Infratest: Union sackt auf niedrigsten Wert seit vier Jahren

03. Juni 2026, 19:21 Uhr · Quelle: dts Nachrichtenagentur
Alexander Dobrindt und Friedrich Merz am 03.06.2026
via dts Nachrichtenagentur
Alexander Dobrindt und Friedrich Merz am 03.06.2026
CDU/CSU erreichen laut Infratest nur noch 23 Prozent und den niedrigsten Wert seit vier Jahren.

Berlin - Wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre, kämen CDU/CSU laut neuer Infratest-Umfrage derzeit auf 23 Prozent - das ist ein Prozentpunkt weniger als Anfang Mai und der niedrigste Wert für die Union im "ARD-Deutschlandtrend" seit Januar 2022.

Die AfD hätte weiterhin 27 Prozent in Aussicht, die SPD verbessert sich leicht auf 13 Prozent (+1), die Grünen wären bei 14 Prozent (-1), die Linke unverändert bei 10 Prozent.

Das BSW läge weiterhin bei 3 Prozent und die FDP ebenfalls unverändert bei 4 Prozent. Einen "Kubicki"-Effekt kann Infratest damit - anders als andere Umfrageinstitute - derzeit nicht messen. Alle anderen Parteien kommen derzeit zusammen auf 6 Prozent.

Infratest hatte 1.326 Wahlberechtigten von Montag bis Dienstag dieser Woche befragt.

Weitere Ergebnisse: Bei den Gründen für die aktuelle Parteipräferenz geben 50 Prozent der Wähler an, diese Entscheidung aus Überzeugung zu treffen, 46 Prozent, weil sie von anderen Parteien enttäuscht sind. Unter den Partei-Anhängern überwiegt einzig bei den Anhängern der AfD der Beweggrund der Enttäuschung: 57 Prozent äußern dieses Motiv.

Für die aktuelle Entscheidung für eine Partei ist für 74 Prozent das politische Programm der Partei entscheidend, 12 Prozent nennen die langfristige Bindung an die Partei und 10 Prozent nennen das Spitzenpersonal als wichtigsten Grund.

Bei Union und SPD ist die langfristige Bindung entscheidender als bei anderen Parteien: Bei den Unions-Anhängern nennen, 63 Prozent das Programm, 24 Prozent die langfristige Bindung als Hauptgrund und 9 Prozent das Spitzenpersonal. Bei der SPD nennen 55 Prozent das Programm als wichtigsten Grund, 35 Prozent die langfristige Bindung und 7 Prozent das Spitzenpersonal.

Mit der Arbeit der Bundesregierung sind aktuell 12 Prozent sehr zufrieden bzw. zufrieden (-1); 87 Prozent (+1) sind mit der Arbeit von Union und SPD weniger bzw. gar nicht zufrieden.

Aus dem Bundeskabinett wird weiterhin Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) am besten bewertet: Aktuell sind 54 Prozent mit seiner Arbeit zufrieden - 2 Punkte weniger als im Mai. Mit Außenminister Johann Wadephul (CDU) sind unverändert 30 Prozent zufrieden; 40 Prozent sind mit ihm unzufrieden und 30 Prozent kennen ihn nicht bzw. trauen sich kein Urteil zu.

Mit der Arbeit des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Hendrik Wüst zeigen sich 31 Prozent zufrieden; 31 Prozent sind mit ihm weniger bzw. gar nicht zufrieden und 38 Prozent kennen ihn nicht bzw. trauen sich kein Urteil zu. Mit der politischen Arbeit von Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) sind aktuell 21 Prozent zufrieden bzw. sehr zufrieden (-4 im Vgl. zu Mai), 58 Prozent sind weniger oder gar nicht zufrieden (+7).

Bei Lars Klingbeil, Vize-Kanzler und Finanzminister (SPD), liegt der aktuelle Zufriedenheitswert bei unverändert 21 Prozent; 63 Prozent sind mit seiner Arbeit unzufrieden. Mit Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) sind weiterhin 18 Prozent zufrieden; 58 Prozent sind mit ihr unzufrieden und 24 Prozent kennen sie nicht bzw. trauen sich kein Urteil zu.

Mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sind unverändert nur 16 Prozent zufrieden; 82 Prozent sind mit ihm unzufrieden. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) liegt bei einen Zufriedenheitswert von 15 Prozent (+3 im Vgl. zu Mai); 57 Prozent sind mit ihr unzufrieden und 28 Prozent kennen sie nicht bzw. trauen sich kein Urteil zu.

Über die Arbeit des neuen FDP-Vorsitzenden Wolfgang Kubicki äußern sich 21 Prozent mit Zufriedenheit; 50 Prozent sind unzufrieden mit seiner Arbeit und 29 Prozent kennen ihn nicht oder trauen sich kein Urteil zu. Der AfD-Fraktionsvorsitzende Tino Chrupalla erreicht 19 Prozent Zufriedenheit (+1 im Vgl. zu April); 55 Prozent sind mit ihm unzufrieden, 26 Prozent kennen ihn nicht oder trauen sich kein Urteil zu. Die Linken-Vorsitzende Heidi Reichinnek kommt auf einen Zufriedenheitswert von 18 Prozent (+3 im Vgl. zu April); 43 Prozent sind mit ihr unzufrieden und 39 Prozent kennen sie nicht bzw. trauen sich kein Urteil zu. Mit der Grünen-Fraktionsvorsitzenden Britta Haßelmann sind 10 Prozent zufrieden (+3 im Vgl. zu April); 31 Prozent sind mit ihr unzufrieden und 59 Prozent kennen sie nicht bzw. trauen sich kein Urteil zu.

Hohe AfD-Zustimmungswerte in Bund wie Ländern beleben die Debatte über eine mögliche Zusammenarbeit mit der AfD. Allgemein favorisieren nach wie vor etwa vier von zehn Deutschen (41 Prozent, +1 im Vgl. zu November 2025) den Ausschluss jeglicher Zusammenarbeit mit der AfD, drei von zehn (31 Prozent, +1) unterstützen eine Prüfung von Fall zu Fall, ein Viertel (24 Prozent, -1) eine gezielte Kooperationssuche.

Der CDU-Beschluss, Koalitionen und ähnliche Formen der Zusammenarbeit mit der AfD auszuschließen, stößt mittlerweile auf ein geteiltes Echo bei den Deutschen: Jeweils 47 Prozent halten diesen grundsätzlichen Ausschluss der Zusammenarbeit mit der AfD für richtig (-13 im Vgl. zu September 2024) bzw. falsch (+12).

Unter den Partei-Anhängern äußern alle, bis auf die AfD-Anhänger, eine mehrheitliche Zustimmung zu dem Unvereinbarkeitsbeschluss der CDU gegenüber der AfD. Die CDU-Abgrenzung gegenüber der Linken findet in der Bevölkerung mehrheitlich keine Unterstützung: 33 Prozent finden das richtig (-8 im Vgl. zu September 2024) und 56 Prozent falsch (+10). Von den CDU-Anhängern wird das jedoch überwiegend mitgetragen: 51 Prozent finden die Haltung ihrer Partei gegenüber der Partei Die Linke richtig, so das Ergebnis der Infratest-Umfrage für die ARD.

Politik / Deutschland / Wahlen / CDU / CSU / AfD / SPD
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