Was in den Wundertüten steckt

Mystery-Boxen: Große Erwartungen, große Enttäuschung

19. November 2025, 15:00 Uhr · Quelle: dpa
Eine Frau öffnet ein Paket
Foto: Christin Klose/dpa-tmn
Es müssen nicht gleich verbotene Waffen sein, doch oft sind die Inhalte von Mystery Boxen nutzlos oder umstritten, wie eine Untersuchung der Stiftung Warentest zeigte.
Mystery-Boxen klingen verlockend, doch oft folgt Enttäuschung durch billige Inhalte. Die Stiftung Warentest enthüllt Risiken und Warnungen für Verbraucher.

Berlin (dpa/tmn) - Pakete bestellen, deren Inhalt man nicht kennt? Das kann eine ganz schlechte Idee sein, wie Fußball-Profi Karim Adeyemi (Borussia Dortmund) erlebt hat. Denn in einer von ihm bestellten Mystery-Box steckten unter anderem Schlagringe und andere waffenrechtlich nicht erlaubte Dinge. Die Folge: Kontakt mit der Justiz, ein ziemlich teurer Strafbefehl, Ärger mit seinem Verein und dem DFB. 

Und auch wenn die meisten Mystery-Boxen nicht derart fragwürdig bestückt sein dürften: Statt spannender Überraschungen und eventueller Schnäppchen folgt dem Öffnen meist die Enttäuschung. Denn den Inhalt der Boxen braucht oft niemand und vieles wirkt billig produziert. Zu diesem Fazit gelangte die zumindest die Stiftung Warentest, die probeweise Mystery-Boxen in drei verschiedenen Preiskategorien gekauft hat («Finanztest»-Ausgabe 2/25).

Nachhaltigkeits-Argument verfängt kaum

Das Nachhaltigkeits-Argument vieler Anbieter, man könne für wenig Geld Retouren vor der Vernichtung retten, geht also meist nicht auf. Wer Unnützes aus dem Automaten oder aus dem Geschäft ausgepackt hat, kann höchstens versuchen, dies auf dem Flohmarkt loszuwerden. 

Online bestellte Boxen lassen sich zwar bei Nichtgefallen zurückschicken. Eine retournierte Retoure ist aber auch alles andere als nachhaltig.

Angaben zum Wert sind oft unklar

Die erste Mystery-Box im Test kam aus einem Automaten. Kostenpunkt: 10 Euro. Das Ergebnis: eine bunte Tunika aus 100 Prozent Polyester in der Größe 3XL. Geschätzter Neuverkaufswert: etwa 15 bis 20 Euro.

Die zweite Box wurde online für etwa 40 Euro bestellt und verspricht mehrere Artikel mit einem Wert von «weit über» 19,90 Euro. Bei dieser wird nicht klar, ob damit jeder einzelne Artikel oder der Gesamtwert gemeint ist, kritisieren die Tester. Der Inhalt der zweiten Box war dann ein aufsteckbarer Wasserfilter, eine Packung Pflaster, eine Bauchtasche, eine Fokusbrille, ein Ladekabel und eine faltbare Fußwanne. Bis auf die rund 20 Euro teure Fußwanne konnten die Warentester die übrigen Warenwerte nicht bestimmen, da keine Markennamen angegeben waren.

Nichts war zu gebrauchen

Mystery Box Nummer drei kostete etwa 80 Euro. In dem mehr als sechs Kilogramm schweren Paket befanden sich unter anderem Kopfhörer, Socken, Badelatschen, Hemden in verschiedenen Größen, ein Fotohalter mit Panda-Design, ein E-Auto-Ladekabel und ein Vibrator. Das Kabel war hier das teuerste Überraschungsobjekt, mit einem Neuwert von etwa 100 Euro.

Der Gesamtwert des Inhalts lag zwar deutlich über dem Kaufpreis für die Box. Die Warentesterinnen und Warentester fanden in ihrem Kreis aber niemanden, der auch nur einen einzigen Artikel brauchen konnte oder ihn als so ansprechend empfand, dass er oder sie ihn gerne behalten hätte.

Billiger Inhalt, fehlende Jugendschutzregelungen

Die Tester kritisieren nicht nur, dass die meisten gelieferten Artikel billig produziert wirken. Problematisch sei auch, dass an Mystery-Auto­maten in der Regel keine Alters­beschränkung gelte.

Und auch bei der Online-Bestellung der Boxen sei nicht nach dem Alter gefragt worden, obwohl in einem Paket ein Vibrator geliefert wurde - und ja theoretisch sogar auch Waffen enthalten sein könnten, Schlagringe zum Beispiel.

Zudem gebe es eine Sucht­problematik: Der freie Zugang für Kinder und Jugend­liche zu den Angeboten könne glücksspielartige Züge annehmen, wenn Anbieter etwa mit Gold­barren oder neuesten Smartphones werben, die in den Kisten stecken könnten.

Online gekaufte Retourware kann retourniert werden

Auch wenn viele Onlinehändler mit Mystery-Angeboten fälschlicherweise den Eindruck erwecken, dass es nicht möglich ist: Wie bei allen Online-Bestellungen haben Käuferinnen und Käufer das Recht, innerhalb von 14 Tagen vom Kauf zurückzutreten. Nur die Versandkosten für die Rücksendung werden oft nicht vom Händler übernommen.

Wer nur mit einzelnen Inhalten unzufrieden ist, hat aber Pech. Nur die komplette Mystery-Box kann retourniert werden. Eine Teilrückgabe ist nicht möglich, erklären die Warentester.

Wie sieht es im Geschäft oder am Automaten aus?

Bei in Geschäften oder an Automaten gekauften Mystery-Boxen gibt es kein Recht auf Rückgabe oder Umtausch. Dort kann man nur auf Kulanz hoffen. 

Für defekte Waren müssen Verkäufer aber immer geradestehen, ganz gleich, ob online, im Geschäft oder am Automaten gekauft wurde. Die Kontaktdaten des Betreibers müssen übrigens am Auto­maten stehen.

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19.11.2025 · 15:00 Uhr
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