Trends der Zukunft

KI ohne Rechenzentren: Ein Infrastrukturmodell gerät ins Wanken

02. Januar 2026, 20:04 Uhr · Quelle: Trends der Zukunft
Eine neue Software ermöglicht den dezentralen Betrieb großer KI-Modelle auf lokalen Netzwerken, was Kosten und Energieverbrauch reduzieren könnte.

Das rapide Wachstum von Anwendungen künstlicher Intelligenz hat den Bedarf an enormen Rechenressourcen deutlich gemacht. Insbesondere große Sprachmodelle und generative KI-Systeme werden heute überwiegend in weitläufigen, energieintensiven Rechenzentren betrieben, die enorme Mengen an Strom und Wasser verbrauchen und meist von wenigen großen Technologieunternehmen kontrolliert werden. Dieses Modell wirft nicht nur ökologische Fragen auf, sondern auch Fragen zur Datenhoheit, Privatsphäre und zur zentralisierten Kontrolle über kritische digitale Infrastruktur. Angesichts dieser Herausforderungen haben Forscher:innen der École polytechnique fédérale de Lausanne (EPFL) eine alternative Herangehensweise entwickelt, die darauf abzielt, diese Monokultur zu hinterbrechen und AI-Rechenleistung in die Breite zu verlagern.

Dezentrale AI-Rechenleistung statt monolithischer Zentren

Traditionell erfordern große KI-Modelle nicht nur zur Entwicklung, sondern auch zur Ausführung erhebliche Rechenkapazitäten. Diese werden in speziellen Serverfarmen mit Hochleistungs-GPUs realisiert, die enorme Investitionen in Hard- und Software, Kühlung und Infrastruktur erfordern. Die neue Softwarelösung Anyway Systems, entwickelt von einem Team um die Informatiker:innen Gauthier Voron, Geovani Rizk und Rachid Guerraoui, stellt einen grundlegend anderen Ansatz dar. Statt zentraler Serverfarmen wird ein lokales Netzwerk aus handelsüblichen Maschinen koordiniert, die gemeinsam ein Cluster bilden, auf dem große KI-Modelle ausgeführt werden können.

Die Software nutzt robuste Methoden der Selbststabilisierung, um die vorhandene lokale Hardware effizient zu nutzen und Ausfälle einzelner Komponenten zu kompensieren. Auf diese Weise sei es möglich, auch große offene Modelle in lokalen Netzwerken mit wenigen handelsüblichen GPUs zu betreiben, eine Aufgabe, die bislang spezialisierte Rechenzentrumshardware und hohe Kosten voraussetzte. Rachid Guerraoui betont, dass die verbreitete Annahme, große KI-Modelle würden zwangsläufig enorme Ressourcen erfordern, nicht uneingeschränkt gilt. „Für Jahre haben die Leute geglaubt, dass es nicht möglich sei, große Sprachmodelle und KI-Tools ohne riesige Ressourcen zu haben, aber das ist nicht der Fall und schlauere, sparsamere Ansätze sind möglich“, so Guerraoui.

Dieser Ansatz verschiebt die Perspektive auf KI-Infrastruktur grundlegend. Statt einer stark zentralisierten Architektur, die große Mengen an Energie verbraucht und Daten über geografisch entfernte Server sendet, ermöglicht die verteilte Lösung eine direkte lokale Verarbeitung. Der Nutzen liegt nicht nur in der Reduktion von Kosten und Abhängigkeiten von Cloud-Anbietern, sondern auch in der Möglichkeit, sensible Daten innerhalb des eigenen Netzwerks zu halten.

Dezentrale Lösungen verringern Abhängigkeit

Ein zentraler Kritikpunkt an der gegenwärtigen Dominanz großer Cloud-Plattformen ist die Abhängigkeit von externen Diensten bei der Verarbeitung sensibler Informationen. Werden KI-Anwendungen genutzt, verlassen Daten häufig das eigene Umfeld und werden in entfernten Rechenzentren verarbeitet. Die lokale Ausführung großer KI-Modelle adressiert dieses Problem unmittelbar, da Daten das Netzwerk nicht verlassen müssen. Für Einsatzfelder mit hohen Datenschutzanforderungen, etwa im Gesundheitswesen, in der Verwaltung oder in der industriellen Forschung, eröffnet dies neue Handlungsspielräume.

Auch der ökologische Aspekt spielt eine zunehmend wichtige Rolle. Der globale Ausbau von Rechenzentren für KI-Anwendungen geht mit einem erheblichen Energiebedarf einher, der bereits heute spürbare Auswirkungen auf Stromnetze und CO₂-Bilanzen hat. Viele dieser Zentren sind zudem auf aufwendige Kühlsysteme angewiesen. Die Nutzung vorhandener, verteilter Hardware könnte dazu beitragen, bestehende Ressourcen besser auszuschöpfen, anstatt immer neue spezialisierte Infrastrukturen aufzubauen.

Die Forscher:innen argumentieren, dass Effizienzgewinne nicht allein durch leistungsfähigere Chips erzielt werden müssen, sondern auch durch intelligenteres Softwaredesign. Indem Rechenlasten flexibel auf verfügbare Systeme verteilt werden, lasse sich ein Teil des Wachstumsdrucks auf zentrale Rechenzentren abfedern.

Sind dezentrale KI-Systeme die Zukunft?

Der vorgestellte Ansatz ist derzeit noch kein Ersatz für alle Anwendungsfälle zentraler Rechenzentren. Anyway Systems erfordert mehrere vernetzte Rechner und ist bislang vor allem für institutionelle oder organisatorische Umgebungen gedacht. Für den Einsatz auf einzelnen Endgeräten ist die Technologie noch nicht ausgelegt. Die Entwickler:innen verweisen jedoch darauf, dass viele heute alltägliche Technologien ihren Ursprung in spezialisierten Forschungskontexten hatten.

Langfristig könnte die Kombination aus effizienterer Software, besserer Ausnutzung vorhandener Hardware und wachsendem Bewusstsein für Datenschutz und Nachhaltigkeit dazu führen, dass KI-Systeme stärker dezentral betrieben werden. Der Ansatz aus Lausanne stellt damit weniger eine vollständige Abkehr von Rechenzentren dar als vielmehr eine Infragestellung ihrer alternativlosen Rolle.

Ob sich dieses Modell in der Breite durchsetzt, wird von technischen Weiterentwicklungen ebenso abhängen wie von wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen. Klar ist jedoch, dass die Vorstellung, leistungsfähige KI sei untrennbar mit gigantischen Rechenzentren verbunden, zunehmend an Überzeugungskraft verliert.

via EPFL

Wissenschaft / Künstliche Intelligenz / Dezentrale KI / Rechenzentren / Datenschutz / Nachhaltigkeit / EPFL
[trendsderzukunft.de] · 02.01.2026 · 20:04 Uhr
[2 Kommentare]
Pat Smear
(BANG) - Pat Smear wird "einige" Foo Fighters-Gigs verpassen, nachdem er sich bei einem "bizarren Gartenunfall" "mehrere Knochen im Fuß" gebrochen hat. Die Heavy-Rock-Band nahm die Situation mit Humor und veröffentlichte ein gefälschtes Magazincover, das den 66-jährigen Rhythmusgitarristen im Rollstuhl zeigt, mit einem eingeblendeten Röntgenbild seines Fußes. Die Schlagzeile lautet: "Breaking […] (00)
vor 7 Stunden
dark earth bumblebee, dark bumblebee, dark ground bumblebee, schnee-felberich, pollination, pollinate, insect, nature
Donnerstag, den 8. Januar 2026 – Deutschland erlebt derzeit ein winterliches Wetter mit vielen Wolken, regionalem Schnee und Regen. Die Temperaturen variieren stark, und es gibt Warnungen vor Glätte und starkem Wind. Heutige Wetterlage Über weiten Teilen Deutschlands dominieren viele Wolken, begleitet von regionalem Schnee, der im Westen teilweise in Regen übergeht. Die Temperaturen liegen […] (00)
vor 2 Minuten
JVA
Düsseldorf (dpa) - Etliche Einrichtungen der kritischen Infrastruktur in Deutschland kommunizieren mit ungeschützter Funktechnik. Der Digitalfunk zahlreicher Haftanstalten, Flughäfen und Energieversorger lässt sich mit geringem technischen Aufwand auch aus der Ferne abhören, weil die Betreiber auf die Verschlüsselung ihrer Netze verzichten, wie die «Wirtschaftswoche» berichtet. Die AG Kritis, eine […] (00)
vor 2 Stunden
League of Legends startet in die neue Saison 2026
Ab dem 8. Januar 2025 startet  League of Legends  in die neue Saison, die sich vollständig um das Königreich Demacia dreht. Zum Auftakt hat Riot Games am 7. Januar ein neues Cinematic mit dem Originaltrack  Salvation (ft. Forts)  veröffentlicht. Die Saison führt zahlreiche spielerische, visuelle und systemische Neuerungen ein, die den Einfluss Demacias auf der Kluft der Beschwörer sowohl […] (00)
vor 1 Stunde
Julia Roberts
(BANG) - Julia Roberts würde heute nicht in 'Pretty Woman' mitspielen. Die 58-jährige Schauspielerin spielte 1990 in der romantischen Komödie die Prostituierte Vivian Ward, sagt jedoch, dass es für sie heute "unmöglich" wäre, in einem solchen Film zu erscheinen, da sich die Weltanschauungen verändert hätten. Gegenüber 'Deadline' erklärte Roberts: "Oh, das ist unmöglich. Ich trage inzwischen zu […] (01)
vor 7 Stunden
Kroatien - Deutschland
Zagreb (dpa) - Angeführt von Torhüter David Späth haben sich die deutschen Handballer mit einem Erfolg über Angstgegner Kroatien mächtig Selbstvertrauen für die Europameisterschaft geholt. Die Auswahl von Bundestrainer Alfred Gislason setzte sich in Zagreb gegen den Vize-Weltmeister mit 32: 29 (17: 14) durch und machte ihren Fans trotz einer sehr schwierigen Auslosung Hoffnung auf eine […] (01)
vor 2 Stunden
btc, bitcoin, cryptocurrency, crypto, money, currency, coin, finance, mining, payment, cash, internet, blockchain, gold, crypto-currency, business, cryptography, digital, financial, banking, electronic, network, stack, new order, bitcoin, bitcoin, bitcoin
Analyst sieht massive XRP-Preisrallye am Horizont Der Krypto-Analyst Bird hat angedeutet, dass der XRP-Kurs möglicherweise vor seiner größten Rallye aller Zeiten steht. Er führt dies auf den Rückgang der Bitcoin-Dominanz zurück, ein Muster, das bereits früheren XRP-Rallyes vorausging. In den Jahren 2018, 2021 und 2024 fiel die Bitcoin-Dominanz stark, was jeweils zu parabolischen Kursanstiegen von XRP führte. Der Anstieg […] (00)
vor 37 Minuten
TikTok übermittelt weiterhin Daten nach China: App-Hinweis an Nutzer trotz 530-Millionen-Bußgeld
Lahr, 08.01.2026 (lifePR) - TikTok informiert derzeit viele Nutzer in der App darüber, dass personenbezogene Daten weiterhin auch nach China übermittelt werden. Über die aktuellen Hinweisfenster berichten Medien, unter anderem SWR3 am 24. Dezember 2025; Hintergrund ist ein Verfahren der irischen Datenschutzbehörde Data Protection Commission (DPC), die TikTok nach eigener Mitteilung vom 2. Mai 2025 wegen […] (02)
vor 6 Stunden
 
Joe Keery
(BANG) - David Bowies Song 'Heroes' verzeichnet einen massiven Anstieg der Streaming-Zahlen, […] (00)
Gwyneth Paltrow
(BANG) - Gwyneth Paltrow hat eine Filmrolle verloren, nachdem sie erklärt hatte, dass sie und […] (00)
Bruno Mars
(BANG) - Bruno Mars wird sein lang erwartetes viertes Soloalbum 'The Romantic' am 27. Februar […] (00)
Opfer des Infernos von Crans-Montana bekommen Spenderhaut
Zürich (dpa) - Eine Woche nach der Brandkatastrophe in Crans-Montana haben Zürcher Spitäler von […] (01)
Ramona Hofmeister
Scuol (dpa) - Der Olympia-Traum von Deutschlands Top-Snowboarderin Ramona Hofmeister scheint […] (01)
Hollywood klopft an: Warum der ARC Raiders-Film trotz verlockender Angebote (noch) warten muss
Es ist das wohl ungeschriebene Gesetz der modernen Unterhaltungsindustrie: Wenn ein Videospiel […] (00)
Neue Highend AirPods Pro Version dieses Jahr erwartet
Apple plant laut Gerüchten, für dieses Jahr seine AirPods Pro Modellreihe um eine neue […] (00)
bitcoin, crypto, finance, coin, money, currency, cryptocurrency, blockchain, investment, closeup, bitcoin, bitcoin, bitcoin, bitcoin, bitcoin, crypto, cryptocurrency
Dogecoin hat einen signifikanten Anstieg über die Marke von $0,1520 gegenüber dem US-Dollar […] (00)
 
 
Suchbegriff