Wenn Minuten über Millionen entscheiden
Der Klimawandel macht Extrem-wetter zur neuen Normalität – und stellt die Kfz-Schadenbranche vor ein logistisches Problem, auf das sie im Hagelereignis bislang nur reaktiv antwortet.

30. Mai 2026, 08:00 Uhr · Quelle: Pressebox
Wenn Minuten über Millionen entscheiden
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Wer zukünftig tausende Fahrzeuge gleichzeitig instand setzen will, braucht mehr als Werkstätten. Er braucht ein System.

Hamburg, 30.05.2026 (PresseBox) - Wer zukünftig tausende Fahrzeuge gleichzeitig instand setzen will, braucht mehr als Werkstätten. Er braucht ein System.

470.000 beschädigte Fahrzeuge, rund zwei Milliarden Euro Schaden – allein 2023 in Deutschland. Was für Versicherer, Werkstätten sowie Flotten- und Leasinggesellschaften früher ein kalkulierbares Risiko war, wird zunehmend zur Herausforderung: Hagelstürme treten häufiger auf, fallen heftiger aus und treffen in wenigen Minuten zehntausende Fahrzeuge gleichzeitig.

Gleichzeitig wachsen die Ansprüche der Endkunden. Wer morgens bei Amazon bestellt und abends das Paket erhält, erwartet im Schadenfall ähnlich schnelle Prozesse. Digitalisierung, standardisierte Schnittstellen und automatisierte Prozesse werden damit nicht zum Nice-to-have, sondern zum Kern zukunftsfähiger Schadenssteuerung.

Ein Unternehmen, das diesen Wandel seit über einem Jahrzehnt prägt, ist das PDR-Team mit Schwesterunternehmen CAREOSS. Gegründet von Nathanael Alain gemeinsam mit seinem Bruder Michael Alain und seinem Schwager Arthur Vogel, ist das Unternehmen heute in sieben Ländern aktiv. Ein Gespräch über Industrialisierung, Technologie und warum Menschen am Ende doch den Unterschied machen.

Herr Alain, Hagelereignisse dieser Größenordnung sind keine Ausnahme mehr. Sind Versicherer, Werkstätten und Flotten darauf vorbereitet?
Ehrlich gesagt: noch nicht ausreichend. Viele Versicherer setzen weiter auf konventionelle Methoden – Schäden werden an Werkstätten verteilt, und das war es. Das reicht aber nicht mehr, wenn tausende Fahrzeuge gleichzeitig betroffen sind. Die Lösung liegt in guten Partnern, automatisierten Prozessen und skalierbaren Teams.

Sie haben PDR-Team 2010 als Familienbetrieb gegründet. Heute sind Sie in sieben Ländern. Wie kam es dazu?
Wer wirklich Lösungen anbieten will, braucht Fläche. Frankreich, Deutschland und die Schweiz sind der Hagelkorridor Europas – deswegen haben wir dort unser Kerngeschäft aufgebaut. Heute sind wir zusätzlich in Polen, den USA, Südafrika und Australien aktiv. In Südafrika zählt ein einziger Versicherer jährlich bis zu 5.000 Hagelschäden.

Was macht PDR-Team grundlegend anders als eine klassische Werkstatt?
Wir haben Hagel von Anfang an industrialisiert und ein Ökosystem gebaut, das Besichtigung, Reparaturplanung, Ersatzteile, Kundenkommunikation, Rechnungen und Scanner-Daten verbindet. Pro Standort begutachten wir bis zu 400 Fahrzeuge am Tag.

Ihr patentierter 3D-Scanner Colibri erfasst ein Fahrzeug in drei Minuten.Was verändert das?
Bis 2014 wurden Hagelschäden mit bloßem Auge geschätzt. Wir haben aus dieser Schätzung eine technologiebasierte Messung gemacht. Colibri dokumentiert jede Delle exakt, lückenlos, rückverfolgbar. Damit endet das Nachverhandeln: Keine Diskussionen mehr, welche Werkstatt wie viele Dellen zählt. Wir können sogar zuordnen, aus welchem Hagelereignis welche Delle stammt.

Was passiert im Katastrophenfall – wie nach Kassel 2023?
Innerhalb von 48 Stunden haben wir einen kompletten Hagelstandort aufgebaut: Scanner, Lichttunnel, Wartezonen, Reparaturinfrastruktur – und vor allem ein eingespieltes Team vor Ort. Autofahrende müssen nicht wochenlang auf einen Termin warten, sondern bekommen sofort Hilfe.

Sie sagen, Technologie allein macht keinen Unterschied. Warum?
Am Ende geht es immer um Menschen. Technologie kann morgen von jemand anderem nachgebaut werden, unsere Mitarbeitenden nicht. Viele von ihnen sind seit 15 Jahren bei uns. Wenn Freitagabend ein Unwetter niedergeht, steigt das Team ins Auto, arbeitet das Wochenende durch, damit am Montagmorgen alles bereit ist. Die Saison dauert sechs Monate, manchmal länger. Das ist kein Job, das ist Haltung. Ohne diese Bereitschaft, sich um andere Menschen zu kümmern, wäre das PDR-Team nicht, was es heute ist. Darauf bin ich wirklich stolz.

Reparatur statt Austausch ist Ihr Prinzip. Ein Nachhaltigkeitsargument?
Und ein ökonomisches. Unsere Techniker entfernen Dellen, ohne zu lackieren – kein neuer Lack, keine Ersatzteile. Das spart Ressourcen, erhält den Originalzustand des Fahrzeugs und sichert den Fahrzeugwert. Und macht Versicherer, Fahrzeughalter und Umwelt gleichermaßen zufrieden.

Ihre Vision für die nächsten fünf Jahre?
Wir wollen noch mehr Autofahrenden im Hagelfall noch schneller und einfacher helfen, so, dass sie am Ende merken: Mein Versicherer hat die besten Partner, und mein Fahrzeug ist schnell wieder da, ohne Wertverlust. Das ist das Versprechen, das wir einlösen wollen. Mit dem Rückenwind eines neuen, starken strategischen Partners wollen wir das, was wir gelernt haben, in weitere Märkte tragen.

Fahrzeugbau / Automotive
[pressebox.de] · 30.05.2026 · 08:00 Uhr
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