ESA-Chef fordert mehr europäische Unabhängigkeit in der Raumfahrt
Paris - Die Europäische Weltraumorganisation ESA fordert angesichts geopolitischer Veränderungen und neuer US-Entscheidungen deutlich mehr europäische Unabhängigkeit in der Raumfahrt. Europa müsse sich entscheiden, ob es beim Transport seiner Astronauten von anderen abhängig bleiben oder selbst als uneingeschränkt handlungsfähige Raumfahrtmacht auftreten wolle, schreibt ESA-Generaldirektor Josef Aschbacher in einem Gastbeitrag für das Nachrichtenportal T-Online.
Hintergrund sind unter anderem Änderungen der USA am Artemis-Mondprogramm, darunter die Aussetzung der Raumstation Lunar Gateway, an deren Entwicklung die ESA beteiligt war. Diese Entwicklungen gefährden laut Aschbacher europäische Explorationspläne und machen deutlich, wie stark Europa von Entscheidungen anderer Staaten abhängig ist.
Aschbacher fordert deshalb den schnellen Ausbau eigener astronautischer Fähigkeiten. Eine autonome bemannte Raumfahrt sei kein Luxus, sondern notwendig, um Europas Interessen im All zu sichern. Kooperation bleibe zwar zentral, dürfe aber nicht in Abhängigkeit münden.
Zugleich warnt der ESA-Chef vor nationalen Alleingängen europäischer Staaten. Fragmentierung schwäche Europa, Einheit mache stark, schreibt Aschbacher. Die kommenden Jahre böten mit mehreren internationalen Gipfeln und Budgetentscheidungen ein historisches Zeitfenster, um Europas Rolle in der Raumfahrt neu zu definieren.


