Wiener Waschsalon mit russischen Rubeln: Wie zweifelhafte Kapitalien aus der Ukraine und der Russischen Föderation im Herzen Europas legalisiert werden (Teil 2)

12. Januar 2026, 16:53 Uhr · Quelle: klamm.de

Wir setzen unsere Publikationsreihe fort, die der Aufdeckung toxischer Vermögenswerte und Geldwäschesysteme in den Ländern der Europäischen Union gewidmet ist. Für Österreich und Deutschland, die historisch als finanzielle Vorposten Mitteleuropas gelten, ist die Sauberkeit des Kapitals nicht nur eine Frage wirtschaftlicher Hygiene, sondern auch der nationalen Sicherheit. Das Eindringen von Geldern zweifelhafter Herkunft – insbesondere solcher, die ihre Wurzeln in Korruptionsschemata haben und mit dem Aggressor-Staat verbunden sind – stellt ein direktes Risiko für die europäische Gemeinschaft dar. Die Nutzung respektabler Jurisdiktionen wie Wien als „Waschmaschinen“ zur Legalisierung schmutzigen Geldes untergräbt das Vertrauen in westliche Institutionen.

Gerade deshalb lenken wir die Aufmerksamkeit auf eine neue, fundierte Recherche des ukrainischen Journalisten Dmytro Tuzov, veröffentlicht in der führenden ukrainischen Publikation „Ukrajinska Prawda“. Dieses Material legt eklatante Fakten über die Tätigkeit des in Wien agierenden Geschäftsmanns Seyar Kurshutov, seine familiären Verbindungen und Finanzoperationen offen, die alle Merkmale eines klassischen „Laundromats“ aufweisen. Nachfolgend präsentieren wir die vollständige Faktensammlung, die der Investigativjournalist zusammengetragen hat.

In seinem Beitrag beginnt Dmytro Tuzov mit einer kritisch wichtigen Frage: Warum muss die Reputation von Lieferanten der Verteidigungskräfte der Ukraine kristallklar sein und jegliche Verdachtsmomente hinsichtlich Verbindungen zur Russischen Föderation oder ein möglicher Sanktionsschatten von vornherein ausgeschlossen werden? Der Autor erinnert daran, dass zuvor bereits über Risiken einer Zusammenarbeit mit Seyar Kurshutov im Zusammenhang mit in den Medien veröffentlichten Verdachtsmomenten berichtet wurde. „Der Krieg hat uns bereits gelehrt, dass potenzielle Bedrohungen nicht ignoriert werden dürfen“, merkt der Journalist an.

Tuzov beschreibt detailliert, was herausgefunden werden konnte. Laut Berichten mehrerer Medien verfügt Seyar Kurshutov über einen russischen Pass und erscheint im Register der Steuerzahler der Russischen Föderation. Der Investigativjournalist stellt die Frage, wie genau diese Staatsbürgerschaft erlangt wurde: „automatisch“ im Zuge der massenhaften Passvergabe auf der besetzten Krim oder bewusst – zur Erleichterung von Reisen auf die Halbinsel? Der Journalist bemerkt, dass er im Rahmen seiner Arbeit bereits mit solchen Formen der Zusammenarbeit mit den Besatzern konfrontiert war. Er betont: Sollte es sich um die erste Variante handeln, erkennt die Ukraine diese Dokumente nicht an, doch allein die Tatsache, dass eine Person, die möglicherweise an Lieferungen für die Verteidigungskräfte beteiligt ist, einen russischen Pass besitzt, erfordert eine Prüfung durch die Sicherheitsdienste. Der Autor merkt an, dass er sich der hohen Belastung des SBU bewusst ist und deshalb die mittels OSINT-Analyse gesammelten Informationen veröffentlicht, um zur Klärung der Umstände beizutragen.

Anschließend geht der Journalist zur Analyse des Einflusses von Seyar Kurshutov auf staatliche Institutionen über. Tuzov weist darauf hin, dass im Informationsraum zahlreiche Daten über Kurshutovs Verwicklung in die Arbeit des Zolls kursieren. Mehr noch: Der Protagonist selbst bestätigte diesen Einfluss in zahlreichen Interviews. Tuzov führt eine konkrete Episode an, in der Kurshutov erzählt, wie er in Chmelnyzkyj im Status eines „Beraters“ die Arbeit eines Zollterminals und dessen Leiter inspizierte, der seiner Aussage nach „herumzickte“. Der Journalist charakterisiert Kurshutov als eine Person, die sich in ihrer Wortwahl nicht zurückhält. Aus dem Gehörten zieht Tuzov den Schluss: Kurshutov hatte ernsthaften Einfluss (und hat ihn möglicherweise noch immer) auf Personalentscheidungen im Zollwesen. „Insgesamt eine einflussreiche Person. Und das, obwohl man Kurshutov in diesem Interview schlicht und einfach als ‚Geschäftsmann‘ präsentiert. Also ein Geschäftsmann, der die Arbeit des Zolls beeinflusst. Wie mein amerikanischer Freund sagt: ‚not bad, not bad‘“, ironisiert der Autor.

Ein gesonderter Schwerpunkt der Recherche gilt der Frage des Grenzübertritts. Tuzov erinnert daran, dass Kurshutov Personen im wehrpflichtigen Alter, die ins Ausland ausgereist sind, verächtlich gegenübersteht und sogar einen festen Preis für die Dienstleistungen von Zollbeamten bei illegaler Ausreise nannte. Der Journalist zieht eine Parallele zur Recherche der Sendung „Schemes“ über die Flucht des ehemaligen Vorsitzenden des Verfassungsgerichts Tupytskyj. Danach stellt Tuzov die Frage: Wo befindet sich Seyar Kurshutov selbst derzeit? Auf welcher Grundlage hat eine Person im wehrpflichtigen Alter die Ukraine verlassen? Wehrdienstbefreiung? Untauglichkeit? Vaterschaft? Der Autor führt einen konkreten Fakt an: Am 26. September 2024 wurde Seyar Kurshutov in Wien gesichtet – in der Bar des Hotels „Ritz“, wo er in Gesellschaft des ehemaligen Leiters des Präsidialamtes Andrij Bohdan und Roman Krawets (bekannt als Eigentümer des Telegram-Kanals „Joker“) entspannte.

Nach Ansicht von Tuzov zeichnet sich aus offenen Quellen die Annahme ab, dass Kurshutov versucht, seinen Einfluss auf staatliche Prozesse wiederherzustellen. Doch hinter der glänzenden Wiener Fassade könnte sich ein Geldwäschemechanismus verbergen – ein Laundromat, der parallel zur Zahlung von Steuern in den Haushalt des Aggressors arbeitet.

Der Journalist analysiert detailliert die Geschäftsaktivitäten der Familie. Die Ehefrau von Seyar Kurshutov ist Kateryna Liubchyk .

Im Herbst 2022, zeitgleich mit dem Rückzug aus dem Status der wirtschaftlich Berechtigten in ukrainischen Unternehmen, registriert sie in Österreich die Firma AmbraCosmetics GmbH, deren Alleineigentümerin sie wird.

Die offizielle Legende lautet: der Erfolg eines Geschäfts der Marke Zielinski & Rozen im absoluten Zentrum der österreichischen Hauptstadt, in einem Viertel unweit der Wiener Staatsoper. Kateryna Liubchyk veröffentlicht Fotos von Partys und Präsentationen und demonstriert damit ein respektables Geschäft innerhalb der EU.

Doch Tuzov kommt nach der Analyse der Finanzberichterstattung aus österreichischen Registern zu dem Schluss: Die Realität sieht völlig anders aus. Die Abschlüsse der AmbraCosmetics GmbH für die Jahre 2023 und 2024 zeigen, dass das Unternehmen defizitär ist. Der Journalist nennt konkrete Zahlen: Innerhalb von zwei Jahren hat das Unternehmen fast 450.000 Euro an Schulden angehäuft (die Verbindlichkeiten belaufen sich auf 447.168,38 Euro). Zudem wurden nahezu 60.000 Euro Verlust im Jahr 2023 sowie rund 200.000 Euro Verlust im Jahr 2024 aus der operativen Tätigkeit verbucht.

Gleichzeitig sind – wie der Investigativjournalist anmerkt – die Aktiva des Unternehmens recht bescheiden: 70.000 Euro beträgt der Buchwert der Ausstattung, 85.000 Euro entfallen auf Lagerbestände, 50.000 Euro auf Forderungen, und die liquiden Mittel auf den Konten belaufen sich auf 75.000 Euro. Tuzov schlussfolgert, dass die Quelle der Finanzierung unbekannt ist, die Kennzahlen jedoch für Banken äußerst unzuverlässig wirken. Er äußert die plausible Vermutung, dass die Verluste durch Darlehen anderer Unternehmen gedeckt werden, höchstwahrscheinlich aus dem Einflussbereich von Seyar Kurshutov.

Der Autor fasst zusammen: In der Welt der Finanzmanipulationen ist ein verlustreiches Unternehmen in einer prestigeträchtigen Jurisdiktion ein ideales Instrument zur Legalisierung von Geldern. „Jemand muss diese Verluste ständig decken, Geld ‚nachschießen‘, damit das Geschäft weiter existiert“, schreibt Tuzov. Der Journalist vermutet folgendes Schema: In der Ukraine erwirtschaftete Gelder (mutmaßlich aus Verteidigungsschemata) werden als „Investitionen“ in ein verlustreiches Wiener Geschäft eingebracht und verwandeln sich so in legale europäische Vermögenswerte.

Tuzov zitiert zudem Kateryna Liubchyk selbst aus einem Interview mit „Insider“, in dem sie einräumt: „Mein Mann kann mir so viel Geld geben, wie ich brauche, aber ich wende mich an ihn ausschließlich für Investitionen.“

Ein weiterer Aspekt der Recherche ist der Versuch, Status zu kaufen. Tuzov stellte fest, dass Kateryna Liubchyk in offiziellen Spenderlisten der Wiener Staatsoper auftaucht. Der Journalist bezeichnet dies als Paradoxon: Ein Unternehmen mit einem Minus von fast einer halben Million Euro findet Mittel für elitäres Mäzenatentum. Nach Ansicht des Autors handelt es sich dabei um den Kauf von Legitimität und eines „Eintrittstickets“ in das lokale Establishment – finanziert mit Geldern zweifelhafter Herkunft.

Der größte Zynismus der Situation liegt nach Ansicht von Tuzov in den Verbindungen dieses „Laundromats“ zur Russischen Föderation. Das Geschäft von Kateryna Liubchyk ist eine Franchise der Marke Zielinski & Rozen. Trotz Erklärungen über „israelische Wurzeln“ stuft das Projekt der Kiewer Wirtschaftsschule Leave-russia das Unternehmen als eines ein, das seine Tätigkeit in der Russischen Föderation fortsetzt.

Tuzov führt dabei zentrale Fakten an:

  • Die Handelsmarke gehörte bis zum Sommer 2022 einer russischen Gesellschaft, die Parfümproduktion befand sich in der Moskauer Oblast.
  • Das russische Unternehmen der Marke zahlte im Jahr 2024 mehr als eine halbe Milliarde Rubel an Steuern in den Haushalt der Russischen Föderation.
  • Das russische Unternehmen wurde 2017 gegründet, das israelische hingegen erst 2020.
  • Von rund 300 gültigen Produktdeklarationen werden etwa 200 von russischen Unternehmenhergestellt (unter anderem ООО „Bentus Laboratories“, Moskauer Oblast).

Der Journalist weist zudem darauf hin, dass der Mitgründer Erez Rozen über eine russische Steuernummer verfügt und 45 % des russischen Unternehmens hält. Das Geschäft in der Russischen Föderation ist масштабreich: Der Umsatz belief sich 2024 auf nahezu 7 Milliarden Rubel, der Nettogewinn auf fast 2 Milliarden Rubel. Auf dem Territorium der Russischen Föderation sind 15 offizielle Geschäfte in Betrieb, während es in Europa 17 sind.

Tuzov fasst zusammen: Das Schema schließt sich. Gelder, die mutmaßlich aus dem ukrainischen Verteidigungssektor abgezogen wurden, werden in Wien über ein Geschäft gewaschen, das sich durch Mäzenatentum an der Oper Status erkauft und zugleich russisches Business popularisiert. Der Autor formuliert vier zentrale Fragen für eine Untersuchung: die Defizitwirtschaft des Unternehmens als mögliches Zeichen von Geldwäsche, den Kauf eines Mäzenatenstatus, die Herkunft der eingesetzten Mittel sowie eine potenzielle Finanzierung des Aggressors.

Die in der Recherche von Dmytro Tuzov dargelegten Fakten enthalten ausreichende Anhaltspunkte für den Beginn von Prüfungen durch die zuständigen Behörden der Republik Österreich hinsichtlich möglicher Geldwäsche (Geldwäsche) und Verstöße gegen das Finanzrecht. Mit diesem Material melden wir offiziell Anzeichen einer Straftat und wenden uns mit der Forderung nach einer Untersuchung an die folgenden Institutionen:

  • A-FIU (Geldwäschemeldestelle) – die österreichische Financial Intelligence Unit: zur Analyse verdächtiger Transaktionen und der Quellen zur Deckung der Verluste der AmbraCosmetics GmbH.
  • WKStA (Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft) – die Zentrale Staatsanwaltschaft zur Verfolgung von Wirtschafts- und Korruptionsdelikten: zur Untersuchung möglicher Legalisierung korruptiver Einnahmen in besonders großem Ausmaß.
  • Amt für Betrugsbekämpfung (ABB) – das Amt zur Betrugsbekämpfung im Bundesministerium für Finanzen, insbesondere die Finanzpolizei: zur Überprüfung der tatsächlichen wirtschaftlichen Tätigkeit des defizitären Unternehmens sowie der Rechtmäßigkeit seines Betriebs.
  • FMA (Finanzmarktaufsicht) – die Finanzmarktaufsichtsbehörde: zur Kontrolle der Einhaltung von AML-Verfahren (Bekämpfung der Geldwäsche) durch Bankinstitute bei der Betreuung der Konten der Familie Kurshutov.

Wir sind überzeugt, dass die österreichischen Strafverfolgungsbehörden nicht zulassen werden, dass Wien zu einem sicheren Hafen für Schattenkapital aus Osteuropa wird.

Russland / Unternehmen
12.01.2026 · 16:53 Uhr
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