Besuch im Oman

Etwas Bühne für Assad: Syriens Präsident nach den Erdbeben

22. Februar 2023, 10:08 Uhr · Quelle: dpa
Lang herrschte die Auffassung, dass Syriens Staatschef Assad früher oder später das Feld räumen muss. Die Erdbeben geben ihm jetzt eine Gelegenheit, international wieder Fuß zu fassen.

Damaskus (dpa) - Roter Teppich, Händeschütteln, freundliche Grußworte - im Oman wurden Baschar al-Assad am Montag alle protokollarischen Ehren zuteil, die in der Welt internationaler Beziehungen eigentlich zum Tagesgeschäft zählen.

Omans Sultan Haitham bin Tarik, der den syrischen Präsidenten am Flughafen in Maskat empfing, sandte öffentlich vor allem eine Botschaft aus: Beileid für die Opfer der schweren Erdbeben in Syrien sowie der Türkei und das Versprechen, dem «brüderlichen syrischen Volk» nach der Katastrophe zur Seite zu stehen.

Die Beben vom 6. Februar haben Syriens Machthaber unverhofft eine Chance gegeben, sich ein wenig aus seiner weitgehenden politischen Isolation zu befreien. Oder zumindest eine Gelegenheit, seine eher stillen Bündnisse mit arabischen Nachbarn und anderen Ländern offener zur Schau zu stellen. Schon kurz nach den Erdbeben mit bisher etwa 5900 bestätigten Todesopfern in Syrien bemühte sich die Regierung um faktische Anerkennung auf der internationalen Bühne.

Die erste Reaktion Assads nach den Beben war nicht etwa, dem Volk seine Trauer zu bekunden oder den Notstand auszurufen. Stattdessen listete das Präsidialamt ausführlich alle Telefonate und Botschaften auf, die Assad persönlich nach den Beben von anderen Staatschefs und Monarchen erhielt: aus China und dem Iran, von Russlands Präsident Wladimir Putin, aus Jordanien, dem Irak und so weiter. Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi telefonierte erstmals seit seiner offiziellen Amtsübernahme 2014 mit Assad. Der emiratische Außenminister Abdullah bin Sajid reiste zum Treffen mit Assad nach Damaskus.

«Die Erdbeben waren ein Geschenk für Assad»

Baschar al-Assad, man erinnert sich, hält sich seit Protesten gegen seine Regierung im Jahr 2011 mit aller Gewalt an der Macht. Angriffe mit Giftgas, Bombardements von Verbündeten auch gegen Kliniken und Schulen sowie staatlich autorisierte Folter zählen zu den Vorwürfen gegen seine Regierung. Der Bürgerkrieg mit mehr als 350.000 Todesopfern hat 13 Millionen Menschen innerhalb Syriens vertrieben oder in andere Länder flüchten lassen. Der Konflikt ist inzwischen in Vergessenheit geraten, auch durch den Krieg in der Ukraine. Das zersplitterte Syrien ist bis heute aber aktives Kriegsgebiet.

«Die Erdbeben waren ein Geschenk für Assad», sagt Lina Khatib, Nahost-Expertin bei der britischen Denkfabrik Chatham House. Über die Jahre habe eine Art «passive Normalisierung» stattgefunden gegenüber Assad, sagt sie der Plattform Arab Digest. Unter anderem, weil der UN-Friedensprozess seit Jahren nicht vorankommt und eingeschlafen ist. Mit Sanktionen der USA und EU ist es ebenfalls nicht gelungen, einen erhofften politischen Wandel herbeizuführen. Nach bald zwölf Jahren Bürgerkrieg ist Assads Regierung immer noch die beherrschende Kraft im Land, anerkannt von den Vereinten Nationen.

Assad ist weit entfernt von einem Dialog mit dem Westen

Bei den UN gab die Debatte über Hilfslieferungen in Rebellengebiete im Nordwesten auch bald eine Gelegenheit für die Regierung, das neue Rampenlicht zu nutzen. Syriens UN-Botschafter Bassam Sabbagh überbrachte die Botschaft, dass Assad zwei weitere Grenzübergänge in die Türkei öffnen lassen wolle. Eigentlich ein positiver Schritt. Tatsächlich lagen die Beben zu diesem Zeitpunkt schon eine Woche zurück, und die meisten Opfer, die unter Trümmern im Nordwesten irgendwie noch überlebt hatten, waren vermutlich tot. Hängen blieb die Botschaft, dass es ohne Assads Regierung eben doch nicht geht,

Von einem Dialog mit dem Westen ist Assad weit entfernt, auch Syriens Mitgliedschaft in der Arabischen Liga ist seit 2011 ausgesetzt. Aber «der Konsens wächst in der arabischen Welt, dass der Status quo nicht praktikabel ist», sagte der saudische Außenminister Faisal bin Farhan Al Saud bei der Münchner Sicherheitskonferenz mit Blick auf die Isolation Syriens. In einer Abkehr seiner bisherigen Haltung hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan ebenfalls ein Treffen mit Assad in Aussicht gestellt.

Für diesen könnten die Beben einen weiteren Schub bedeuten - für eine schon länger laufende Normalisierung. «Ein Mann, der über die Zerstörung seines Landes und den Tod einer halben Million Landsleute durch alle Formen der Tötung waltete, ist der einzige Nutznießer eines Unheils, das sein eigenes Volk erneut zerschmettert hat», schreibt das «New Lines Magazine». Als Assad das Katastrophengebiet besuchte, wirkte er fast in froher Stimmung. Auf einigen Fotos ist er mit einem Lächeln zu sehen.

Politik / Erdbeben / Notfälle / Konflikte / Diplomatie / Baschar al-Assad / Syrien / Türkei / International
22.02.2023 · 10:08 Uhr
[1 Kommentar]
Spielschein für Lotto 6 aus 49
Saarbrücken - In der Samstags-Ausspielung von "6 aus 49" des Deutschen Lotto- und Totoblocks wurden am Abend die Lottozahlen gezogen. Sie lauten 3, 10, 14, 27, 41, 48, die Superzahl ist die 2. Der Gewinnzahlenblock im "Spiel77" lautet 5913593. Im Spiel "Super 6" wurde der Zahlenblock 883658 gezogen. Diese Angaben sind ohne Gewähr. Der Deutsche Lotto- […] (00)
vor 14 Minuten
Exponentielles Wachstum? Laut neuem Modell kann die Weltbevölkerung 2064 kollabieren
Vor gar nicht langer Zeit kursierten Horrorszenarien zur Weltbevölkerung: Von exponentiellem Wachstum und nahender, massiver Überbevölkerung war die Rede. Mittlerweile nehmen die Geburtenraten weithin ab, was die Bevölkerungsexplosion deutlich bremst. Neue Rechenmodelle kommen auf, die auch vergangene Szenarien und aktuelle Entwicklungen mit […] (00)
vor 3 Stunden
Kuo: iPhone-Kameramodule werden durch neue Technologie deutlich teurer
Laut dem zuverlässigen Apple-Analysten Ming-Chi Kuo steht bei den kommenden iPhone-Modellen ein kostspieliges Upgrade der Kamerasysteme an. Das neue Objektiv mit variabler Blende, das für das iPhone 18 Pro erwartet wird, soll die Produktionskosten spürbar in die Höhe treiben. iPhone 11 Pro, […] (00)
vor 6 Stunden
Mistfall Hunter zeigt fünf Minuten neues Gameplay – und die Open Beta startet schon im Juni
Bellring Games hat einen ausführlichen Gameplay Deep Dive zu Mistfall Hunter veröffentlicht: Fünf Minuten puren PvPvE-Kampf, die den düsteren Extraction-RPG-Mix aus dreckigen Nahkämpfen, klassenbasierten Fähigkeiten und dem allgegenwärtigen Druck feindlicher Gyldenjäger-Trupps zelebrieren. Noch bevor der Titel im Juli 2026 für PS5, Xbox Series X|S und […] (00)
vor 3 Stunden
Trotz möglicher WM-Konkurrenz: «extra 3» bleibt bei Das Erste
Das Erste hält auch während der Fußball-Weltmeisterschaft an seinem Satiremagazin «extra 3» fest. Am Donnerstag, den 2. Juli 2026, sendet Das Erste um 23.50 Uhr eine neue Ausgabe von extra 3 mit Christian Ehring. Weitere Details zur Sendung liegen derzeit noch nicht vor. Bemerkenswert ist die Programmierung vor allem mit Blick auf die Fußball-WM 2026. Zwar steht das endgültige Sportprogramm […] (00)
vor 6 Stunden
Paris Saint-Germain - FC Arsenal
Budapest (dpa) - Als erster deutscher Fußballer hat Kai Havertz in zwei verschiedenen Champions-League-Finals ein Tor erzielt. Im Endspiel von Budapest gegen Titelverteidiger Paris Saint-Germain traf der DFB-Profi bereits nach sechs Minuten für den FC Arsenal. Im Finale vor fünf Jahren hatte der ehemalige Stürmer von Bayer Leverkusen Arsenals […] (00)
vor 36 Minuten
Golfstaaten-Schock: Drohnenanschläge gefährden die 100-Milliarden-Dollar-AI-Vision
Ein Traum gerät unter Druck Die Golfstaaten verfolgten einen ehrgeizigen Plan: Sich als globales Zentrum für Künstliche Intelligenz zu etablieren. Mit staatlichen Investitionen im dreistelligen Milliardenbereichen, hochmodernen Infrastrukturen und günstigen Energiepreisen wollten Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und andere Länder der […] (00)
vor 3 Stunden
Redwood AI gibt Absichtserklärung für die potenzielle Übernahme von Quantum.IQ bekannt
Lüdenscheid, 30.05.2026 (lifePR) - Dies ist eine bezahlte Werbung im Namen von Redwood AI Corp. Redwood AI Corp. (WKN: A422EZ | ISIN: CA7579221093),  Redwood oder das Unternehmen, freut sich bekannt zu geben, dass es eine unverbindliche Absichtserklärung (LOI) unterzeichnet hat, um eine mögliche Transaktion zur Übernahme von Quantum.IQ (QIQ), […] (00)
vor 7 Stunden
 
Höhlenunglück in Laos
Vientiane (dpa) - Glücklicher Ausgang eines tagelangen Dramas: Die restlichen vier in […] (01)
Marie-Agnes Strack-Zimmermann am 30.05.2026
Berlin - Marie-Agnes Strack-Zimmermann hat überraschend ihre Kandidatur für den […] (03)
Marie-Agnes Strack-Zimmermann und Wolfgang Kubicki am 30.05.2026
Berlin - Wolfgang Kubicki ist am Samstag auf dem FDP-Bundesparteitag in Berlin zum […] (02)
Darja Varfolomeev
Warna (dpa) - Gymnastik-Star Darja Varfolomeev ist erstmals Mehrkampf- […] (02)
Positive Quartalszahlen stärken das Vertrauen Die Schweizer Großbank UBS hat die […] (00)
Autogrammstunde Manuel Neuer
Herzogenaurach (dpa) - Als Kapitän Joshua Kimmich seine WM-Botschaften im […] (01)
Call of Duty: Modern Warfare 4 angekündigt – Release in Oktober 2026
Infinity Ward und Activision haben  Call of Duty: Modern Warfare 4  offiziell […] (00)
Disney+ bestellt Doku-Serie über SailGP-Team
Nach «Welcome to Wrexham» begleitet erneut ein prominentes Sportprojekt die beiden […] (00)
 
 
Suchbegriff