Viel Volumen, wenig Euphorie: Wie Anleger BYD jetzt sehen
Schwacher Dezember, vierter Rückgang in Folge
Im Dezember 2025 setzte BYD insgesamt 420.398 Fahrzeuge ab. Das entspricht einem Rückgang von 18,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Auch im Monatsvergleich ging der Absatz um 12,5 Prozent zurück – bereits der vierte Monat in Folge mit negativen Jahresvergleichszahlen.
Besonders deutlich fiel der Rückgang bei Plug-in-Hybriden aus: minus 25,7 Prozent im Dezember. Reine Elektrofahrzeuge hielten sich mit einem Minus von 8,19 Prozent vergleichsweise stabil, konnten den Gesamttrend aber nicht drehen. Der Preiskampf im chinesischen Heimatmarkt und eine spürbar nachlassende Nachfrage belasten das kurzfristige Momentum.
Auf Jahressicht besser als der Eindruck vermuten lässt
Der Blick auf das Gesamtjahr zeichnet ein deutlich stabileres Bild. 2025 verkaufte BYD insgesamt 4.602.436 Fahrzeuge – ein Plus von 7,73 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit erreichte der Konzern sein zuvor gesenktes Jahresziel von 4,6 Millionen Einheiten trotz schwieriger Marktbedingungen.
Treiber waren vor allem batterieelektrische Modelle. Deren Absatz stieg im Gesamtjahr um 27,9 Prozent auf 2.256.714 Fahrzeuge. Plug-in-Hybride verloren hingegen an Bedeutung und verzeichneten einen Rückgang von 7,91 Prozent. Die Zahlen zeigen eine klare strategische Verschiebung: BYD wird zunehmend zum reinen E-Auto-Player – zumindest absatzseitig.
Auslandsgeschäft wird zum entscheidenden Wachstumsmotor
Der größte Lichtblick bleibt das internationale Geschäft. Im Dezember exportierte BYD 133.172 Fahrzeuge – ein Plus von 133 Prozent gegenüber dem Vorjahr und erneut ein Rekordwert. Auf Jahressicht stiegen die Auslandsverkäufe sogar um 151 Prozent auf 1.046.083 Fahrzeuge.
Damit stammt inzwischen mehr als jedes fünfte verkaufte Fahrzeug aus dem Ausland. BYD kompensiert die Marktsättigung und den harten Wettbewerb in China zunehmend durch Expansion in Europa, Südostasien und Lateinamerika. Strategisch ist das entscheidend, denn genau hier liegen mittelfristig die Margen- und Skalierungschancen.
Schrumpfender Vorsprung im Heimatmarkt
Gleichzeitig nimmt der Druck zu. Der technologische Vorsprung im chinesischen Markt ist geschrumpft, staatliche Kaufanreize wurden reduziert, und neue Wettbewerber drängen aggressiv in den Markt. BYD-Gründer Wang Chuanfu hat zuletzt selbst eingeräumt, dass die Differenzierung schwieriger geworden ist.
Der Konzern reagiert mit Modelloffensiven, Software-Updates und neuen Plattformen. Ob das ausreicht, um im Heimatmarkt wieder stärker zu wachsen, bleibt jedoch offen. Kurzfristig dürfte China eher Bremsklotz als Wachstumstreiber bleiben.
Überholt BYD Tesla erstmals auch bei reinen E-Autos?
Mit mehr als 2,25 Millionen verkauften reinen Elektrofahrzeugen im Jahr 2025 steht BYD vor einem möglichen Meilenstein. Erstmals könnte der Konzern den US-Pionier Tesla auch beim reinen E-Auto-Absatz überholen.
Analystenschätzungen zufolge kommt Tesla 2025 auf rund 1,65 Millionen ausgelieferte Fahrzeuge. Bislang hatte BYD zwar den Titel als größter Hersteller von New Energy Vehicles inne – also inklusive Plug-in-Hybriden –, nicht aber bei reinen Stromern. Sollte sich die Schätzung bestätigen, wäre das ein symbolisch wie strategisch wichtiger Schritt.
Starkes Volumen, offene Profitfrage
BYD hat 2025 geliefert: Jahresziel erreicht, Auslandsgeschäft explodiert, möglicher Sieg über Tesla bei den E-Auto-Stückzahlen. Gleichzeitig zeigen die rückläufigen Monatszahlen und der schrumpfende Vorsprung in China die Grenzen des aktuellen Modells.
Für Anleger bleibt entscheidend, ob BYD das hohe Absatzvolumen künftig stärker in Margen, Markenstärke und nachhaltige Profitabilität übersetzen kann. Im Rennen mit Tesla geht es längst nicht mehr nur um Stückzahlen – sondern um Preissetzungsmacht, Software, Effizienz und Vertrauen in die Langfriststrategie.


