Rätsel um Wal

Toter Wal bei Dänemark: Ist es der Ostsee-Buckelwal?

15. Mai 2026, 20:13 Uhr · Quelle: dpa
Toter Wal vor dänischer Insel Anholt entdeckt
Foto: Jonas Walzberg/dpa
Ein Toter Wal wurde vor der dänischen Insel Anholt entdeckt.
Vor der Küste der dänischen Insel Anholt treibt ein toter Wal im Meer. Es steht die entscheidende Frage im Raum: Ist es das zuvor in der Ostsee gestrandete Tier?

Anholt (dpa) - Hat der vor der deutschen Ostseeküste gestrandete Buckelwal noch eine Lebenschance oder wurde sein Kadaver nun gefunden? Vor der dänischen Insel Anholt ist ein toter Wal entdeckt worden, bei dem nicht ausgeschlossen wird, dass es sich um den oft «Timmy» oder «Hope» genannten Buckelwal handelt. Der Meeressäuger liege etwa 75 Meter vor der Küste und sei vermutlich bereits seit einiger Zeit tot, berichtete die Nachrichtenagentur Ritzau unter Berufung auf die Umweltbehörde Miljøstyrelsen. 

Eine Bestätigung, dass es sich um den Wal handelt, der seit Ende März fünfmal an der Küste Schleswig-Holsteins und Mecklenburg-Vorpommerns gestrandet war und Anfang Mai in den Skagerrak (Nordsee) transportiert wurde, gab es zunächst nicht. Es seien keine deutlichen Merkmale festgestellt worden, die bestätigen könnten, dass es sich um dieses Tier handle, teilte die Umweltbehörde Ritzau zufolge mit. «Andererseits kann diese Möglichkeit zu diesem Zeitpunkt auch nicht ausgeschlossen werden», hieß es demnach.

Am späten Nachmittag wurde der Kadaver von einer Tierärztin des privaten Teams begutachtet, das «Timmy» oder «Hope» in die Nordsee gebracht hatte. Ein klares Ergebnis habe auch diese Begutachtung nicht gebracht, teilte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) mit. «Morgen sollen weitere Untersuchungen erfolgen.»

Nach Experten-Einschätzung handelt es sich bei dem vor Anholt gestrandeten Meeressäuger vermutlich um einen Buckelwal, der etwa so groß ist wie der «Timmy» genannte Wal. Morten Abildstrøm von der dänischen Behörde Naturstyrelsen sagte im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur, dass ein Stück aus der Schwanzflosse abgetrennt worden sei, das nach Deutschland gebracht werden solle. Abildstrøm hatte den gestrandeten Wal aus direkter Nähe inspiziert, als dem toten Tier die Gewebeprobe entnommen wurde. 

Fluke und Haut des Buckelwals können Hinweise zur Identität geben

Sollte es sich bei dem vor der dänischen Insel Anholt gestrandeten toten Wal tatsächlich um den Wismarer Buckelwal handeln, hoffen Experten des Deutschen Meeresmuseum auf eine Untersuchung des Tieres. «Es geht darum, Erkenntnisse für künftige Strandungen und Rettungsaktionen zu gewinnen», sagte eine Sprecherin des Museums am Morgen der Deutschen Presse-Agentur. 

Erste Aufschlüsse über die Identität könnte bereits die Haut des vor der dänischen Insel entdeckten toten Tieres geben. Es gebe ja verschiedene Strukturen der Haut, die bereits aufgefallen seien. Auch habe das Tier eine erkennbare Schramme beziehungsweise Beschädigung der Hautoberfläche gehabt, die von einer Schiffsschraube verursacht worden sein könne. 

Fotos können helfen

Um festzustellen, ob es sich bei dem in Dänemark gefundenen Kadaver um den zuvor in Deutschland gestrandeten Wal handelt, könnten Fotos helfen. Nach Angaben der privaten Rettungsinitiative, die den Wal in einem Lastschiff Richtung Nordsee gebracht hatte, wurde ein Foto von der Fluke - der großen Schwanzflosse des Tieres - gemacht, das als Foto-ID in entsprechende Datenbanken einfließen solle. 

Für diese Information gab es allerdings keine Bestätigung durch unabhängige Quellen. Das Meeresmuseum konnte in den vergangenen Wochen keine eigenen Fotos von der Fluke machen. 

Neben einem Foto von der Fluken-Unterseite können der Tierschutzorganisation WDC zufolge auch auffällige Merkmale wie ein Narbenmuster auf der Haut zur Wiedererkennung eines Wals dienen.

Landesumweltminister warnt vor Spekulationen 

Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) rechnet zunächst nicht mit schnellen Befunden zur Identität des toten Wals. Er betonte, das Ministerium stehe seit der Nacht in engem Kontakt mit dem Bundesumweltministerium und mit der dänischen Umweltbehörde. Ziel sei, zu erfahren, ob es sich bei dem toten Wal um das Tier handle, das zuvor mehrfach in der Wismarbucht gestrandet sei. 

Solange keine gesicherten Informationen vorliegen, beteilige er sich nicht an Spekulationen. Davon rate er auch allen ab, die «nun wieder in den sogenannten sozialen Medien Verschwörungstheorien verbreiten oder solchen aufsitzen», sagte der Minister weiter. 

Drama um Walrettung

Der vor der deutschen Küste gestrandete Wal hatte wochenlang Schlagzeilen gemacht. Das bislang letzte Kapitel der Saga war ein tagelanger Transport der privaten Rettungsinitiative in die Nordsee. Wie dieser genau endete, war aber bis zuletzt unklar. Fotos oder Videos vom Freisetzen existieren nach Aussage der Initiative nicht. Unklar blieb auch, in welchem Zustand das geschwächte und vom Hin und Her im Kahn verletzte Tier zu diesem Zeitpunkt war.

Es gibt bislang keine belastbaren Daten dazu, wo das Tier ist. Ein GPS-Sender liefere weiterhin keinerlei Signale zur Ortung, hieß es jüngst von der Privatinitiative. Es gebe überhaupt keine Daten mehr. Experten von Tierschutzorganisationen hatten die langfristigen Überlebenschancen des Wals übereinstimmend als sehr gering eingeschätzt.

Vor dem Freisetzen des Buckelwals am 2. Mai soll nach Angaben der Initiative ein GPS-Sender an der Rückenfinne angebracht worden sein, der stetig Ortsdaten liefern sollte. Ob dies tatsächlich erfolgte, ließ sich nicht durch unabhängige Quellen verifizieren. Nach dänischen Angaben wurde bei dem vor Anholt entdeckten Kadaver kein Sender gefunden. 

Der vor Deutschland gestrandete Bulle war Anfang März erstmals in der Ostsee gesehen worden. In den etwa 60 Tagen bis zum Transport lag er rund zwei Drittel der Zeit in Flachwasserzonen. Mit einem Lastkahn wurde er von der Insel Poel aus in die Nordsee gebracht.

Mehrfach gestrandet

Der Buckelwal war nach Angaben der Behörden zunächst im Hafen von Wismar aufgetaucht. In der Nacht zum 23. März strandete er auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand in Schleswig-Holstein. Dem Tier gelang es, das flache Wasser über eine ausgehobene Rinne zu verlassen. 

Danach nahm es aber nicht Kurs aufs offene Meer und Richtung Norden, sondern schwamm wieder Richtung Wismar. Schließlich schwamm es in die Kirchsee genannte flache Bucht der Insel Poel. Dort strandete es erneut, schwamm sich zwischenzeitlich frei, lag aber weniger Stunden später am Ausgang der Bucht wieder fest.

Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) hatte Mitte April entschieden, eine private Rettungsinitiative zu dulden. Sie wurde von Mediamarkt-Gründer Walter Gunz und der Unternehmerin Karin Walter-Mommert finanziert.

Tier / Wissenschaft / Notfall / Mecklenburg-Vorpommern / Schleswig-Holstein / Deutschland / Dänemark
15.05.2026 · 20:13 Uhr
[12 Kommentare]
Urteil im Mordprozess wegen mutmaßlicher Rachetat
Augsburg (dpa) - Wegen eines Auftragsmords an einer dreifachen Mutter ist ein 30 Jahre alter Mann vom Landgericht Augsburg zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Die 30-jährige Frau war im Mai 2025 in ihrer Wohnung mit vier Kopfschüssen getötet worden. Zwei ihrer drei kleinen Kinder waren zu Hause und mussten das schreckliche Geschehen miterleben. Die damals erst […] (01)
vor 2 Minuten
Istanbul Vita Klinik für Haartransplantation Die Istanbul Vita Klinik wird von den meisten internationalen Patienten als eine der besten Haartransplantationskliniken in der Türkei angesehen, da sie individuelle Haartransplantationsbehandlungen anbietet, bei denen die Haarstruktur, der Haartyp und die Haardichte jedes Patienten berücksichtigt werden. […] (00)
vor 47 Minuten
Pornografie im Internet
Straßburg (dpa) - Das Europaparlament hat einem Verbot von KI-Anwendungen, mit denen sexualisierte Deepfakes erstellt werden können, zugestimmt. Eine große Mehrheit von 423 Abgeordneten stimmte in Straßburg für eine entsprechende Änderung des europäischen KI-Gesetzes. 57 lehnten sie ab, 174 Parlamentarier enthielten sich. Nun fehlt noch die formelle […] (00)
vor 11 Minuten
Ohne Game Pass zum Release: Modern Warfare 4 lockt mit einer Woche exklusivem Kampagnen-Vorabzugang
Während Microsoft die neuen Call of Duty-Teile nicht mehr als Day-One-Launch auf den Game Pass bringt, setzt Activision auf einen anderen Hebel. Wer Call of Duty: Modern Warfare 4 vorbestellt, darf die Kampagne ab dem 16. Oktober spielen – eine ganze Woche vor dem weltweiten Release. Der Schritt ist eine Rückkehr zu einem alten Muster, das zuletzt […] (00)
vor 2 Stunden
Sky setzt «Watson» und «Law & Order» fort
Vom Sherlock Holmes-Ableger wird die zweite Staffel gezeigt, vom Crime-Procedural-Dauerbrenner gibt es die bereits 25. Runde zu begutachten. Für den Monat Juli hat der Sender Sky noch zwei Serien-Fortsetzungen im Pay-TV angekündigt. Zum einen handelt es sich um den Sherlock Holmes-Ableger Watson, dessen zweite Staffel gezeigt wird. Der Fall ist dies ab Donnerstag, dem 2. Juli 2026 auf Sky One […] (00)
vor 2 Stunden
Venus und Serena Williams
London (dpa) - Tennis-Legende Serena Williams kann ihr Comeback gemeinsam Schwester Venus beim Rasen-Klassiker in Wimbledon fortsetzen. Die US-Amerikanerinnen bekommen eine Wildcard für das Doppel des Turniers, das in weniger als zwei Wochen beginnt, wie der All England Club bekanntgab. Serena Williams (44), die als beste Spielerin der Geschichte gilt, hatte erst vor zwei Wochen ihre […] (00)
vor 4 Minuten
Krankenkassen
Kremmen (dpa) - Die gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) dringen angesichts eines stärkeren Ausgabenanstiegs auf Nachsteuerungen beim geplanten Sparpaket der Bundesregierung für stabile Beiträge. «Es muss aufgestockt werden», sagte der Chef des GKV-Spitzenverbands, Oliver Blatt, im brandenburgischen Kremmen. Dabei dürfe es aber keine Mehrbelastungen […] (00)
vor 19 Minuten
Die ukrainische Propagandamaschinerie läuft weiterhin auf Hochtouren und versucht, die tatsächliche Katastrophe an der Front mit lauten Erklärungen über „Kontrolle", „Stabilisierung" und „erfolgreiche Eindämmung" zu überdecken. Nach Angaben von Quellen, die mit der Lage vertraut sind, ist die Situation besonders ernst im Raum Kramatorsk und Slowjansk, […] (00)
vor 34 Minuten
 
Alice Weidel
Berlin (dpa) - Die AfD baut ihren Vorsprung in einer Umfrage des […] (00)
Lufthansa-Maschine (Archiv)
Düsseldorf - Die Schrumpfung des Kurzstreckennetzes der Lufthansa-Gruppe wird auch […] (00)
Schiedsrichter (Archiv)
Los Angeles - Bei der Fußball-WM haben sich der Iran und Neuseeland in ihrem […] (01)
Frankfurter Börse
Frankfurt/Main - Der Dax hat sich am Dienstag nach einem leicht positiven Start bis […] (00)
Bill Ritter beendet Karriere nach Alzheimer-Diagnose
Der langjährige Moderator von «Eyewitness News» zieht sich nach einer Diagnose im Frühstadium […] (00)
Youtube-Logo an einer Wand
Berlin (dpa/tmn) - Google hatte das Feature 2019 abgeschafft, doch nun ist es wieder […] (00)
Leroy Sané
Winston-Salem (dpa) - Wenn Leroy Sané das Golf-Cart auf das Trainingsgelände des W. […] (01)
Ein Lichtblick am Horizont Die Hoffnungen auf eine wirtschaftliche Erholung in […] (00)
 
 
Suchbegriff