Räumung für Kohleabbau

Tunnel bereiten Polizei in Lützerath Probleme

13. Januar 2023, 13:50 Uhr · Quelle: dpa
Die Räumung von Lützerath läuft schneller und unkomplizierter als erwartet. Doch jetzt stößt die Polizei auf Probleme: Aktivisten haben Tunnel gegraben und sich unter der Erde versteckt.

Erkelenz (dpa) - Am dritten Tag der Räumung von Lützerath für den Braunkohle-Abbau legt die Polizei an diesem Freitag einen Fokus auf Aktivisten, die sich in unterirdischen Gängen verschanzt haben. «Wir wissen nicht, wie stabil diese unterirdischen Bodenstrukturen sind. Wir wissen auch nicht, wie die Luftzufuhr dort ist», sagte der Aachener Polizeipräsident Dirk Weinspach am Donnerstagabend im WDR.

Entsprechend gefährlich sei die Situation. In der Nacht zu Freitag beendete das Technische Hilfswerk seinen Einsatz, ohne die Aktivisten aus dem Tunnel zu holen. Inzwischen hat die Polizei mit der Räumung des letzten Gebäudes in Lützerath begonnen.

Die Polizei spricht von zwei Tunneln

In der Nacht harrten die Klimaaktivisten bei starkem Regen, kräftigem Wind und Temperaturen unter zehn Grad aus. Weiter geräumt wurde von der Polizei zunächst nicht. Zwar waren nach wie vor zahlreiche Polizisten vor Ort. Laut einem Polizeisprecher wollte man in der Nacht aber nur aktiv werden, wenn Aktivisten aus potenziell gefährlichen Lagen befreit werden müssten.

Die Besetzer des Ortes, der dem Braunkohle-Abbau weichen soll, hatten am Donnerstag in den sozialen Netzwerken über einen Tunnel berichtet und die Polizei gewarnt, mit schwerem Gerät in den Bereich zu fahren. Die Polizei bestätigte, dass es mindestens zwei Tunnel gebe. Allerdings seien nur in einem auch Aktivisten drin. An sie komme die Polizei bislang nicht heran.

Spezialkräfte von RWE und Technischem Hilfswerk müssten sich nun darum kümmern, «wie die Rettung in geeigneter Weise vorgenommen werden kann», sagte Weinspach. «Da wird es auch darauf ankommen, ganz vorsichtig vorzugehen und keine Risiken einzugehen.» Wie stark sich die Räumung des Geländes dadurch verzögern könne, sei nicht abzusehen.

Insgesamt zeigte der Polizeipräsident sich zufrieden mit dem Fortschritt des Einsatzes. «Die Räumung der überirdischen Strukturen ist weitgehend abgeschlossen», betonte er im WDR. «Wir haben fast alle Häuser geräumt bis auf eins. Es ist die Wiese geräumt, ein Großteil der Baumhäuser ist geräumt. Insofern bleibt gar nicht mehr so viel über.»

Baumhäuser stürzen krachend in die Tiefe

Am Donnerstag wurden zahlreiche Holzhütten und Barrikaden der Aktivisten von Baggern dem Erdboden gleichgemacht. Die Besetzer ließen sich bei der Räumung meist ohne große Gegenwehr wegtragen. Einige waren den Tränen nah. Auch zwei symbolträchtige Häuser der einstigen Bewohner von Lützerath wurden geräumt. Dort flogen Feuerwerkskörper in Richtung der Einsatzkräfte, wie eine dpa-Reporterin berichtete. Eine Beamtin wurde laut Polizei leicht verletzt. Abgerissen wurden die alten Häuser des Dorfes aber noch nicht.

Auch aus den in bis zu zehn Meter Höhe errichteten Baumhäusern ließen sich Besetzer von Höhenrettern ohne große Gegenwehr nach unten holen. Anschließend schnitten Polizisten die Halteseile durch, so dass Baumhäuser krachend in die Tiefe stürzten und dort in viele Einzelteile zerbrachen, wie ein dpa-Reporter berichtete.

In der Nacht zum Freitag ging die Räumung in der Dunkelheit zunächst noch weiter. «Objekte, die angegangen worden sind, arbeiten wir noch fertig ab», sagte ein Polizeisprecher. Auch Aktivisten, die sich einbetoniert oder festgekettet hätten, würden trotz der Dunkelheit befreit. «In solchen Fällen müssen wir Hilfe leisten», sagte der Sprecher.

Am Freitag ist auch ein Transparent mit der Aufschrift «1,5°C heißt: Lützerath bleibt!» von einer Mauer des ehemaligen Hofs von Bauer Eckardt Heukamp entfernt worden. Das weithin sichtbare gelbe Transparent war seit Jahren im Hintergrund vieler Protestaktionen zu sehen gewesen und hatte dementsprechend hohen Symbolwert.

RWE will die Braunkohle abbauen, die unter dem von den Bewohnern längst verlassenen Dorf Lützerath liegt. Die Kohle werde benötigt, um in der Energiekrise Gas für die Stromerzeugung in Deutschland zu sparen, argumentiert der Konzern. Die Aktivisten bestreiten das. Im Gegenzug dafür, dass die Politik den Weg für den Abbau der Braunkohle unter Lützerath freimachte, wurde der Kohleausstieg in NRW um acht Jahre auf 2030 vorgezogen.

Randalierer ziehen durch Berlin

Mehr als hundert vermummte Täter sollen in Berlin-Mitte aus Protest gegen die Räumung des Dorfes Lützerath randaliert und Schaufensterscheiben eingeworfen haben. Sie zündeten in der Nacht zu Freitag Mülltonnen an und beschossen eine Polizeiwache mit Pyrotechnik, wie die Polizei mitteilte. Die Rede war von mehr als 200 Randalierern, die durch die Straßen rund um den Hackeschen Markt zogen. Das nordrhein-westfälische Dorf Lützerath soll abgerissen werden, damit der Energiekonzern RWE die darunter liegende Kohle abbaggern kann.

Laut Berliner Polizei begannen erste vermummte Personen gegen 1.15 Uhr Mülltonnen anzuzünden. Nachdem die Gruppe stark angewachsen war, zog sie weiter. Dabei beschädigten die mutmaßlich aus der linksextremen Szene stammenden Täter Schaufenster von mindestens 26 Geschäften mit Pflastersteinen und mit Farbe gefüllten Christbaumkugeln. Zudem beschmierten sie Fassaden und Fenster mit Parolen im Zusammenhang mit Lützerath.

Aktivisten ketten sich an RWE-Konzernzentrale fest

Aus Protest gegen die Räumung haben am Freitag etwa 25 bis 30 Klimaaktivisten die Einfahrt der Zentrale des Energiekonzerns RWE in Essen besetzt. Drei von ihnen ketteten sich nach Angaben eines Aktivistensprechers mit Fahrradschlössern an einem Rolltor fest. Sie trugen Schilder mit Aufschriften wie «Lützi bleibt» und «Moratorium Lützerath». Man wolle die Aktion in Essen fortsetzen, bis die Räumung von Lützerath abgebrochen werde, sagte der Sprecher, der nach eigenen Worten der Gruppe «Letzte Generation» angehört.

Bergbau / Demonstrationen / Energie / Lützerath / Braunkohle / RWE / Randale / Deutschland / Nordrhein-Westfalen / Berlin
13.01.2023 · 13:50 Uhr
[27 Kommentare]
Silbermünzen, Bargeld und Goldschmuck auf Spielplatz entdeckt
Berlin (dpa/bb) - Schatz beim Buddeln entdeckt: Ein Kind einer Kitagruppe hat auf einem Spielplatz in Berlin Silbermünzen und andere Wertgegenstände gefunden. «Statt Sandspielzeug wurden hinter einem Spielplatz in Wilmersdorf plötzlich Silbermünzen, Goldschmuck, Luxusuhren und 6.000 Euro Bargeld entdeckt», teilte die Berliner Polizei in einem Social- […] (00)
vor 2 Minuten
Der Gesundheitssektor ist eine der wenigen Branchen, die kontinuierlich wachsen. Neue Technologien, verbesserte Behandlungsmöglichkeiten sowie die ständig steigende Nachfrage nach medizinischer Versorgung sorgen dafür, dass auch der Markt der Medizinprodukte boomt. Neben dem medizinischen Fachpersonal sind es vor allem die Fachkräfte gefordert, die […] (00)
vor 1 Stunde
Amazon Prime Video führt vertikalen Clips-Feed in der iPhone-App ein
Amazon hat seine Prime Video App für das iPhone um eine interessante Neuerung erweitert. Ein neuer vertikaler Video-Feed soll Nutzern dabei helfen, neue Filme und Serien schneller zu entdecken. Damit reagiert der Streaming-Riese auf den anhaltenden Trend zu kurzen, hochkant gefilmten Inhalten, wie man sie von Plattformen wie TikTok kennt. iPhone, […] (00)
vor 3 Stunden
Dragon Quest 12: The Flames of Fate wohl vor großer Enthüllung im Mai
Um Dragon Quest 12: The Flames of Fate ist es in den vergangenen Jahren ungewöhnlich still geworden. Seit der ersten Ankündigung warteten Fans fast komplett vergeblich auf neues Gameplay oder konkrete Informationen. Jetzt könnte sich das allerdings bald ändern. Der Grund dafür ist ein neuer Livestream von Square Enix , der für Mai angekündigt wurde. […] (00)
vor 1 Stunde
Ohne Super Bowl ist FOX wieder auf Normalniveau
Das Unternehmen verdiente in diesem Jahr wieder deutlich weniger. Immerhin lief das Geschäft weiterhin sehr ertragreich. Bei der FOX Corporation wurden am Montag die Zahlen offengelegt. In den Monaten Januar, Februar und März 2026 erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von 3,994 Milliarden US-Dollar. Im Vorjahreszeitraum waren es 4,371 Milliarden US-Dollar. Allerdings konnte das […] (00)
vor 1 Stunde
Daniel Siebert
Nyon (dpa) - Der deutsche Schiedsrichter Daniel Siebert leitet das Finale der Champions League zwischen Paris Saint-Germain und dem FC Arsenal. Das teilte die UEFA mit. Der 42-Jährige war in der laufenden Champions-League-Saison bei neun Partien im Einsatz, darunter im Viertelfinal-Hinspiel zwischen Sporting Lissabon und Arsenal sowie beim Halbfinal- […] (00)
vor 47 Minuten
Wirtschaftliche Chancen und Herausforderungen: Ein Überblick für Investoren
Die aktuelle Marktlage verstehen Die globale Wirtschaft zeigt sich 2026 von einer Seite, die sowohl Chancen als auch Risiken mit sich bringt. Zentralbanken weltweit haben ihre Geldpolitik angepasst, während Inflationsdaten volatil bleiben. Für Investoren ist es essentiell, diese Entwicklungen nicht nur zu beobachten, sondern sie aktiv in ihre […] (00)
vor 38 Minuten
Die Situation in deutschen Krankenhäusern und Pflegeheimen ist mehr als nur angespannt – sie ist kritisch. Betten bleiben leer, weil das Personal fehlt, Operationen werden verschoben und die verbleibenden Pflegekräfte arbeiten am Rande der Belastbarkeit. Der gesellschaftliche Applaus ist verhallt, doch die systemischen Probleme sind geblieben und haben […] (00)
vor 50 Minuten
 
Bayerischer Landtag (Archiv)
München - Bayern kann sich im Deutschlandvergleich wirtschaftlich weiter behaupten. […] (00)
VW-Werk (Archiv)
Zwickau - Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD) schlägt vor, chinesische […] (02)
Computer-Nutzer (Archiv)
Bonn - Jeder zehnte Bürger in Deutschland ist im vergangenen Jahr von […] (00)
Keir Starmer (Archiv)
London - Der unter zunehmendem Druck stehende britische Premierminister Keir Starmer […] (00)
Verständnis der Benachrichtigung Kürzlich haben Bloomberg-Nutzer Warnungen über […] (00)
HBO Max startet offiziellen «Harry Potter»-Podcast zum Filmjubiläum
Zum 25. Geburtstag des ersten Kinofilms erscheint eine neue Podcast-Reihe über die acht «Harry […] (00)
Symbolbild Cyberkriminalität
Stuttgart/Bonn (dpa) - Jeder neunte Internetnutzer in Deutschland (11 Prozent) wurde […] (00)
Blake Lively und Ryan Reynolds
(BANG) - Ryan Reynolds widmete Blake Lively am Muttertag eine emotionale Hommage. Der […] (00)
 
 
Suchbegriff