Investmentweek

Ölpreis im Sinkflug – wer profitiert?

19. April 2025, 16:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Ein dramatischer Preisverfall auf den Weltmärkten entlastet Verbraucher und Industrie. Doch statt konjunkturellem Rückenwind überwiegen strukturelle Dämpfer. Was der Ölcrash wirklich bedeutet – für Deutschland, Europa und die Welt.

Krisenrabatt an der Zapfsäule

Eigentlich müsste sich Deutschland über den sinkenden Ölpreis freuen. Binnen eines Jahres hat sich der Preis für ein Barrel Rohöl der Sorte Brent um fast 25 Prozent verbilligt.

Die Notierung liegt aktuell bei rund 65 Dollar – das ist der tiefste Stand seit vier Jahren. Was früher für wirtschaftlichen Aufschwung sorgte, verpufft heute weitgehend. Denn: Der Rückgang hat politische Gründe – und ökonomisch kaum noch Hebelwirkung.

Trump und das Zerwürfnis der Opec

Auslöser des Preissturzes sind gleich zwei politische Brandherde. Zum einen Donald Trumps aggressive Zollpolitik, die nicht nur den Welthandel belastet, sondern auch Chinas Rolle als globaler Ölnachfragemotor ins Wanken bringt.

Zum anderen der offene Streit innerhalb der Opec: Saudi-Arabien dreht den Ölhahn weit auf – ausgerechnet in einem Moment weltwirtschaftlicher Schwäche.

Die Internationale Energieagentur geht davon aus, dass sich das Überangebot am Ölmarkt 2025 auf über eine Million Barrel pro Tag ausweiten könnte. Die Förderer produzieren, als gäbe es kein Morgen – und riskieren damit den Zusammenbruch des Preisgefüges.

Analysten vergleichen die Situation bereits mit dem Preiskrieg 2020, als sich Russland und Saudi-Arabien gegenseitig unterboten, während die Welt im Lockdown war.

Ein Konjunkturprogramm ohne Wirkung

Doch so paradox es klingt: Der günstige Ölpreis hilft der deutschen Wirtschaft kaum. Zwar profitieren Konsumenten und Unternehmen kurzfristig – etwa durch niedrigere Heizkosten, billigeren Diesel oder günstigere Grundstoffe in der Chemieindustrie.

Doch der Effekt bleibt begrenzt. „Ein sinkender Ölpreis kann die Konjunktur stabilisieren, aber nicht retten“, sagt Galina Kolev-Schaefer vom Institut der deutschen Wirtschaft.

Saudi-Arabien und Russland liefern sich erneut ein Preisdumping – dabei benötigen beide Länder weit höhere Ölpreise zur Haushaltsdeckung.

Die deutsche Wirtschaft dürfte 2025 laut Frühjahrsgutachten der führenden Forschungsinstitute ohnehin kaum wachsen – im besten Fall um 0,2 bis 0,3 Prozent. Der Ölpreis schiebt daran maximal ein Zehntelpunkt mit. Kein Aufschwung, sondern bestenfalls ein kleiner Puffer gegen die Stagnation.

Warum der Ölpreis heute weniger zählt

Ein Grund für die gedämpfte Wirkung: Die Ölintensität der Industrie ist deutlich gesunken. 2013 brauchte die deutsche Volkswirtschaft noch rund 125 Kilo Rohöl pro 1.000 Euro BIP.

Heute sind es nur noch 70 Kilo. Die Gründe liegen im technischen Fortschritt, in effizienteren Produktionsverfahren – und im Wandel der Wirtschaftsstruktur. Dienstleistungen dominieren, nicht mehr Schwerindustrie.

Hinzu kommt die politische Transformation: Der Druck zur Dekarbonisierung, also zur Abkehr vom fossilen Energieeinsatz, macht Öl zunehmend irrelevant – nicht moralisch, sondern wirtschaftlich. Investitionen fließen in Wärmepumpen, Solarzellen, Elektromobilität – nicht mehr in Dieselaggregate.

Verlierer des Preissturzes sitzen nicht in Europa

Die größten Verlierer der aktuellen Entwicklung sind nicht in Frankfurt, sondern in Riad, Moskau oder Caracas. Denn für viele Ölstaaten ist das schwarze Gold die tragende Säule der Haushaltsplanung.

Saudi-Arabien etwa braucht einen Ölpreis von über 90 Dollar, um seinen Budgetkurs zu halten. Fällt der Preis dauerhaft darunter, sinkt auch die Fähigkeit, westliche Waren zu importieren – und das trifft am Ende auch die Exportnationen Europas.

Wirtschaftlich gesehen reduziert ein niedriger Ölpreis somit nicht nur die Einnahmen der Förderländer – er schwächt auch die Nachfrage nach westlichen Investitionsgütern. Ein zweischneidiges Schwert.

Zollkrieg statt Wachstumseffekt

Gleichzeitig entfaltet Trumps Zollpolitik eine unheilvolle Nebenwirkung: Während die Inflation durch niedrigere Energiepreise gebremst wird, steigen gleichzeitig die Importkosten für Vorprodukte aus China, Mexiko oder Europa.

Für exportorientierte Unternehmen ergibt sich daraus ein toxischer Mix: Günstigere Logistik – aber schrumpfende Absatzmärkte. Besonders betroffen: Maschinenbauer, Autozulieferer und Chemiekonzerne.

Hinzu kommt: Die Unsicherheit, die Trump mit seiner erratischen Wirtschaftspolitik erzeugt, lähmt Investitionen weltweit. „Der Vertrauensverlust an den Märkten ist groß“, so Carsten Fritsch, Rohstoffanalyst bei der Commerzbank. Kein Unternehmen baut eine neue Produktionslinie, wenn es nicht weiß, ob sie in sechs Monaten noch beliefert werden kann.

Opec 65 – kein Grund zum Feiern

Im September feiert die Opec ihr 65-jähriges Bestehen. Doch von Feierlaune ist in Wien keine Spur. Das Kartell steht unter Druck wie seit Jahrzehnten nicht. Interne Verstöße gegen Förderquoten, Machtkämpfe unter Mitgliedern und die wachsende Konkurrenz durch US-Schieferölproduzenten haben den Einfluss der Organisation geschwächt.

Am 28. Mai trifft sich die Opec+ erneut, um über die Förderstrategie für das zweite Halbjahr zu beraten. Die Erwartungen sind niedrig. Saudi-Arabien wird kaum freiwillig kürzen – zu groß der Ärger über „Free Rider“ wie Kasachstan oder den Irak, die seit Monaten mehr fördern, als sie dürfen. Ein gemeinsames Handeln scheint illusorisch.

Ein Ölpreis unter 40 Dollar? Nicht ausgeschlossen

Goldman Sachs hält es in einem Extremszenario für möglich, dass der Ölpreis bis 2026 unter die 40-Dollar-Marke fällt. Das wäre ökonomisch ein Schock für Förderländer – und geopolitisch ein Brandbeschleuniger. Denn: Sinkende Staatseinnahmen führen oft zu sozialem Druck, Instabilität – und einer aggressiveren Außenpolitik.

Für Europa bedeutet das: Ein günstiger Ölpreis mag kurzfristig wie ein Geschenk wirken. Doch mittelfristig könnte die globale Unruhe zunehmen – und damit auch die wirtschaftliche Unsicherheit. Die Märkte rechnen längst nicht mehr in Barrel – sondern in geopolitischen Risiken pro Woche.

Finanzen / Märkte
[InvestmentWeek] · 19.04.2025 · 16:00 Uhr
[0 Kommentare]
Der Euro hat am Donnerstag nach seinen vorherigen Verlusten Anzeichen einer Stabilisierung gezeigt und notierte am Vormittag bei 1,1800 US-Dollar. Dies lag leicht über dem Niveau des Vorabends. Die Europäische Zentralbank hatte ihren Referenzkurs zuletzt bei 1,1845 Dollar festgelegt, im Vergleich zu 1,1826 Dollar am Dienstag. Der Rückgang des Euro am […] (00)
vor 2 Minuten
Britische Polizei (Archiv)
London - In Großbritannien hat die Polizei den früheren Prinzen Andrew Mountbatten-Windsor festgenommen. Das berichten am Donnerstag mehrere britische Medien übereinstimmend. Die zuständige Thames Valley Police bestätigte die Festnahme, ohne Andrew beim Namen zu nennen. Man habe "einen Mann in seinen Sechzigern aus Norfolk" wegen des Verdachts auf […] (00)
vor 10 Minuten
Nischendüfte, Freiheit und Identität: Parfum jenseits von Etiketten Parfum war lange eine Frage von Regeln: feminin oder maskulin, süß oder herb, rosa oder blau. Doch diese Grenzen lösen sich zunehmend auf. Unisex-Parfums stehen heute für Freiheit, Persönlichkeit und Ausdruck – und genau hier kommen Nischendüfte ins Spiel. Sie folgen keinen […] (00)
vor 1 Stunde
Prozess gegen Marius Borg Hoiby
Oslo (dpa) - In den Monaten nach seiner Festnahme im Sommer 2024 hat sich Marius Borg Høiby nach eigener Aussage ständig beobachtet gefühlt. «Ich hatte viel Paranoia in dieser Zeit, dadurch, dass Bilder von mir verbreitet wurden», sagte der Sohn der norwegischen Kronprinzessin in dem Vergewaltigungsprozess gegen ihn laut der norwegischen Zeitung […] (00)
vor 18 Minuten
Star Wars: Galactic Racer erscheint ohne Season Pass! Fuse Games setzt auf ein vollwertiges Erlebnis
Vollgas statt Flickwerk: Star Wars: Galactic Racer, das neue Rennspiel von Fuse Games – einem Studio, das aus ehemaligen Criterion-Entwicklern besteht – verspricht eine Seltenheit in der heutigen Spielelandschaft. Keine Saisonpässe, kein aufgeblähtes Nachkauf-Konstrukt, sondern ein in sich geschlossenes Erlebnis, das beim Erscheinen vollständig sein […] (00)
vor 1 Stunde
Steven Soderbergh
(BANG) - Steven Soderbergh zeigte sich "frustriert" und "enttäuscht" über die "verrückte" Entscheidung, seinen Ben-Solo-Film zu stoppen. Der US-Regisseur arbeitete an Plänen, das 'Star Wars'-Universum mit 'The Hunt for Ben Solo' zu erweitern – einem Spin-off mit Adam Driver, angesiedelt nach den Ereignissen von 'Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers' […] (00)
vor 1 Stunde
Olympische Winterspiele 2026
Predazzo (dpa) - Die deutschen Nordischen Kombinierer gehen als Führende ins letzte Langlaufrennen ihrer Disziplin bei den Olympischen Winterspielen in Italien und haben gute Gold-Chancen. Johannes Rydzek und Vinzenz Geiger starten im Team Sprint 13 Sekunden vor den zweitplatzierten Norwegern.  Beim Skispringen im dichten Schneetreiben sprang Rydzek […] (01)
vor 56 Minuten
Kianbietervergleich: Fachportal bietet umfassende Expertise und Orientierung im Markt
Bietigheim-Bissingen, 19.02.2026 (PresseBox) - Das Fachportal kianbietervergleich.de hat sich als maßgebliche deutschsprachige Informationsquelle in seinem Segment etabliert. Die Plattform bietet Interessenten und Fachleuten gleichermaßen fundierte Inhalte, strukturierte Vergleiche und praxisnahe Ratgeber. Mit einem umfassenden Informationsangebot […] (00)
vor 1 Stunde
 
eth, ethereum, cryptocurrency, coin, finance, currency, money, gold, wealth, stock exchange
Der Wohnungsbau in Deutschland verzeichnete im Jahr 2025 eine bemerkenswerte Erholung […] (00)
Anti-Aging als Rettungsanker? Wie Beiersdorf Nivea neu erfinden will
15 Jahre Forschung für einen Wirkstoff Im Hamburger Labor von Beiersdorf hat […] (00)
Altersvorsorgereform: Regierung prüft Kostendeckel – lehnt Staatsfonds-Modell ab
Kostendeckel: 1,5 Prozent unter Druck Die deutlichste Kritik aus der Länderkammer […] (00)
Feuerwehreinsatz im Reichstagsgebäude
Berlin (dpa) - Großeinsatz der Feuerwehr am Reichstagsgebäude in Berlin - und das alles wegen […] (00)
Wild West Pioneers – Demo lädt zum Bauen ein
Fühlst du die Aufbruchstimmung? Die Aufregung steigt. Es ist Zeit, die Planwagen zu […] (00)
Rostige DDR-Technik löst plötzlich das Wasserstoff-Desaster
Wasserstoff scheitert bisher an physikalischen Gesetzen und explodierenden Kosten […] (02)
Rita Ora
(BANG) - Rita Ora spricht sich täglich Mantras vor dem Spiegel vor, um Hater […] (00)
Renault sieht sich mit einer Vielzahl an Herausforderungen konfrontiert, darunter […] (00)
 
 
Suchbegriff