Vor 150 Jahren

Patentkrimi ums Telefon: Bell setzt sich mit List durch

14. Februar 2026, 06:00 Uhr · Quelle: dpa
Alexander Graham Bell
Foto: picture alliance / dpa
Alexander Graham Bell setzte sich in einem Patentkrimi um die Erfindung des Telefons mit technischem Genie und juristischer Skrupellosigkeit durch.
Fragt man ChatGPT nach dem Erfinder des Telefons, so fällt die Antwort kurz und knapp aus: Alexander Graham Bell. Aber ganz so eindeutig ist die Technikgeschichte dann doch nicht.

Washington (dpa) - Vor 150 Jahren erlebte das US-Patentamt in Washington D.C. dramatische Szenen, die die Technikgeschichte prägten. Am kalten Valentinstag, dem 14. Februar 1876, reichten Alexander Graham Bell und Elisha Gray fast zeitgleich Unterlagen ein, die das Ende der räumlichen Distanz durch das Telefon versprachen. In diesem beispiellosen Patentkrimi setzte sich der gebürtige Schotte Bell mit technischem Genie und juristischer Skrupellosigkeit durch. Im Wettstreit um den Titel «Vater des Telefons» blieb auch der deutsche Erfinder Johann Philipp Reis auf der Strecke, der vor allem in seiner hessischen Heimat als Telefonerfinder gilt.

Zwei Stunden entscheiden über das wertvollste Patent aller Zeiten

Elisha Gray verlor, weil er seine Papiere nach Bell einreichte. Bells Anwalt übergab den Antrag für ein «Verfahren zur Übertragung von Sprache oder anderen Tönen durch telegrafische Wellen» am Vormittag. Zwei Stunden später klopfte Grays Vertreter an dieselbe Tür, um ein Caveat (eine vorläufige Patentanmeldung) einzureichen, um seine Idee für ein Jahr zu schützen. Wäre die Reihenfolge umgekehrt gewesen, hätte Gray vermutlich das wertvollste Patent aller Zeiten erhalten.

Manche Experten meinen, dass auch in dieser Reihenfolge Gray hätte gewinnen müssen. Historiker streiten bis heute über die Rolle des Patentbeamten Zenas Fisk Wilber. Es steht der Vorwurf im Raum, Bell habe Wilber bestochen und Einblick in Grays geheime Voranmeldung erhalten. Am 7. März 1876 erhielt Bell das Patent Nr. 174 465 für die «Methode und den Apparat zur telegrafischen Übermittlung von gesprochenen und anderen Geräuschen durch elektronische Wellenbewegungen».

Vorwurf des Ideenklaus

Bell beschreibt darin, wie man Sprache überträgt. Bis dahin hatte er jedoch noch nie ein funktionierendes Gespräch geführt. Das gelang erst drei Tage nach der Patenterteilung am 10. März 1876. Es steht der Verdacht im Raum, dass Bell sich beim geistigen Eigentum seines Widersachers bediente, um sein Telefon endlich zum Laufen zu bringen. Bells erster erfolgreicher Satz – «Mr. Watson, come here, I want to see you!» – wurde nur übertragen, weil er das Flüssigkeitsmikrofon nutzte, das Gray beschrieben hatte.

Warum war Bells Ansatz dem von Philipp Reis überlegen? Reis hatte 1861 der Physikalischen Gesellschaft in Frankfurt einen Fernsprecher präsentiert. Der Fantasie-Satz «Das Pferd frisst keinen Gurkensalat» soll bei einer der ersten Vorstellungen durch den Apparat geschickt worden sein. Aber das Gerät funktionierte nur in eine Richtung – antworten ging nicht.

Bells Telefon funktionierte in beide Richtungen. Außerdem unterschieden sich die physikalischen Prinzipien der Tonübertragung. Der hessische Bäckersohn Reis nutzte das Unterbrecherprinzip, das den Strom ein- und ausschaltete, ähnlich einem Morse-Alphabet. Das reichte für Rhythmus und einfache Melodien, aber die feinen Oberschwingungen der menschlichen Sprache gingen im mechanischen Klackern verloren.

Konzept von Bell überlegen

Bell verstand, dass Sprache als kontinuierliche Welle gesehen werden muss. Sein Apparat nutzte den wellenförmigen Strom und wandelte Schalldruck in analoge elektrische Spannungsschwankungen um. Dieser Wechsel von digitaler Logik (an/aus) zur analogen Kontinuität markierte die Geburtsstunde der modernen Telekommunikation. Bell übertrug nicht nur Informationen, sondern die menschliche Stimme mit all ihrer Emotion und Individualität. Auch im Verhältnis zu Reis steht der Vorwurf des Ideenklaus im Raum, da Bell die Konzepte des deutschen Tüftlers kannte.

Reis konnte sich im Wettstreit mit Bell nicht mehr juristisch wehren. Er starb 1874, zwei Jahre vor Bells Patentantrag, im Alter von 40 Jahren an Tuberkulose.

Gray verkaufte sein Know-how an die mächtige Western Union, die damals den Telegrafen-Markt dominierte. Western Union gründete eine eigene Telefongesellschaft und ignorierte Bells Patent. Bell klagte wegen Patentverletzung und setzte sich vor Gericht durch. Nach dem juristischen Erfolg folgte der wirtschaftliche Aufstieg. Aus dem kleinen Start-up Bell Telephone Company, das auf einem umstrittenen Patent basierte, entwickelte sich das mächtigste Kommunikationsmonopol der Welt: AT&T.

Riesige Gewinne ermöglichen Grundlagenforschung

Aus Bells Patent entstand ein Konzern, der die USA und die Welt technologisch dominierte. Ohne die Gewinne aus dem Geschäft mit Millionen von Kunden wären Meilensteine wie der Computerchip oder das Mobiltelefon vielleicht erst Jahrzehnte später erfunden worden. AT&T betrieb ab 1925 in den Bell Telephone Laboratories eine Grundlagenforschung, die weit über das Telefonieren hinausging. Hier entstanden Meilensteine der Technikgeschichte, darunter der Transistor (1947) und das Betriebssystem Unix, das heute in jedem Smartphone steckt.

Das Monopol wurde so mächtig, dass die US-Regierung wegen Kartellrechtsverstößen eingriff. 1984 wurde AT&T zerschlagen.

Alexander Graham Bell zog sich früh aus dem operativen Geschäft zurück. Er war am Ende eher genervt von seiner Erfindung – in seinem Arbeitszimmer ließ er angeblich kein Telefon zu, weil es ihn bei der Arbeit störte.

Telekommunikation / Geschichte / USA / Deutschland / Patent / Bell / Gray
14.02.2026 · 06:00 Uhr
[0 Kommentare]
iPhone 18 Pro offenbar ohne schwarze Farbvariante
Einem aktuellen Gerücht zufolge wird Apple bei den kommenden iPhone 18 Pro Modellen auf ein schwarzes Gehäuse verzichten. Zum Vergleich: Die derzeitige iPhone 17 Pro Serie ist in den markanten Farben Silber, Cosmic Orange und Deep Blue erhältlich. iPhone im Business, Quelle: Unsplash Kein Schwarz für die iPhone 18 Pro Modelle Wie der bekannte […] (00)
vor 15 Stunden
Statue für weltbekannte Minensuch-Ratte Magawa
Siem Reap (dpa) - Mit erhobener Spürnase, langen Schnurrhaaren und wachen Knopfaugen blickt Magawa jetzt für die Ewigkeit über Siem Reap: Eine Ratte als Held - und als Denkmal. Die 2,20 Meter hohe Statue zu Ehren der wohl berühmtesten Minensuchratte aller Zeiten wurde jetzt in Kambodscha enthüllt. Passgenau zum Internationalen Tag der Minenaufklärung und feierlich begleitet von der Nationalhymne […] (00)
vor 4 Minuten
Daniel Radcliffe
(BANG) - Daniel Radcliffe hat "tiefgreifendes Glück" gefunden, seit er Vater geworden ist. Der britische Schauspieler – der bereits im Alter von elf Jahren als titelgebender Zauberlehrling in der 'Harry Potter'-Filmreihe berühmt wurde – glaubt, dass sein jüngeres Ich ihn heute nicht wiedererkennen würde. Damals sei er "zutiefst unglücklich" gewesen, […] (00)
vor 20 Stunden
Switch 2: Ehemaliger Nintendo-Mitarbeiter warnt vor kommendem Preisanstieg
Die Nintendo Switch 2 ist seit ihrem Launch eine der meistgekauften Konsolen des Jahres – doch wer noch mit dem Kauf gehadert hat, könnte bald in eine unangenehme Situation geraten. Ein ehemaliger Nintendo-Vertriebsmitarbeiter hat sich öffentlich zu den Preisentwicklungen des Unternehmens geäussert, und seine Einschätzung lässt aufhorchen. Was der Ex- […] (00)
vor 15 Stunden
«Peppa Pig»: Adam Redfern wird neuer Showrunner der Kultserie
Die Vorschulserie erhält nach über 20 Jahren eine neue kreative Leitung. Die Animationsmarke Peppa Pig stellt sich personell neu auf: Adam Redfern übernimmt künftig die Rolle des Showrunners und verantwortet damit die kreative Ausrichtung der Serie. Der Autor, der unter anderem an «The Adventures of Paddington» gearbeitet hat, wurde von Hasbro verpflichtet. Redfern soll die Entwicklung von […] (00)
vor 1 Stunde
Joachim Löw
Berlin (dpa) - Um Weltmeister-Trainer Joachim Löw gibt es ein überraschendes und wenig glaubhaftes Comeback-Gerücht - und der 66-Jährige räumt es auch schnell aus der Welt. Laut des Portals «ghanasoccernet» könnte Löw für die anstehende Fußball-WM die Nationalmannschaft Ghanas als Trainer übernehmen. Doch dazu wird es wohl nicht kommen. «Mit mir hat […] (03)
vor 16 Stunden
bitcoin, currency, finance, coin, crypto, cryptocurrency, brown finance
Die XRP-Community gehört zu den lautstärksten in der Kryptowelt und ist bekannt für ihre optimistischen Kursprognosen. Während viele dieser Vorhersagen spekulativ sind, gibt es einige, die auf fundierten Analysen basieren und Aufmerksamkeit erregen. Ein aktuelles Beispiel stammt von EGRAG CRYPTO, einem bekannten Analysten in den sozialen Medien. Er […] (00)
vor 31 Minuten
Von  "Meuterei auf der Bounty" zur Pn-Domain
Koeln, 03.04.2026 (PresseBox) - Es beginnt, wie große Geschichten oft beginnen: mit zu viel Ordnung. An Bord der HMS Bounty herrscht im Jahr 1789 ein Regiment aus Disziplin und Härte. William Bligh, ein Mann von eiserner Selbstkontrolle, führt seine Mannschaft durch die Weiten des Pazifiks – und zugleich in eine immer engere innere Enge. Denn draußen […] (00)
vor 13 Stunden
 
Apple iPad Air 3 WLAN landet auf der Vintage-Liste
Apple hat nun auch die WLAN-Version des iPad Air 3 offiziell in seine sogenannte […] (00)
Interview: Tim Cook entdeckt seltene Prototypen vom iPhone und iPod
In einem Interview mit dem Wall Street Journal unternahm Tim Cook zusammen mit dem […] (00)
Apple verschickt Einladungen für die WWDC 2026 im Apple Park
Apple hat offiziell die Einladungen an die glücklichen Gewinner […] (00)
US-Präsident Trump
Washington (dpa) - US-Präsident Donald Trump hat eine Anordnung unterzeichnet, um die […] (05)
coin, currency, ethereum, ether, bitcoin, crypto currency, block chain, finance, dice, digital
Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat darauf hingewiesen, dass die Einführung […] (00)
Zach Cregger
(BANG) - Zach Shields wird gemeinsam mit Zach Cregger am Drehbuch für das kommende […] (00)
Kanye West
(BANG) - Der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan hat bestätigt, dass er "nicht an der […] (00)
Verständnis von KI-nativen Unternehmen Im sich schnell entwickelnden Technologiesektor ist es für Investoren entscheidend, zwischen Unternehmen zu unterscheiden, die wirklich KI-native […] (00)
 
 
Suchbegriff