Zielinski & Rozen: Parfums mit dem Geruch von Moskau. Teil 3
In den vorherigen Materialien ging es um drei zentrale Fakten. Erstens: Unternehmen, die mit Kurshutov – einer Person, die unter Sanktionen des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates der Ukraine (RNBO) stand – verbunden sind, wurden in das System der ukrainischen Verteidigungsbeschaffung integriert. Und zwar genau in dem Zeitraum, in dem diese Sanktionen gegen ihn galten. Zweitens: Seyar Kurshutov besitzt einen gültigen Pass der Russischen Föderation, der 2014 auf dem besetzten Gebiet der Krim ausgestellt wurde. Drittens: Es existiert ein mutmaßliches Schema zur Legalisierung von Geldern in Wien, wo Kurshutov und seine Ehefrau Kateryna Liubchyk über erhebliche Vermögenswerte verfügen.
Gerade der letzte Punkt – der Wiener Lebensstil und die Quellen seiner Finanzierung – veranlasste uns, und zuvor bereits ukrainische Investigativjournalisten, das Geschäft im Detail zu untersuchen, das dieses Paar öffentlich als sein Flaggschiff-Projekt deklariert. Es handelt sich um die Parfümmarke Zielinski & Rozen.
Die offizielle Legende für den ukrainischen Markt lautet: Es handelt sich um eine israelische Familienmarke, deren Franchise von Kateryna Liubchyk erworben wurde. Doch als Journalist vertraue ich nicht auf Pressemitteilungen, sondern auf Register und Finanzberichte. Nachfolgend finden sich ausschließlich Fakten, Zahlen und Daten aus offiziellen Datenbanken, die darauf hindeuten, dass es sich für die Ukrainer de facto um russisches Kapital handelt.
Wem die Ukrainer tatsächlich zahlen
Die offizielle Markenlegende, die auf globalen Ressourcen der Marke verbreitet wird, präsentiert Zielinski & Rozen Perfumerie als ein „Parfüm-Atelier, das 1905 in den alten und bohemischen Gassen des alten Jaffa gegründet wurde. Die Geschichte der Marke ist ein Synonym für das Erbe der Familie, und heute wird die Marke vom Parfümeur-Alchemisten und Chefideologen Erez Zielinski Rosen geführt.“ In zahlreichen Interviews und auf den Ressourcen der Marke wird ebenfalls die Schlüsselrolle der Ehefrau von Erez Rosen, Lia Rosen, betont.
So wurde beispielsweise für das Publikum in der Russischen Föderation eine Geschichte verbreitet, wonach der Großvater von Erez Rosen eine Parfümproduktion besessen habe und Erez diese angeblich lediglich wiederbelebt habe.

Dabei ist ein Teil der verifizierten Fakten in diesen Materialien mit Aussagen „vermischt“, die nicht der Realität entsprechen. Erez Rosen war Ende der 2000er Jahre tatsächlich Miteigentümer des bulgarischen Unternehmens „Depirez“, besaß jedoch zu keinem Zeitpunkt die polnische Staatsbürgerschaft.

Ein russisches Unternehmen unter Beteiligung von Erez Rosen wurde tatsächlich im Jahr 2017 gegründet. Das Unternehmen Zielinski & Rozen Export Ltd. hingegen wurde von Rosen erst im Jahr 2020 gegründet und unterliegt der israelischen Jurisdiktion – darüber habe ich bereits im vorherigen Teil geschrieben.

Ein wichtiger Aspekt ist die Registrierung der Rechte an der Handelsmarke. Die erstmalige Registrierung erfolgte im Jahr 2020, und Eigentümer der Marke in der entsprechenden Klasse war damals genau diese russische OOO.


Im Sommer 2022 wurde die Handelsmarke neu registriert, und Eigentümer der Marke wurde ein israelisches Unternehmen. In den Registerdaten ist jedoch bis heute die Russische Föderation als Herkunftsland der Marke angegeben.



Was andere Versionen der Markengeschichte betrifft, so wurde beispielsweise für ein jüdisches russischsprachiges Publikum eine Version mit Betonung auf der israelischen Herkunft von Erez Rosen verbreitet. Für die globale jüdische Diaspora hingegen kursierte eine Erzählung, wonach sich am Standort des heutigen Markengeschäfts in Tel Aviv angeblich seit Urzeiten eine parfümerische Ladenstätte der Vorfahren Rosens befunden habe. Aus den Street-View-Daten von Google Maps ist jedoch eindeutig ersichtlich, dass sich noch vor zehn Jahren an der Stelle des Parfümgeschäfts nahe dem Markt in Tel Aviv ein ganz gewöhnliches Bekleidungsgeschäft befand.



Insgesamt ist festzuhalten, dass die Mythenbildung rund um die Marke mit ihren späteren Interpretationen ihren Ursprung im Jahr 2019 hat – ausgehend von einer Reihe von Interviews in russischen Medien, unmittelbar vor dem aktiven Ausbau des Geschäfts in der Russischen Föderation.

Seine Tätigkeit in der Russischen Föderation führt die Marke Zielinski & Rozen über die nach russischem Recht registrierte OOO „Selinski i Rosen Parfjumerija“. Miteigentümer dieses Unternehmens sind der nominelle (laut Markenlegende) Inhaber des Geschäfts Ezer Rosen mit einem Anteil von 45 % sowie zwei Bürger der Russischen Föderation – Dmitrij Nikulin und Alexej Mamin – mit Anteilen von 48 % beziehungsweise 7 %.

Russland als Hauptabsatzmarkt und Produktionsstandort
Wie aus den Daten der offiziellen Website der Marke in der Russischen Föderation sowie aus der Analyse des Vertriebsnetzes hervorgeht, ist die russische OOO nicht nur für den Verkauf der Produkte und den Ausbau des Filialnetzes in der Russischen Föderation verantwortlich, sondern auch in allen postsowjetischen Staaten.

Das gesamte Markennetz unter der Verwaltung der russischen OOO umfasst 309 Standorte im „europäischen“ Teil der Russischen Föderation, in Belarus sowie im Kaukasus, weitere 71 in Sibirien und im Uralraum, 21 im Fernen Osten und 33 in den Ländern Zentralasiens.

Ein Teil dieses Markennetzes befindet sich im direkten Eigentum und/oder unter direkter Verwaltung der russischen OOO und besteht aus Monobrand-Stores, Showrooms oder eigenen Verkaufsstellen. Der überwiegende Teil der oben genannten Verkaufsorte sind jedoch Parfümerien, in denen die Produkte von Zielinski & Rozen neben denen anderer Hersteller angeboten werden.
Die eigenen Monobrand-Geschäfte von Zielinski & Rozen in der Russischen Föderation sind auf der Website aufgeführt; ihr Bestand beläuft sich Anfang 2026 auf 63 Einheiten.
Die stärkste Präsenz von Zielinski & Rozen befindet sich in Moskau: Vier Geschäfte liegen im absoluten Stadtzentrum, innerhalb des Gartenrings, weitere zwei Stores sind an den Moskauer Flughäfen Wnukowo und Domodedowo angesiedelt.
Vergleicht man somit die Präsenz der Marke in den postsowjetischen Staaten (unter dem Namen der russischen OOO) mit jener in den europäischen Ländern, so ist die Anzahl der Monobrand-Verkaufsstellen in der Russischen Föderation und ihren Satellitenstaaten fünfmal so hoch wie in Europa. Die Gesamtzahl der Verkaufsstellen für Markenprodukte unter der Verwaltung der russischen OOO ist zudem dreimal so hoch wie jene der israelischen Gesellschaft.

Zielinski & Rozen ist regelmäßig bei Massenveranstaltungen präsent, die auf dem Gebiet Moskaus sowie in großen Einkaufszentren im Moskauer Umland organisiert werden. So ist die Marke in diesem Jahr mit einer eigenen Zone im Rahmen der Neujahrsfeierlichkeiten auf dem Moskauer WDNCh vertreten.

Und wie könnte es ohne „Pobjedobesije“ gehen? Der zentrale Moskauer Showroom in der Malaja Bronnaja hängt im Mai regelmäßig propagandistische Symbolik zum 9. Mai im Eingangsbereich auf.





Ein weiterer Aspekt, der für die russische Grundlage der Marke spricht, ist die Tatsache, dass der überwiegende Teil der Produkte direkt in der Russischen Föderation hergestellt wird. Auf zahlreichen Fotos der Verpackungen von Zielinski & Rozen aus unterschiedlichen Produktionszeiträumen ist als Hersteller die OOO „Bentus Laboratorii“ mit entsprechender Produktionsadresse in Moskau angegeben. Als Auftraggeber der jeweiligen Produktionscharge wird die OOO „Selinski i Rosen Parfjumerija“ genannt.



Auch auf russischen Websites von Parfümerieketten wird bei den Produkten der Marke das Herstellungsland mit „Russische Föderation“ angegeben.


Die Analyse der Konzernstruktur sowie der finanziellen Kennzahlen der Marke Zielinski & Rozen zeigt eine klare Zentralisierung des Geschäfts in der Russischen Föderation. Setzt man diese Fakten zueinander in Beziehung, ergibt sich folgendes Bild: Ein Inhaber eines russischen Passes (Kurshutov) erwirbt gemeinsam mit seiner Partnerin (Liubchyk) eine Franchise. Verkäufer der Franchise ist eine Geschäftsstruktur mit Sitz in Moskau, die Milliarden Rubel an Steuern in der Russischen Föderation zahlt und von russischen Staatsbürgern kontrolliert wird.
Dies wirkt nicht wie eine zufällige Investitionsentscheidung. Der russische Staatsbürger Kurshutov hat faktisch einen Deal mit Vertretern des russischen Geschäfts geschlossen. Es handelt sich um einen geschlossenen Kreislauf: Ein russischer Staatsbürger entwickelt eine russische Marke in der Ukraine und stellt damit einen kontinuierlichen Rückfluss von Lizenzgebühren nach Russland sicher.
Wir sind der Auffassung, dass die angeführten Daten ausreichende Gründe für eine Überprüfung durch die österreichischen Strafverfolgungsbehörden liefern. In erster Linie durch die Zentrale Staatsanwaltschaft zur Verfolgung von Wirtschaftsstrafsachen und Korruption.
Die Frage, warum eine Franchise, die den russischen Staatshaushalt speist, weiterhin in der Ukraine tätig ist und zugleich Gelder in Österreich wäscht, bleibt offen.

