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BayWa zerlegt sich selbst: Neuer CEO rechnet mit Vorgängern ab – radikaler Konzernumbau soll Insolvenzgefahr bannen

29. November 2025, 16:00 Uhr · Quelle: Eulerpool News
BayWa zerlegt sich selbst: Neuer CEO rechnet mit Vorgängern ab – radikaler Konzernumbau soll Insolvenzgefahr bannen
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Vor zwei Jahren feierte BayWa noch Rekordzahlen. Heute kämpft der Münchner Agrarriese um seine Existenz. Der neue Vorstandschef Frank Hiller wirft seinen Vorgängern offenes Versagen vor – und setzt auf einen der aggressivsten Sanierungspläne, die ein Dax-nahes Unternehmen je gesehen hat.

Vom Rekordumsatz zur Sanierung: Wie BayWa ins Straucheln geriet

2022 verkündete der damalige CEO Klaus Josef Lutz stolz 27,1 Milliarden Euro Umsatz – ein Rekord, begleitet von einer erhöhten Dividende und einer Jubiläums-Sonderzahlung. Doch nur ein Jahr später stürzte der Agrarkonzern in eine Schulden- und Liquiditätskrise, die ihn im Sommer 2024 beinahe in die Insolvenz trieb.

Lutz ist inzwischen abgelöst. Auf ihn folgten Kurzzeit-CEO Marcus Pöllinger und schließlich Frank Hiller, der gemeinsam mit Sanierer Michael Baur nun die Aufräumarbeit leisten muss. Und der neue CEO verschont seine Vorgänger nicht. „Das alte Management hat keinen guten Job gemacht“, sagt Hiller – und legt nach: „Es ging dem Management nicht um die Firma, sondern nur um sich selbst.“

Zwei Drittel aller Geschäfte sollen weg – bis 2028

Die neue Strategie ist radikal. BayWa soll bis 2028 von einem aufgeblähten Mischkonzern zu einem fokussierten Handelsunternehmen für Agrar und Bau transformiert werden. Das Ziel: Entschuldung durch massiven Verkauf.

„Wir müssen rund zwei Drittel des Geschäfts veräußern“, sagt Hiller. Die BayWa soll am Ende nur noch rund zehn Milliarden Euro Umsatz erzielen – weit entfernt vom einstigen Rekordniveau.

Dafür steht ein Ausverkauf in historischer Dimension an: Beteiligungen weltweit werden auf den Markt geworfen, oft unter Zeitdruck, häufig mit ungewissem Ausgang.

Verkaufserfolge und Rückschläge: BayWa ringt um Liquidität

Einige Deals gelangen, andere brachen in letzter Minute zusammen.

Erfolgreich war der Verkauf der Beteiligung an der Raiffeisen Ware Austria, der rund 176 Millionen Euro brachte und Verbindlichkeiten von 500 Millionen Euro aus der Bilanz entfernte.

Der geplante Verkauf des Agrargroßhändlers Cefetra hingegen scheiterte. Der Käufer, First Dutch, konnte die Finanzierung offenbar nicht stemmen – ein schwerer Rückschlag. Nun verhandelt BayWa erneut mit einer niederländischen Investorengruppe, doch Hiller und Baur sind vorsichtig. „Der Deal ist erst gemacht, wenn das Geld auf dem Konto ist.“

Auch in Neuseeland gibt es Probleme. Die Tochter Turners & Growers, getroffen von Naturkatastrophen, findet keinen Käufer. BayWa muss das Unternehmen nun aufspalten und in Teilen verkaufen.

Die größte Baustelle: BayWa R.E. droht zur Belastung zu werden

Besonders heikel ist die Lage bei BayWa R.E., der Erneuerbare-Energien-Tochter. Sie ist hoch verschuldet, schreibt tiefrote Zahlen und kämpft sich durch ein eigenes Restrukturierungsprogramm. 2024 stand ein Verlust von 945 Millionen Euro in den Büchern.

Hinzu kommen externe Risiken:
Die US-Regierung kürzt Förderungen für erneuerbare Energien – ein harter Schlag, denn die USA machen rund 20 Prozent des R.E.-Umsatzes aus. BayWa musste daraufhin seine Ertragsprognose für 2025 kassieren.

Und dann sind da noch rechtliche Risiken:
Eine US-Gesellschaft wurde auf 35,4 Millionen Euro verklagt, nachdem eine Solartracker-Bestellung storniert wurde. Anwälte halten die Erfolgsaussichten der Gegenpartei zwar für gering – doch die Unsicherheit bleibt.

Zusätzlich laufen Ermittlungen gegen zwei Geschäftsführer wegen möglicher Unregelmäßigkeiten beim Modulkauf. Und auch gegen Ex- und aktuelle Vorstände der Muttergesellschaft ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der unrichtigen Darstellung.

Interne Ermittlungen: Der Aufsichtsrat geht Ursachen der Krise nach

Seit Herbst 2024 untersucht ein internes Team die Ursachen der Krise. Offiziell äußert sich BayWa noch nicht zu Ergebnissen. Fest steht aber: Der Aufsichtsrat will die Resultate auf der Hauptversammlung im Juni 2026 vorlegen. Es geht um mögliche Regressansprüche – und eine grundlegende Aufarbeitung der Ära Lutz.

Dramatischer Umsatzrückgang – fast alle Sparten betroffen

Die ersten neun Monate 2025 zeigen, wie hart der Konzern getroffen ist:
Der Umsatz sank von 12,3 auf 9,6 Milliarden Euro – ein Minus von 22 Prozent.

Die Gründe:

  • Rückzug aus margenschwachen Bereichen
  • Verkauf von Beteiligungen
  • Preisdruck durch gute Ernten
  • Verunsicherung im Agrarsektor
  • schwache Konjunktur

Im Agrarsektor brach der Umsatz um 18 Prozent ein. In der Technik-Sparte lag das Minus bei 12 Prozent, bei Baustoffen sogar bei fast 18 Prozent. Auch im Bereich Wärme & Mobilität ging es abwärts.

Zielmarke 2028: Vier Prozent EBITDA-Marge

Trotz aller Risiken sehen Hiller und Baur das Unternehmen noch „auf Kurs“. Der Sanierungsplan sieht vor, dass BayWa bis 2028 wieder auf eine EBITDA-Marge von vier Prozent kommt. Derzeit liegt sie bei 2,3 Prozent.

„Restrukturierungen sind wie Achterbahnfahrten“, sagt Baur. Entscheidend sei, die Fahrt durchzustehen und am Ende in stabilere Verhältnisse zu gelangen.

Finanzen / Business / BayWa / Insolvenz / Konzernumbau / Sanierung / CEO-Wechsel
[Eulerpool News] · 29.11.2025 · 16:00 Uhr
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