Strategische Partnerschaft

Pistorius in den Herzkammern des ukrainischen Drohnenkriegs

12. Mai 2026, 17:01 Uhr · Quelle: dpa
Verteidigungsminister Pistorius besucht Ukraine
Foto: -/Verteidigungsministerium der Ukraine/dpa
Verteidigungsminister Pistorius in einem ukrainischen Gefechtsstand
Die Ukraine hat den Kampf mit unbemannten Systemen zur Perfektion entwickelt. Der deutsche Verteidigungsminister kann nahe der Front beobachten, was die Bundeswehr nun schnell lernen soll.

Saporischschja (dpa) - Verteidigungsminister Boris Pistorius will in Zusammenarbeit mit der kampferprobten Ukraine weitere Schlüsse für den Drohneneinsatz in der Bundeswehr ziehen. Dazu besuchte der SPD-Politiker Gefechtsstände im Osten des Landes, aus denen der Kampf gegen russische Angreifer mit militärischem Erfolg geführt wird. «Es kommt auf Tempo an, es kommt auf Produktion an, die fährt bereits hoch», sagte der Minister danach. 

Pistorius wurde in Kommandostellen in den Gebieten von Saporischschja und Dnipro erklärt, wie Drohnen zur Aufklärung und Bekämpfung russischer Waffensysteme und Soldaten genutzt werden. Er konnte dabei auch laufende Einsätze selbst verfolgen. Die Ukrainer haben in den vergangenen Monaten immer mehr Fortschritte im Krieg mit unbemannten Systemen und der Abwehr von Drohnengriffen durch Abfangsysteme gemacht.

Pistorius sieht den Drohnenkrieg mit eigenen Augen

Aus einem versteckt gelegenen Kommandopostenposten des 475. Sturmregiments werden Ziele jenseits der Front bekämpft. Fotografieren ist in dem Gefechtsstand verboten, der Zugang streng begrenzt. 

«Von hier werden aktive Einsätze gesteuert. Und aktive Einsätze bedeutet, es werden Russen getötet», sagt Iwan Fedorow, Chef der regionalen Militärverwaltung in der Region Saporischschja, der damit auch die Begründung für höchste Geheimhaltung liefert. Der Gefechtsstand selbst ist auch ein mögliches Ziel des Gegners.

Dutzende Soldaten sitzen vor Großbildschirmen. Livestreams aus den Aufklärungsdrohnen und den mit Gefechtsköpfen bestückten Kamikazedrohnen laufen in vielen kleinen Fenstern. Auf der Suche nach dem Feind zoomen die ukrainischen Soldaten in Felder und zwischen die Äste von Waldstücken. Darüber drehen die Angriffsdrohnen ihre Kreise. 

«Wir müssen zunächst die feindlichen Drohnenpiloten bekämpfen und in einem zweiten Schritt die Artillerie vernichten. Es geht in einem dritten Schritt darum, eine 20 Kilometer breite Todeszone zu errichten und zu halten, in der sich niemand frei bewegen kann», sagt ein Offizier zum Vorgehen. 

Ziel ist es, gegnerische Stellungen so weit zu zerstören, dass eigene Infanteriesoldaten dort um Schutz gepanzerter Fahrzeuge einrücken können. Das ist den Ukrainern zuletzt vermehrt gelungen, nachdem sie noch im vergangenen Jahr oft im langsamen Rückzug waren.

Die Bedeutung der mittleren Reichweite im Drohnenkrieg

Zunehmend wichtig sind Drohnen für den Bereich «middle strike», der über 20 Kilometer hinaus bis über 100 Kilometer weit in Feindgebiet reicht. Es geht darum, russischen Nachschub, Kommandoposten und Logistik zu zerstören oder zurückzudrängen. Die Front wird so «aufgeweicht», wird dem Minister berichtet. 

Die Spezialisten dafür sitzen an den Rechnern der 414. Brigade für unbemannte Systeme, zu der die Fahrt in Kleinbussen mit abgehängten Scheiben führt. Im vergangenen Jahr hat die Ukraine ihre Verbände für den Einsatz unbemannter Systems unter ihrem Chef Robert «Madyar» Brovdi zu einer eigenen Teilstreitkraft ausgebaut. Ein Punktesystem und Grafiken machen Erfolg messbar, verstärken aber auch Eindrücke, wie sie aus Computerspielen bekannt sind. 

Diese Verbände sind ein Schlüssel dafür, dass russische Soldaten in den vergangenen Wochen zurückgedrängt werden konnten. Dabei sei an der unmittelbaren Front selbst teils nicht gekämpft worden, wird berichtet. Nach ukrainischen Angaben, die aber nicht überprüft werden können, kommen auf einen toten oder verwundeten Ukrainer 40 Russen. 

Pistorius: «Russland hat eine Phase der Schwäche»

Der deutsche Minister, der auf seiner nun siebten Reise in der Ukraine ist, sieht Anzeichen für eine Kehrtwende im schwierigen Abwehrkampf des Landes. «Ich glaube, dass die Ukrainer tatsächlich ein Momentum haben. Russland hat eine Phase der Schwäche, sowohl wirtschaftlich als auch innenpolitisch, als auch auf dem Gefechtsfeld», sagt Pistorius.

Und: «Die Ukrainer machen riesige Fortschritte. Die Schläge gegen russische Militärinfrastruktur im Hinterland werden empfindlicher und hinterlassen Wirkung.» 

Das erkläre vielleicht auch, warum der russische Präsident Wladimir Putin über ein baldiges Ende des Krieges spreche, obwohl er selbst ihn sofort beenden könne, so Pistorius. Auch der Minister selbst hatte eine unruhige Nacht im Osten der Ukraine, wo es nach dem Auslaufen einer Waffenruhe mehrfach Luftalarm wegen neuer russischer Drohnenangriffe gab.

Minister: Soldaten müssen nicht immer in erster Reihe stehen

Pistorius nimmt als Erkenntnis seines Besuchs einen enormen Bedeutungszuwachs von Drohnen aller Art mit: Aufklärungsdrohnen, Kampfdrohnen, von weit her gesteuert, aus der Nähe gesteuert, zur Aufklärung, zu Angriffen.

Bemerkenswert findet er den technologischen Fortschritt und die Selbstverständlichkeit, mit der modernste Technologien in den ukrainischen Gefechtsständen eingesetzt würden. Pistorius sagt: «Die Zentralen erinnern bisweilen eher an die Kommandozentralen von großen IT-Unternehmen. Das ist schon sehr, sehr beeindruckend. Das Tempo, die Effizienz, mit der gearbeitet wird, und gleichzeitig auch, wie weit diese Gefechtsführung dazu führt, dass die eigenen Soldatinnen und Soldaten geschützt werden, weil sie nicht mehr immer in die erste Reihe müssen.»

Konflikte / Krieg / Verteidigung / Ukraine / Deutschland / Drohnen / Pistorius
12.05.2026 · 17:01 Uhr
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