Russische Firma patentiert Raumstation mit künstlicher Gravitation für Langzeitmissionen
Die fehlende Gravitation an Bord einer Raumstation ist keinesfalls nur lustig oder umständlich bis nervig. Sie sorgt bei längerem Aufenthalt auch für gesundheitliche Probleme, denn ohne die Erdanziehungskraft reduziert sich allmählich die Knochendichte und die Muskelmasse baut sich ab. Zurück auf festem Grund kämpfen Astronauten deshalb häufig mit Muskelschwäche sowie einer erhöhten Verletzungsanfälligkeit: kein schönes Ergebnis. Zumindest ein Teil der Erdgravitation wäre auf einer längeren Weltallmission wünschenswert. Laut Patent hat eine russische Firma das Problem vielleicht jetzt gelöst.

Die Schwerkraft soll halb so stark wie auf der Erde sein
Die Erfindung stammt von dem staatlichen russischen Raketenunternehmen Energija. Das System soll in der betreffenden Raumstation eine Schwerkraft herstellen, die halb so stark wie auf der Erde wirkt. Das dürfte eine Reise durchs All um einiges erträglicher – und gesünder – machen. Um die Gravitation zu erzeugen, soll sich die Station wie die Erde um sich selbst drehen, und zwar fünfmal pro Minute. Der Radius des gesamten Gefährts beträgt 40 Meter, die einzelnen Module sind um eine zentrale Nabe angeordnet. Die Zentrifugalkraft aus der Drehung soll die benötigte Schwerkraft erzeugen.
Wie sollen Versorgungsschiffe an die rotierende Station andocken?
Das klingt natürlich wieder einmal einfacher, als es ist. Russland müsste zuerst die verschiedenen Module per Rakete in den Weltraum bringen und dort fertigmontieren – ein ebenso komplexes wie kompliziertes Unterfangen. Wenn die Raumstation dann fertig ist und tatsächlich montiert, müssen die Versorgungsschiffe trotz der Bewegung andocken können, was ebenfalls nicht einfach ist. Wahrscheinlich legt Energija deshalb noch keinen Zeitplan für das Projekt vor.
Bislang verfügt Russland über keine vollständig einsetzbare Raumstation. Vom Gemeinschaftsprojekt ISS will sich das Land zurückziehen und eigene Wege gehen. Die Internationale Raumstation ist mittlerweile in die Jahre gekommen und soll nach derzeitigem Stand 2031 außer Betrieb gehen. China betreibt seit 2021 die ständig bemannte Raumstation Tiangong (Himmelspalast) und ist an der ISS nicht beteiligt.
Quelle: forschung-und-wissen.de

