Investmentweek

Was der Tarifabschluss bei Bund und Kommunen wirklich bedeutet

12. April 2025, 12:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Mehr Geld, mehr Urlaub, mehr Flexibilität: Die Einigung in Potsdam betrifft 2,5 Millionen Beschäftigte – und kostet den Staat Milliarden. Doch hinter dem Kompromiss steckt mehr als bloß Tarifpolitik.

Kompromiss nach langem Ringen

Die Einigung kam spät, aber sie kam. Nach zähen Gesprächen in Potsdam haben sich die Tarifparteien von Bund und Kommunen auf einen neuen Abschluss verständigt.

2,5 Millionen Beschäftigte erhalten mehr Geld, neue Gestaltungsspielräume bei der Arbeitszeit – und ein klares Signal: Der öffentliche Dienst ist systemrelevant, aber längst nicht mehr konkurrenzfähig. Es ist ein Abschluss, der unter Druck zustande kam. Und einer, der haften bleiben wird.

Stufenplan mit politischem Unterton

Das Kernstück der Einigung ist eine zweistufige Lohnerhöhung: Ab April gibt es drei Prozent mehr Gehalt, mindestens aber 110 Euro. Im Mai 2026 folgt eine weitere Erhöhung um 2,8 Prozent.

Hinzu kommen höhere Schichtzulagen und ein aufgestocktes 13. Monatsgehalt. Die Laufzeit des Vertrags: 27 Monate. Damit sind Streiks in diesem Bereich bis 2027 vom Tisch – zumindest theoretisch.

Nancy Faeser spricht von einem „Zeichen des Respekts“, Verdi-Chef Frank Werneke von einem „schwierigen Ergebnis in schwierigen Zeiten“. Zwischen den Zeilen klingt durch: Beide Seiten haben sich durchgerungen – und beide wissen, dass der Druck auf dem Kessel bleibt.

Urlaub statt Euro: Das stille Zugeständnis an die Generation Flex

Besonders auffällig ist das neue Wahlmodell „Zeit statt Geld“: Beschäftigte dürfen künftig Teile ihres Weihnachtsgelds in zusätzliche freie Tage umwandeln. Ab 2027 ist ein zusätzlicher Urlaubstag fest vorgesehen.

Für viele jüngere Beschäftigte ist das attraktiver als eine geringe nominale Gehaltserhöhung – und ein Eingeständnis der Tarifparteien, dass starre Strukturen im öffentlichen Dienst keine Zukunft haben.

Der Weg dorthin ist jedoch steinig. Denn während Gewerkschaften das Modell als „Einstieg in mehr Selbstverantwortung“ loben, sehen Arbeitgeber in der Umwandlung von Geld in Freizeit potenziell sinkende Einsatzfähigkeit. In einer Branche, die schon heute unter Personalmangel leidet, ist das eine Herausforderung.

Tarifabschluss in Potsdam: Verdi-Chef Werneke, Innenministerin Faeser und VKA-Verhandlungsführerin Welge verkünden den Kompromiss – unter sichtbarem Erschöpfungszustand..

Flexibilität mit Risiko – die 42-Stunden-Debatte

Besonders umstritten war die Öffnung für längere Arbeitszeiten in kommunalen Krankenhäusern. Beschäftigte können ihre Wochenarbeitszeit freiwillig auf bis zu 42 Stunden erhöhen – gegen Bonuszahlung.

Gewerkschaften kritisierten das scharf, fürchteten eine „schleichende Normalisierung“ der Mehrarbeit. Am Ende wurde ein Passus verhandelt, der Freiwilligkeit garantiert – formal.

Doch in der Praxis bleibt Skepsis. Denn in unterbesetzten Kliniken, wo Teamdruck herrscht und Dienstpläne schon jetzt kaum abgedeckt werden, ist Freiwilligkeit oft eine Illusion. Für die Arbeitgeber ist das Modell eine Art Ventil – für die Beschäftigten ein potenzielles Einfallstor für strukturelle Überlastung.

1,94 Milliarden Euro – und das ist nur der Anfang

Finanziell ist der Abschluss für den Bund ein schwerer Brocken: Allein die direkten Kosten für Tarifbeschäftigte summieren sich auf 1,94 Milliarden Euro. Kommunale Haushalte müssen ebenfalls tief in die Kassen greifen.

Angesichts der konjunkturellen Unsicherheit und angespannten Haushaltslagen in vielen Bundesländern ist fraglich, wie tragfähig der Deal langfristig ist.

Zumal klar ist: Im Herbst folgen die Länder – mit eigenen Verhandlungen, neuen Forderungen und vermutlich ähnlicher Dynamik. Der aktuelle Abschluss ist ein Vorbote – kein Schlusspunkt.

Verpasste Gelegenheit oder pragmatischer Fortschritt?

Die ursprünglichen Forderungen der Gewerkschaften lagen deutlich höher: acht Prozent mehr Gehalt, mindestens 350 Euro monatlich zusätzlich und drei weitere Urlaubstage. Was nun herauskam, ist ein Kompromiss, der für viele Beschäftigte eine reale Verbesserung bringt – aber eben auch keine große Reform.

Strukturelle Fragen bleiben offen: Wie lässt sich der öffentliche Dienst für Fachkräfte attraktiver machen? Wie umgehen mit 570.000 unbesetzten Stellen – und einer Pensionierungswelle, die in den nächsten zehn Jahren ein Drittel der Beschäftigten betrifft?

Politik
[InvestmentWeek] · 12.04.2025 · 12:00 Uhr
[9 Kommentare]
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