Trump verschiebt EU-Zölle auf Juli – von der Leyens Zusage eröffnet neue Verhandlungsrunde
Die angekündigten US-Strafzölle von 50 Prozent auf EU-Importe werden vorerst nicht umgesetzt. US-Präsident Donald Trump hat die Einführung überraschend auf den 9. Juli verschoben. Grund sei ein Telefonat mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, in dem sie zugesichert habe, zügige Gespräche über ein mögliches Handelsabkommen einzuleiten. Trump sprach anschließend von einem „sehr guten Gespräch“ – ein markanter Tonwechsel nach den scharfen Drohungen der Vorwoche.
Noch am Freitag hatte Trump via Truth Social die EU als protektionistische Konstruktion bezeichnet, die geschaffen worden sei, um „die Vereinigten Staaten im Bereich des Handels zu übervorteilen“. Entsprechend sei er „nicht auf der Suche nach einem Deal“. Umso bemerkenswerter ist nun der Kurswechsel. Von der Leyen hatte unmittelbar vor Trumps Kehrtwende öffentlich auf X erklärt, Europa sei bereit, „Gespräche entschlossen voranzubringen“, brauche aber Zeit bis Juli.
Die EU-Kommission sieht in dem Aufschub die Chance, weitere Handelshemmnisse zu vermeiden. Brüssel betont jedoch, dass man sich auf Gegenmaßnahmen vorbereite, falls es bis zum neuen Fristende zu keiner Einigung komme. Bereits im April hatte Trump ähnliche Zolldrohungen gegen andere Handelspartner ausgesprochen und ebenfalls zeitlich begrenzt ausgesetzt – ein Muster, das Beobachter als klassische Verhandlungstaktik einstufen.
Auf Arbeitsebene prüfen beide Seiten derzeit Optionen für ein umfassenderes Handelsabkommen. Im Gespräch sind etwa höhere EU-Importe von US-Flüssiggas (LNG), Agrarprodukten und Rüstungsgütern – Ziel ist es, das strukturelle Handelsdefizit der USA mit der EU zu reduzieren.
Die EU hält Trumps Zolldrohungen für unvereinbar mit WTO-Regeln. Trotzdem will Brüssel Eskalationen vermeiden – nicht zuletzt, um in geopolitisch sensiblen Bereichen wie Energie und Sicherheit handlungsfähig zu bleiben. Ob aus Trumps Kurskorrektur ein tragfähiger Kompromiss wird, entscheidet sich in den kommenden Wochen.

