GreaterThan Group: Wie ein Ex-NetEase-Manager Star Wars: Fate of the Old Republic und BulletFarm retten will
Simon Zhu, ehemaliger President of Global Investments bei NetEase, hat sein eigenes Holding-Unternehmen aus der Taufe gehoben: GreaterThan Group. Und das hat es in sich. Mit satten 100 Millionen US-Dollar im Rücken finanziert Zhu gleich mehrere ambitionierte Projekte – darunter das heiß erwartete Star Wars: Fate of the Old Republic von Arcanaut Studios und den mysteriösen Shooter BulletFarm von Call of Duty-Urgestein David Vonderhaar. Ein konkretes Releasedatum gibt es für keinen der Titel, aber Hudson hat versprochen, dass das Star Wars RPG vor 2030 erscheinen wird.
Was ist GreaterThan Group?
Simon Zhu war über ein Jahrzehnt das Gesicht von NetEases globaler Expansionsstrategie. Er verhandelte Deals mit Devolver Digital, Second Dinner (Marvel Snap) und vielen anderen. Doch 2025 verließ er den chinesischen Riesen – genau zu dem Zeitpunkt, als NetEase seine Investitionen in westliche Studios drastisch zurückfuhr, Projekte cancellte und Studios schloss.
Zhus neue Firma versteht sich als Gegenbewegung zu diesem Trend. Statt das Geld in KI zu stecken (wohin „Big Tech“ und Venture Capital laut Zhu derzeit flüchten), will GreaterThan Group gezielt Gaming-Projekte fördern. Die Message ist klar: „You can have player satisfaction. You can have commercial success. You can have the achievement of art.“ Klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Aber wenn jemand die Connections und das Know-how hat, um das durchzuziehen, dann Zhu.
Star Wars: Fate of the Old Republic – Der KOTOR-Geist lebt
Die wichtigste und prestigeträchtigste Perle im Portfolio ist natürlich Star Wars: Fate of the Old Republic. Das Spiel wurde im Dezember 2025 bei den Game Awards von Casey Hudson höchstpersönlich angekündigt – dem Director des originalen Knights of the Old Republic und Mastermind hinter der Mass Effect-Trilogie.
Entwickelt wird der Titel von Arcanaut Studios, das Hudson zusammen mit anderen BioWare-Veteranen gegründet hat. Wir bei Pixelcritics haben bereits mehrfach darüber berichtet – vom Aufbau des Kreativ-Teams bis zur ersten Einordnung, was uns als spiritueller Nachfolger eigentlich erwartet. Wirf gern nochmal einen Blick in unsere ausführliche Analyse zum KOTOR-Dreamteam bei Arcanaut Studios oder in unseren Ankündigungs-Artikel von den Game Awards 2025.
Die Story spielt in der Ära der Alten Republik – kein Remake, kein direkter Nachfolger, sondern eine eigenständige Geschichte mit Entscheidungen, die dich zur hellen oder dunklen Seite der Macht führen sollen.
BulletFarm: David Vonderhaar verlässt das Militär
Parallel dazu finanziert GreaterThan Group auch BulletFarm, das Studio des ehemaligen Treyarch-Design-Directors David Vonderhaar („Vahn“), der die Call of Duty: Black Ops-Reihe maßgeblich geprägt hat. Das Interessante: BulletFarm war ursprünglich selbst ein NetEase-gefördertes Studio – bis NetEase den Stecker zog. Zhu holt sie jetzt zurück ins Rennen.
Und was wird das für ein Spiel? Vonderhaar selbst hat eine ziemlich krasse Beschreibung parat: „If David Lynch made shooters.“ Also vergiss Military-Shooter, vergiss „Call of Duty Killer“. Hier geht es um etwas ungleich Abgedrehteres, Künstlerischeres – genau das Gegenteil von dem, was man von einem Black-Ops-Veteranen erwarten würde. Details gibt es noch keine, aber die Vorfreude auf den offiziellen Reveal wächst. Ein Blick auf die offizielle Seite von BulletFarm lohnt sich aber schon jetzt.
Von der Krise zur Chance – oder nur kluges Marketing?
Wenn ein ehemaliger Top-Manager eines Milliarden-Konzerns ausgerechnet dann eine Investment-Firma gründet, wenn alle anderen abspringen, stellt sich die Frage: Ist das der dringend benötigte Rebalancing-Act für die Branche – oder einfach eine geschickte Marktlücke?
Simon Zhu klingt überzeugend, wenn er von fairer Behandlung der Entwickler und von „Art and commercial success without compromise“ spricht. Aber wir haben in der Industrie schon so manche weiße Weste blutrot werden sehen. Der Artikel bei PC Gamer fasst es treffend zusammen: In einer Industrie, die „Entwickler so schlecht behandelt“, braucht es dringend eine Korrektur. Ob GreaterThan Group diese sein wird?


