Corona-Folgen

Spahn-Bericht: «Team 'Ich'» und viele Risiken

24. Juni 2025, 16:49 Uhr · Quelle: dpa
Ging Ex-Minister Spahn bei der Beschaffung von Corona-Masken gegen den Rat von Experten zu hohe Risiken ein? Ein lange geheim gehaltener Bericht findet deutliche Worte - und gefällt nicht allen.

Berlin (dpa) - Der frühere Gesundheitsminister Jens Spahn ist in der Corona-Krise laut einer Untersuchung «gegen den Rat seiner Fachabteilungen» in großem Umfang in die Schutzmasken-Beschaffung eingestiegen. Die Entscheidung des CDU-Politikers, die Beschaffung allein meistern zu wollen, ziehe bis heute «erhebliche Kosten und Risiken» nach sich, heißt es in dem Bericht der Sonderermittlerin Margaretha Sudhof. Das Gesundheitsministerium unter der heutigen Ressortchefin Nina Warken (CDU) distanzierte sich von dem Sonderbericht. Spahn ist heute Chef der CDU/CSU-Fraktion.

Das Gesundheitsministerium hatte den bereits seit Monaten vorliegenden Bericht erst Anfang der Woche mit geschwärzten Passagen an den Vorsitzenden des Haushaltsausschusses des Bundestags gemailt. Sudhof war noch von Spahns Nachfolger Karl Lauterbach (SPD) eingesetzt worden. Lauterbach und Warken veröffentlichten den Bericht zunächst nicht. Warkens Begründung: Der Bericht betreffe auch laufende Gerichtsprozesse und enthalte personenbezogene Daten. Spahn begrüßte nun die Veröffentlichung, weil dies eine Bewertung ermögliche. Der rund 170 Seiten starke Bericht liegt der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vor. 

«Bis heute erhebliche Kosten und Risiken»

Die Sonderermittlerin, vormals Staatssekretärin in mehreren Ministerien, beschreibt in dem Bericht eine Leistungsvergabe «in bis dahin nicht vorgesehenem Volumen» nach Spahns Entscheidung zur Corona-Schutzmaskenbeschaffung. Innerhalb weniger Wochen seien Verträge im Wert von mehr als 11,6 Milliarden Euro geschlossen worden. Als problematisch werden etwa Lieferverträge ohne weitere Verhandlungen zu festen, hohen Preisen genannt. Wegen erheblicher Lieferausfälle seien dann tatsächlich viel weniger Haushaltsmittel gebraucht worden. Allerdings gebe es unter anderem Haushaltsrisiken aus laufenden Rechtsstreitigkeiten von 2,3 Milliarden –zuzüglich Zinsen von knapp bis zu 1,4 Milliarden Euro.

Den damals Verantwortlichen der Ministerien und Dienststellen bescheinigt die Sonderermittlerin, «jenseits der persönlichen Rücksichtnahme Unvorstellbares» zu leisten gehabt zu haben. Aber: «Viele Aktivitäten gingen an die Grenze der rechtlichen Vorgaben, was in der Gesamtheit durchaus Fragen aufwirft.» So seien Expertisen unter anderem des Bundesinnenministeriums übergangen worden. Als sich «worst case Betrachtungen» bewahrheitet hätten, sei im Bund vorhandene Expertise weiter nicht geholt, sondern weiter auf externe Berater und Kanzleien vertraut worden.

Keine «bedarfsgerechte Steuerung»

Der «funktionierenden Bundesverwaltung» und den Beschaffungsbehörden habe Spahn nicht vertraut. So habe es keine «bedarfsgerechte Steuerung» durch das Ministerium gegeben. «In der Folge wurde über den im Krisenstab festgelegten Bedarf hinaus beschafft», so die Juristin Sudhof mit Blick auf den Krisenstab der Regierung. «Fehlendes ökonomisches Verständnis und politischer Ehrgeiz können» - so der Bericht «wie in diesem Fall, dazu führen, dass nicht als Team "Staat", sondern als Team "Ich" gehandelt wird». Mehrere Medien hatten über Teile des Berichts berichtet.

Sudhof schreibt, das im BMG tätige Team sei bei der Zuspitzung der Corona-Krise im März 2020 «mangels administrativer Ausstattung und operativer Vorerfahrung» «völlig überfordert» gewesen. Also habe man eine Beratungsgesellschaft beauftragt - zunächst nur zum Zusammentragen der inzwischen angefallenen Daten. An den Berater sei die Beschaffung dann quasi komplett «outgesourced» worden.

Spahn «intervenierte persönlich»

«Die Fachebene des BMG (Bundesgesundheitsministeriums) versuchte durchaus, den Bundesminister davon zu überzeugen, dass mangels Expertise und Personal die Beschaffung nicht ins Haus geholt, sondern bei den Beschaffungsbehörden verbleiben sollte», schreibt Sudhof. «Dies jedoch vergeblich. Der damalige Bundesminister intervenierte immer wieder persönlich und nutzte seine Kontakte.»

Kritik der neuen Ministerin 

Ungeachtet der Kritik sagte Spahn, er sei froh, dass der Bericht nun gelesen werden könne. «Vor allem kann man das jetzt sachlich und fachlich bewerten.» Das Gesundheitsministerium kritisierte in einer eigenen mehrseitigen Stellungnahme den Sudhof-Bericht. Deren Aussagen mache man sich nicht zu eigen, so das an die Bundestags-Haushälter gerichtete BMG-Papier, das der dpa vorliegt. 

Methodik und Quellen blieben unklar, Tatsachen seien teilweise «durch Quellen nicht untermauert». Einzelnen Aussagen wird widersprochen. Spahn solle auch nie befragt worden sein. Gleichzeitig kündigt das Ministerium an, eine Organisationseinheit für weitere Aufarbeitung schaffen zu wollen.

 «Als solle ein Parteifreund geschützt werden»

An diesem Mittwoch wollen sich Spahn und Warken den Fragen im Haushaltsausschuss stellen. Spahn, sagte, da er wisse, «warum wir was in schwieriger Zeit entschieden haben, stehe ich gerne Rede und Antwort». 

Grüne und Linke pochen auf weitere Aufklärung. «Die Gesundheitsministerin sollte die politischen Spielchen beenden und den Maskenbericht vollständig veröffentlichen», sagte der Linken-Haushaltspolitiker Dietmar Bartsch mit Blick auf die Schwärzungen. Laut Ministerium wurden diese aus Datenschutz- und juristischen Gründen vorgenommen. Bartsch sagte der dpa, der Eindruck entstehe, als solle ein Parteifreund geschützt werden. «Das untergräbt das Vertrauen in die Politik insgesamt.»

Die Grünen wollen eine Aktuelle Stunde mit dem Titel «Volle Transparenz und Aufklärung zu den Maskendeals von Jens Spahn» beantragen. «Statt weitere Nebelkerzen zu zünden, brauchen wir eine umfassende parlamentarische Aufklärung zu den Maskendeals von Jens Spahn», sagte die Parlamentarische Geschäftsführerin Irene Mihalic der dpa.

Bundesregierung / Gesundheit / Krankheit / Corona / Covid-19 / Deutschland
24.06.2025 · 16:49 Uhr
[7 Kommentare]
US-Angriffe auf Venezuela
Washington/Caracas (dpa) - US-Präsident Donald Trump forciert den Machtwechsel in Venezuela - auch mit militärischer Gewalt. Die USA griffen auf Befehl Trumps das ölreiche südamerikanische Land in der Nacht zum Samstag an. Spezialeinheiten nahmen während der Operation «Absolute Resolve» («Absolute Entschlossenheit») Venezuelas Präsidenten Nicolás Maduro und dessen Frau Cilia Flores fest. Beide […] (28)
vor 9 Minuten
Dieter Bohlen
(BANG) - Dieter Bohlen schätzt an seiner Ehefrau ganz bestimmte Eigenschaften. Der Pop-Titan hat mit seiner langjährigen Partnerin Carina Walz vor wenigen Tagen den nächsten großen Schritt gewagt: Nach fast 20 Jahren Beziehung gaben sie sich an Silvester auf den Malediven das Jawort. Doch was macht Carina für den 71-jährigen Musikproduzenten so besonders? Offenbar wusste Bohlen bereits lange bevor […] (01)
vor 4 Stunden
Review: SwitchBot Smart Heizkörperthermostat-Panel im Test
Mit dem SwitchBot Smart Radiator Thermostat Panel (Matter Combo) präsentiert SwitchBot eine besonders durchdachte Lösung für modernes, intelligentes Heizen. Das System richtet sich an alle, die ihre Heizkosten senken, den Wohnkomfort steigern und gleichzeitig ihr Zuhause zukunftssicher in ein Smart-Home-Ökosystem integrieren möchten – ohne komplizierte Umbauten oder Eingriffe in die bestehende […] (00)
vor 4 Stunden
PS6-Delay? Insider widerspricht jetzt den Gerüchten um Sonys nächste Konsole
Seit Wochen geistern Berichte über einen möglichen PS6-Delay durch die Gaming-Community. Der Grund: weltweit steigende RAM-Preise, getrieben durch KI-Boom und hohe Nachfrage in der Tech-Branche. Doch nun sorgt ein bekannter Hardware-Insider für Klarheit und nimmt vielen Fans die Sorge, dass Sonys nächste Konsole bereits jetzt ins Wanken gerät. Laut neuen Aussagen gibt es keine Entscheidung, die […] (00)
vor 28 Minuten
Kate Winslet
(BANG) - Kate Winslet ist noch immer schockiert darüber, dass sie tatsächlich selbst Regie bei einem Film geführt hat. Die 50-jährige Schauspielerin gab mit 'Goodbye June' ihr Regiedebüt. Das Familiendrama wurde von ihr gemeinsam mit Joe, dem 22-jährigen Sohn ihres Ex-Partners Sam Mendes, geschrieben. Kate gab zu, dass es für sie kaum zu fassen sei, dass sie nun ihren eigenen Film realisiert hat. […] (00)
vor 4 Stunden
Johan-Olav Botn
Oberhof (dpa) - Der norwegische Gesamtweltcupführende Johan-Olav Botn und sein Teamkollege Sturla Holm Laegreid verpassen den Biathlon-Weltcup in Oberhof. Beide sind krank und daher nicht wettkampffähig, wie der norwegische Biathlon-Verband mitteilte. Stattdessen rücken Sverre Dahlen Aspenes und Martin Nevland, der sein Weltcup-Debüt feiert, ins norwegische Aufgebot.  «Ich hätte sehr gerne […] (01)
vor 2 Stunden
Überraschung bei freenet: Aktienrückkauf endet früher als geplant
60 Millionen Euro investiert Ursprünglich hatte freenet ein Rückkaufvolumen von bis zu 100 Millionen Euro angekündigt. Tatsächlich investierte der Konzern insgesamt rund 60 Millionen Euro. Im Rahmen des Rückkaufprogramms 2025 erwarb freenet 2.166.964 eigene Aktien zu einem durchschnittlichen Preis von 27,69 Euro je Aktie. Anteil am Grundkapital Die zurückgekauften Aktien entsprechen einem Anteil […] (00)
vor 1 Stunde
Marktlücke trifft Milliardenmarkt: LIR Life Sciences setzt zum Durchbruch an
Lüdenscheid, 03.01.2026 (PresseBox) - LIR Life Sciences Corp. (ISIN: CA50206C1005 | WKN: A41QA9), LIR Life Sciences oder das Unternehmen, freut sich bekannt zu geben, dass der innovative Ansatz des Unternehmens, der sowohl medizinisch als auch wirtschaftlich überzeugt, Barrieren in der Adipositastherapie überwinden kann – sei es durch einfachere Anwendung, bessere Verträglichkeit oder niedrigere […] (00)
vor 4 Stunden
 
Hubschrauber der US-Army (Archiv)
Caracas - In der venezolanischen Hauptstadt Caracas haben in der Nacht zu Samstag starke […] (03)
Kyrylo Budanow, der bisherige Kopf des ukrainischen Militärgeheimdiensts, nimmt nun die Position […] (00)
Ein Stromausfall sorgt derzeit im Südwesten Berlins für Unruhe. Nach einem Brand an einer […] (01)
Die jüngsten Äußerungen aus Moskau verdeutlichen die ernsten Spannungen im geopolitischen Spiel […] (04)
KI ohne Rechenzentren: Ein Infrastrukturmodell gerät ins Wanken
Das rapide Wachstum von Anwendungen künstlicher Intelligenz hat den Bedarf an enormen […] (01)
wear, fashion, hand, leather, desktop, pants, fabric, denim, closeup, pocket, gold, cryptocurrency, money, finance, virtual, bitcoin, exchange, payment, currency, blockchain, mining, cash, financial, digital, economy, banking, cryptography, crypto, moneta
Nach den Weihnachtsfeiertagen hinkte der Bitcoin-Kurs im Vergleich zu den globalen […] (00)
«:newstime» schlägt «Joko & Klaas gegen ProSieben»
Bereits im Vorfeld sendete ProSieben eine neue Ausgabe von «Galileo Big Pictures». Die letzte Staffel […] (00)
Der Fußball-Nationalspieler Pascal Groß verlässt Borussia Dortmund und kehrt zu seinem […] (06)
 
 
Suchbegriff