Kanada in der Zwickmühle: Geteilte Meinungen zu Gegenzöllen auf US-Waren
Kanada steht weiterhin geschlossen hinter der Entscheidung, mit Gegenzöllen auf die von US-Präsident Donald Trump verhängten Zollerhöhungen zu reagieren. Dennoch zeigt sich, dass die Hingabe der kanadischen Bevölkerung im Angesicht des andauernden Handelskonflikts nachlässt.
Einer Umfrage der Nanos Research Group, durchgeführt für Bloomberg News, zufolge sprechen sich aktuell sieben von zehn Kanadiern für Gegenzölle aus, selbst wenn diese die Kosten für US-Importe erhöhen. Anfang des Jahres lag diese Zahl noch bei fast acht von zehn. Der Anteil jener, die die Maßnahmen „eher unterstützen“, stieg von 24% auf 29%.
Nik Nanos, Gründer des Meinungsforschungsinstituts, betonte, dass neue Unsicherheiten und zusätzliche US-Zölle auf kanadische Waren den Wunsch nach einem entschiedeneren Vorgehen Kanadas stärken könnten. Besonders in Atlantik-Kanada ist die Unterstützung für Gegenzölle mit 81% am höchsten, während die Prärie-Regionen mit 67% die geringste Unterstützung zeigen.
Interessanterweise haben Saskatchewan und Alberta vor kurzem den Kauf und Vertrieb von amerikanischem Alkohol wieder aufgenommen, den sie zuvor im Zuge der Zölle gestoppt hatten. Gleichzeitig bleibt der Verkauf von US-Spirituosen in staatlichen Geschäften vieler Provinzen, wie Ontario, verboten.
Unter der Führung von Premierminister Mark Carney wurden im April etwa 70% der verhängten Gegenzölle beibehalten. Aktuell belaufen sich diese auf 25% und betreffen Importe aus den USA im Wert von etwa 42 Milliarden kanadischen Dollar sowie einige Automobilprodukte. Trotz der Verdopplung der Zölle auf Stahl und Aluminium durch die USA verzichtete Carney auf neue Maßnahmen, da er Fortschritte in den Handelsgesprächen sieht, jedoch seien neue Gegenzölle weiterhin nicht ausgeschlossen.
Der Gouverneur der Bank of Canada, Tiff Macklem, betont, dass die bisherigen Zölle noch keinen erheblichen Einfluss auf die Verbraucherpreise haben. Die vollständigen Auswirkungen könnten sich jedoch in den kommenden Monaten zeigen.
Die jüngste Umfrage wurde telefonisch und online mit 1.120 Kanadiern zwischen dem 1. und 3. Juni durchgeführt und gilt mit einer Genauigkeit von 2,9 Prozentpunkten als repräsentativ.

