Geberkonferenz

Sudan-Konferenz macht Druck für Ende der humanitären Krise

15. April 2026, 18:38 Uhr · Quelle: dpa
Internationale Sudan-Konferenz
Foto: Michael Kappeler/dpa
Auf der dritten internationalen Sudan-Konferenz geht es unter anderem um Zusagen für die Finanzierung humanitärer Hilfe.
Seit drei Jahren tobt der Bürgerkrieg im Sudan - vor allem Kinder und Frauen leiden. In Berlin gibt es Zusagen für knapp 1,5 Milliarden Euro Hilfsgelder. Und Rufe nach einer sofortigen Waffenruhe.

Berlin (dpa) - Spitzenvertreter der UN, Europas, Afrikas und der USA erhöhen drei Jahre nach Beginn des blutigen Bürgerkriegs im Sudan den Druck für ein Ende des Konflikts. «Dieser Albtraum muss enden», forderte UN-Generalsekretär Antonio Guterres in einer Videobotschaft an die Teilnehmer der dritten internationalen Sudan-Konferenz, die das Auswärtige Amt in Berlin organisiert hatte. Zahlreiche Teilnehmer verlangten von den Konfliktparteien eine sofortige humanitäre Waffenruhe auf dem Weg zu einer Friedenslösung.

Zum Abschluss der Konferenz meldete Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) einen Erfolg: Es seien Zusagen in Höhe von knapp 1,5 Milliarden Euro für zusätzliche humanitäre Hilfe in diesem Jahr zusammengekommen. Die Konferenz wurde nach Treffen in Paris und London von der Bundesregierung zusammen mit Großbritannien, Frankreich, den USA sowie der EU und Afrikanischen Union ausgerichtet. In Paris hatte es Hilfszusagen von etwa zwei Milliarden Euro und in London von etwa einer Milliarde Euro gegeben. 

UN-Nothilfekoordinator: Bewährungsprobe für internationale Gemeinschaft 

UN-Nothilfekoordinator Tom Fletcher forderte «eine klare Vision für die Zukunft des Sudans». Er sprach von einer Bewährungsprobe für die internationale Gemeinschaft. Das sudanesische Volk dürfe nicht weiter im Stich gelassen werden. «Friedensarbeit ist komplex und erfordert Geduld, aber sie ist keine Raketenwissenschaft.» 

Mit Blick auf die Menschenrechtsverstöße der Konfliktparteien bezeichnete Fletcher den Sudan als ein «Laboratorium der Gräueltaten». 34 Millionen Menschen seien auf Hilfe angewiesen, 19 Millionen Menschen litten Hunger, 10 Millionen Kinder hätten keinen Zugang zur Schule. Ein UN-Hilfsplan sehe vor, 14 Millionen Menschen zu erreichen, doch dazu seien 2,2 Milliarden Dollar nötig. 

Deutschland gibt weitere mehr als 230 Millionen Euro 

Deutschland stockt seine Sudan-Hilfe laut Wadephul um insgesamt mehr als 230 Millionen Euro auf - darunter sind auch Mittel in Höhe von 20 Millionen Euro aus dem Entwicklungsministerium von Ministerin Reem Alabali Radovan (SPD). Die Bundesrepublik gehe damit als einer der größten Unterstützer der humanitären Hilfe für die Menschen im Sudan voraus. 

Wadephul rief andere Länder, Organisationen und Akteure des Privatsektors auf, sich an der Hilfe zu beteiligen. «Lasst uns unsere Kräfte bündeln, damit humanitäre Hilfe und humanitäre Diplomatie Leben retten können», sagte er.

Die außergewöhnliche Krise im Sudan erfordere «mehr als nur unsere Aufmerksamkeit, sie erfordert Handeln. Denn die Situation im Sudan wird in Zukunft weitaus schwieriger sein», sagte Wadephul. Russlands andauernder Krieg gegen die Ukraine und der Krieg im Nahen Osten verschärften die Krise für die Menschen im Sudan und in der Region, «die bereits unter unerträglichen Bedingungen leben», sagte Wadephul. 

Versagen der internationalen Gemeinschaft angeprangert

Der stellvertretende Leiter des Welternährungsprogramms WFP, Carl Skau, der direkt aus der sudanesischen Krisenregion Darfur nach Berlin gekommen war, sprach von einem Versagen der internationalen Gemeinschaft. «Sie hat dabei versagt, den Ausbruch dieses schrecklichen Kriegs zu verhindern, und sie hat beim Schutz der Zivilbevölkerung, der Frauen und Kinder, versagt.» 

Humanitäre Organisationen seien in der Lage, Leid zu lindern - doch die Helfer müssten in der Lage sein, sicher und ungehindert zu arbeiten. Zudem werde mehr Geld zur Finanzierung der Hilfe benötigt. «Derzeit kann sich das WFP nicht einmal volle Rationen in Gebieten leisten, in denen Hunger herrscht.»

Krieg der Generäle - «Sie zerstören ihr Land» 

Der Bürgerkrieg im drittgrößten Land Afrikas begann vor genau drei Jahren - am 15. April 2023. Seitdem kämpfen die Regierungsarmee SAF von De-facto-Machthaber Abdel-Fattah al-Burhan und die Miliz RSF unter Mohamed Hamdan Daglo um die Vorherrschaft im Land. Einst hatten sich die beiden gemeinsam an die Macht geputscht – Daglo war al-Burhans Stellvertreter.

Der Vorsitzende der Kommission der Regionalorganisation Afrikanische Union (AU), Mahmoud Ali Youssouf, sagte: «Die sudanesischen Akteure zerstören ihr Land. Sie verlieren ganze Generationen von Sudanesen.» 

Forderung nach humanitärer Waffenruhe 

Der Berater der US-Regierung für die afrikanischen und arabischen Länder, Massad Boulos, forderte wie der UN-Sondergesandte für den Sudan, Pekka Haavisto, eine sofortige humanitäre Waffenruhe. Diese solle ohne Vorbedingungen sofort akzeptiert werden, damit man an einem politischen Übergang arbeiten könne, sagte Boulos. 

Die Rolle der sudanesischen Zivilgesellschaft

Mehrere Konferenzteilnehmer sprachen sich für die Einbindung der sudanesischen Zivilgesellschaft in die Gespräche über die Zukunft des Landes aus - und einen demokratischen Neubeginn. Teil der Konferenz in Berlin war eine Plattform für Beratungen von Vertretern der Zivilgesellschaft, die einen Plan hin zu einer zivilen statt einer Militärregierung erarbeiten sollen. 

Eine Vertreterin der «Emergency Response Rooms», eines Netzwerks von Freiwilligen, die im Sudan Hilfe etwa über Nachbarschaftsküchen organisiert, wies auf die Rolle des Sudanesinnen in der Zivilgesellschaft hin. «Wir Frauen leiden mehr», sagte sie mit Blick auf die massive sexuelle Gewalt vor allem durch die Miliz RSF. «Wir sind auch diejenigen, die am meisten reagieren. Die Frauen sind unabdingbar, um die Gesellschaft wieder aufzubauen.»

Krieg / Konflikte / Sudan / Humanitäre Hilfe / Internationale Beziehung / EU / AU
15.04.2026 · 18:38 Uhr
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