Verbraucherpreise

Inflation hartnäckiger als erhofft: Wie geht es 2026 weiter?

06. Januar 2026, 16:40 Uhr · Quelle: dpa
Inflationsrate
Foto: Jan Woitas/dpa
Das Leben in Deutschland ist seit dem russischen Überfall auf die Ukraine deutlich teurer geworden. (Symbolbild)
Die Inflationsrate in Deutschland fiel auf 1,8 Prozent, doch sie wird voraussichtlich bei zwei Prozent verharren.

Wiesbaden (dpa) - Die Zeit enorm hoher Inflationsraten ist vorbei, doch die Ernüchterung bei Verbrauchern bleibt. Vor allem bei Dienstleistungen, zu denen etwa Restaurantbesuche, Autoversicherungen und Pauschalreisen zählen, sind die Preise deutlich gestiegen. Auch Lebensmittel haben sich spürbar verteuert. Ganz so schnell wie erhofft wird die Inflationsrate wohl nicht unter die auch psychologisch wichtige Marke von zwei Prozent sinken. Was sind die Ursachen? Und was erwartet Verbraucher im neuen Jahr?

Wie hat sich die Teuerung zuletzt entwickelt?

Lange verharrte die Teuerungsrate in Deutschland über zwei Prozent, noch im November lag sie bei 2,3 Prozent. Vor allem Dienstleistungen verteuerten sich überdurchschnittlich, darunter Pauschalreisen und Bahntickets. Gründe sind oft Personalmangel und Lohnsteigerungen, die Firmen an Kunden weiterreichen.

Im Dezember fiel die Inflationsrate überraschend deutlich auf 1,8 Prozent - der niedrigste Wert seit September 2024. Während sich Dienstleistungen zu Jahresende nochmals deutlich verteuerten, gaben die Energiepreise nach und Lebensmittelpreise stiegen kaum noch. Im Jahresschnitt 2025 steht damit eine Inflationsrate von 2,2 Prozent - ebenso wie im Vorjahr.

Damit liege die Inflation in Deutschland «wieder absolut im Normalbereich», sagt Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank. «Wirtschaftlich hat das Land viele Probleme, die Inflation gehört nicht dazu.»

Wie geht es weiter Inflation?

Volkswirte erwarten, dass sich die Menschen in Deutschland weiter mit Teuerungsraten um die Zwei-Prozent-Marke abfinden müssen. «Der Rückgang der Inflationsrate in Deutschland verläuft etwas zäher als gedacht», sagte jüngst Bundesbank-Präsident Joachim Nagel. Wegen des Lohnwachstums und der weniger stark fallenden Energiepreise werde die Rate langsamer sinken als erwartet. 

Dem Ifo-Institut zufolge dürfte die Inflationsrate bei 2,2 Prozent in diesem Jahr und bei 2,3 Prozent 2027 liegen. Die Energiepreise dürften demnach weiter sinken, der Preisdruck bei Dienstleistungen aber bleiben.

Nach Einschätzung von Carsten Brzeski, Chefvolkswirt bei der Bank ING, dürfte die Inflationsrate 2026 um die Marke von zwei Prozent schwanken. Zumindest für die ersten Monate des neuen Jahres erwartet er eine Rate unter 2 Prozent, bedingt durch den starken Euro und günstigere Importe, bevor die Teuerungsrate wieder anziehen dürfte. 

Warum wird die Inflation oft überschätzt?

Zwar ist die Preiswelle ausgelaufen, die Deutschland nach dem russischen Überfall auf die Ukraine erfasst hatte. Damals verteuerten sich Energie und Lebensmittel rasant. Das ließ die Inflationsrate hochschnellen auf 6,9 Prozent im Jahr 2022 und 5,9 Prozent 2023, bis sie sich 2024 normalisierte auf 2,2 Prozent.

Gefühlt ist die Inflation aber viel höher: In einer Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) schätzten die Teilnehmer die Teuerungsrate 2024 auf 15,3 Prozent - also rund siebenmal höher, als sie tatsächlich war.

Das liegt nicht zuletzt an teureren Nahrungsmitteln. Der Europäischen Zentralbank zufolge sind die Lebensmittelpreise in Deutschland seit dem Vor-Corona-Jahr 2019 um über ein Drittel gestiegen - und die spüren Verbraucher beim täglichen Einkauf besonders. So ist auch von «Supermarkt-Inflation» die Rede.

Wie wird die Inflationsrate eigentlich berechnet?

Das Statistische Bundesamt analysiert jeden Monat, wie sich Preise entwickelt haben. Dazu notieren die Statistiker in Geschäften, was Obst und Gemüse, Schuhe oder Möbel kosten. Wie hoch ist die Wohnungsmiete, was kostet Sprit an der Tankstelle? Tausende Einzelpreise von Waren und Dienstleistungen werden repräsentativ nach dem stets gleichen Schema erfasst. Die durchschnittliche Preisentwicklung für eine Güterart wird dann mit dem Ausgabenanteil gewichtet, den die Haushalte für diese Güterart ausgeben. 

Was beschreibt der Verbraucherpreisindex?

Gemessen wird die durchschnittliche Preisentwicklung aller Waren und Dienstleistungen, die private Haushalte für Konsumzwecke kaufen. Darunter fallen Nahrungsmittel, Bekleidung und Autos ebenso wie Mieten, Reinigungsdienste oder Reparaturen. Berücksichtigt werden dabei alle Ausgaben, die in Deutschland getätigt werden, das heißt auch die von Touristen aus dem Ausland. Die Veränderung des Verbraucherpreisindex zum Vorjahresmonat oder Vorjahr wird als Inflationsrate bezeichnet.

Was waren die auffälligsten Preissprünge bei Lebensmitteln?

Besonders stark nach oben ging es dem Statistischen Bundesamt zufolge bei Sauerkirschen. Hier lagen die Preise im November 2025 wegen schlechter Ernten knapp 50 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Auch die Tafel Schokolade verteuerte sich mit einem Anstieg von gut einem Viertel deutlich. Um mehr als 22 Prozent stiegen zudem die Preise für Bohnenkaffee und Rinderhack.

Wurde überhaupt etwas billiger?

Ja. Butter etwa verbilligt sich laut Statistischem Bundesamt binnen eines Jahres um gut ein Fünftel (22 Prozent), ähnlich wie Weintrauben. Bei den Preisen für Olivenöl ging es zwischen November 2024 und November 2025 um gut 17 Prozent nach unten, bei Kartoffeln um rund 16 Prozent. Auch jenseits von Lebensmitteln gab es Preisrückgänge: So waren Fernseher und Smartphones im Herbst deutlich billiger.

Welche Zielmarke gilt bei der Inflation und warum?

Die EZB sieht bei mittelfristig 2,0 Prozent Inflation im Euroraum ihr wichtigstes Ziel gewahrt: Für einen stabilen Euro zu sorgen und so die Kaufkraft der Menschen zu erhalten. Dauerhaft niedrige Preise gelten als Risiko für die Konjunktur. Unternehmen und Verbraucher könnten Investitionen oder Käufe aufschieben in der Erwartung, dass es bald noch billiger wird. Auch wenn Preise zu stark steigen, ist das Gift für die Wirtschaft. Dann verlieren Verbraucher Kaufkraft. Das schmälert den Konsum als wichtige Stütze der Konjunktur.

Die neuen Inflationszahlen von Dezember seien gute Nachrichten für die EZB und die Bundesregierung, meint ING-Ökonom Brzeski, «da damit eine Sorge aus einer ansonsten langen Liste wirtschaftlicher Herausforderungen wegfällt».

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06.01.2026 · 16:40 Uhr
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