Industrie im Aufwind: Hoffnungsschimmer in der deutschen Konjunkturlandschaft
Die deutsche Industrie erlebt einen unerwarteten Lichtblick, da die neu veröffentlichten Zahlen des Statistischen Bundesamtes einen kräftigen Anstieg der Auftragseingänge im November verzeichnen. Mit einem Plus von 5,6 Prozent im Vergleich zum Vormonat lassen die robusten Bestellungen auf eine Erholung hoffen. Dies überrascht Experten, die nach einem starken Oktober ein Nachlassen befürchtet hatten.
Auch der deutsche Aktienmarkt reagiert optimistisch, was den Dax zeitweise zu einem neuen Rekordhoch beflügelte. Ökonomen sind jedoch zurückhaltend und warnen davor, zu viel Euphorie zu verbreiten, da die deutsche Wirtschaft nach einem dreijährigen Stillstand erst 2026 wieder Wachstum verzeichnen soll. Die Rüstungsausgaben könnten hier eine entscheidende Rolle spielen.
Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg deutet dies als mögliche Trendwende. Thomas Gitzel von der VP Bank spricht von einer erfreulichen Konjunkturentwicklung. Den größten Zuwachs meldeten die Hersteller von Metallerzeugnissen mit beeindruckenden 25 Prozent und der Sonstige Fahrzeugbau, einschließlich Luft- und Raumfahrt, mit 12,3 Prozent. Selbst ohne Großaufträge stiegen die Bestellungen um 0,7 Prozent.
Zudem betont Sebastian Dullien vom Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung, dass die steigenden Rüstungsausgaben den Auftragseingang weiter ankurbeln könnten. Dullien sieht die Industriekonjunktur von den anhaltenden Staatsausgaben wesentlich gestützt und prognostiziert eine deutliche Verbesserung für die Industrie in 2026.
Gleichzeitig macht die Industriekrise mit steigenden Insolvenzen und dem Verlust von 120.000 Arbeitsplätzen auf sich aufmerksam. Der Ausblick auf 2026 bleibt gedämpft, mit einem prognostizierten Wachstum von nur einem Prozent oder weniger, belastet durch teure Energie, Bürokratie und internationalen Konkurrenzdruck. Dennoch signalisiert der Auftragszuwachs im In- und Ausland eine allmähliche Stabilisierung.
Jupp Zenzen vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag hebt hervor, dass die dritthöchsten Auftragseingänge in Folge durchaus ermutigend sind, aber warnt gleichzeitig, dass der Aufschwung angesichts ungelöster struktureller Probleme kein Selbstläufer sei.

