umbau
Trade Republic ist nicht allein. Auch andere Neobroker suchen nach Alternativen zum PFOF-Modell. Scalable Capital hat bereits Ende 2024 gemeinsam mit der Börse Hannover die European Investors Exchange gegründet – ebenfalls ein Versuch, Handel, Kostenkontrolle und Regulierung neu zu ordnen.
Rettung der Billig-Broker-Logik?
Der Aufbau eines eigenen Handelssystems ist aufwendig, teuer und regulatorisch anspruchsvoll. Doch er könnte Trade Republic einen entscheidenden Vorteil verschaffen: Unabhängigkeit von externen Zahlungsströmen und die Möglichkeit, niedrige Gebühren auch ohne PFOF zu halten.
Ob das Modell langfristig trägt, hängt davon ab, ob Trade Republic ausreichend Liquidität, faire Preise und stabile Technik gewährleisten kann. Klar ist jedoch schon jetzt: Die Zeit der einfachen Null-Euro-Trades über versteckte Rückvergütungen geht zu Ende. Trade Republic zeigt als einer der Ersten, wie die nächste Evolutionsstufe des Neobroker-Geschäfts aussehen könnte.


