Sonys FlexStrike Wireless Fightstick kommt im August, kostet 200 Euro und der PC-Support lässt auf sich warten
Sonys FlexStrike Wireless Fightstick hat jetzt ein Preisschild und ein festes Datum: Am 6. August erscheint der erste eigene Arcade-Stick des PlayStation-Herstellers für 199,99 Euro. Vorbestellungen starten am 12. Juni um 10 Uhr. Was nach einem Rundum-Sorglos-Paket für Fighting-Game-Fans klingt, hat allerdings einen Haken, der im Kleingedruckten steckt – und der könnte für PC-Spieler zum echten Ärgernis werden.
200 Euro für den ersten kabellosen Sony-Fightstick – was in der Box steckt
Der FlexStrike ist Sonys erster selbst entwickelter Fightstick und tritt ein Erbe an, das seit der ersten Enthüllung als Project Defiant mit Spannung erwartet wurde. Damals war der Name noch geheim, Preis und Termin vage – jetzt ist alles in trockenen Tüchern.
Auf dem Papier liefert Sony ein solides Hardware-Paket. Die Verbindung zur PS5 läuft über PlayStation Link, den proprietären Funkstandard, der auch bei den Pulse-Elite-Headsets und Pulse-Explore-Ohrhörern zum Einsatz kommt. Sony verspricht eine Latenz von 4 Millisekunden – das ist auf dem Niveau kabelgebundener Sticks und für Turnierspieler die entscheidende Hausnummer. Alternativ läuft der Stick per USB-C-Kabel.
Die Kern-Features des FlexStrike:
- Mechanische Schaltertasten unter den acht Aktionsknöpfen – kein Membran-Gummi, sondern echte Klick-Mechanik
- Werkzeuglos wechselbare Restrictor Gates: quadratisch, kreisförmig oder achteckig – magnetische Rückabdeckung, Wechsel in Sekunden
- Integrierte Staufächer für die Ersatztore und den PS-Link-Adapter
- Tragetasche mit Schultergurt und gepolsterten Fächern
- Integrierter Akku (Laufzeit: unbekannt)
- Touchpad und PlayStation-Button – der FlexStrike kann die PS5 aus dem Ruhemodus wecken
Der erste Blick auf die Specs klingt vielversprechend. Aber der zweite Blick offenbart Lücken.
Der PC-Haken im Kleingedruckten – und was Sony sonst noch verschweigt
Das Sternchen im Ankündigungstext hat es in sich: Die PC-Kompatibilität des FlexStrike wird erst nach der Veröffentlichung ausgerollt – und zwar schrittweise. Wer am 6. August einen Fightstick für PC sucht, schaut potenziell in die Röhre. Sony selbst formuliert: „Die Kompatibilität mit dem PlayStation Link-PC-Treiber für den FlexStrike Wireless-Fightstick wird nach der Veröffentlichung ausgerollt und nach und nach für mehr Benutzer freigeschaltet.“
Das ist kein Dealbreaker, aber es ist eine redaktionelle Pflicht, das klarzustellen, bevor jemand für 200 Euro vorbestellt und dann feststellt, dass der Stick am PC nur eingeschränkt oder gar nicht funktioniert. Für ein Gerät, das explizit mit „PS5 und PC“-Kompatibilität beworben wird, ist das ein ungewöhnlich holpriger Launch.
Dazu gesellen sich weitere offene Fragen:
- Akkulaufzeit? Sony nennt keine einzige Zahl. Bei einem Turniergerät, das im Ernstfall acht Stunden am Stück laufen muss, ist das eine kritische Lücke.
- Welche Switches? „Mechanische Schaltertasten“ – schön, aber Sanwa-Density? Eigenentwicklung? Die Fighting-Community wird wissen wollen, ob sie ihre gewohnten Komponenten verbauen oder zumindest gleichwertige Qualität erwarten kann.
- PlayStation Link exklusiv? Kein Bluetooth, kein universeller 2.4-GHz-Dongle. Ohne den mitgelieferten PlayStation-Link-Adapter ist der FlexStrike kabellos nutzlos. Ein proprietärer Lock-in, der Flexibilität kostet.
Zwischen Hori und Victrix – wo sich der FlexStrike im Markt einsortiert
Mit 199,99 Euro positioniert Sony den FlexStrike im gehobenen Mittelfeld – und das ist klug kalkuliert. Das Fightstick-Segment teilt sich grob in drei Preisregionen:
Einsteigerklasse (80–130 €): Der Hori Fighting Stick Alpha kostet rund 130 Euro – kabelgebunden, solide, aber ohne Premium-Features wie austauschbare Tore oder kabellosen Betrieb. Auch der Mayflash F500 Elite (ca. 100 €) ist hier populär, setzt aber ebenfalls auf Kabel.
Premium-Mittelklasse (150–220 €): Hier greift der FlexStrike an – gegen den Qanba Obsidian 2 (ca. 200 €) und den Nacon Daija (ca. 180 €). Beide bieten Sanwa-Density-Bauteile ab Werk, sind aber kabelgebunden. Sonys kabelloser Ansatz ist in dieser Preisklasse ein echtes Alleinstellungsmerkmal.
High-End (300–400 €): Der Victrix Pro FS für knapp 400 Euro ist der aktuelle Benchmark – kabelgebunden, mit austauschbaren Sanwa-Komponenten und einem Gehäuse, das einen Panzerschrank beschämt. Hier spielt der FlexStrike preislich nicht mit, muss er aber auch nicht.
Das Problem: Sony betritt Neuland. Victrix, Hori und Qanba kämpfen seit Jahren um die Gunst der Fighting-Game-Community und wissen genau, worauf es ankommt. Der FlexStrike muss beweisen, dass die mechanischen Switches mit Sanwa-Qualität mithalten können – und dass die 4-ms-Funkverbindung auch im Turnierstress stabil bleibt. Der ausführliche Hands-on-Bericht von Sonys eigenem Team klingt vielversprechend, aber unabhängige Tests stehen noch aus.
Dass Sony die Preise für PS5-Hardware zuletzt drastisch anhob, macht den FlexStrike-Preis von 200 Euro fast schon moderat. Immerhin: Für Turnierspieler, die regelmäßig zu Events wie der EVO reisen, ist ein kabelloser Stick mit stabiler Verbindung ein Produktivitätsgewinn – vorausgesetzt, die Akkulaufzeit stimmt und der PC-Support kommt zeitnah hinterher.
Parallel zum FlexStrike kündigte Sony übrigens auch die Pulse Elevate Wireless-Lautsprecher für PS5 und PC an (Termin noch offen) sowie einen 27-Zoll-Gaming-Monitor mit integrierter DualSense-Ladehalterung für 349,99 US-Dollar (ab 27. August, zunächst nur USA und Japan). Sony baut sein Hardware-Ökosystem also kräftig aus – der FlexStrike ist nur ein Puzzleteil in einer breiteren Zubehör-Offensive.


