Nach Olympia-Aus

Welche Folgen der kümmerliche Eishockey-Auftritt hat

19. Februar 2026, 13:09 Uhr · Quelle: dpa
Olympische Winterspiele 2026
Foto: Peter Kneffel/dpa
Bundestrainer Harold Kreis (M) lag mit einigen Entscheidungen daneben.
An den NHL-Stars lag das verkorkste Olympia-Turnier nicht. Bundestrainer und Sportdirektor räumen Fehler ein, Konsequenzen dürfte es aber kaum geben. Die Stimmung ein Jahr vor der Heim-WM ist mies.

Mailand (dpa) - Schnell weg aus Mailand: Nach der kläglich verpassten und womöglich einmaligen Chance hatten die deutschen Eishockeyspieler endgültig genug von Olympia. Der erste Shuttle brachte die NHL-Stars um Leon Draisaitl schon am ganz frühen Donnerstagmorgen aus dem olympischen Dorf zum Flughafen, um zurück nach Nordamerika zu flüchten. 

«Es ist eine große verpasste Chance», sagte der zweimalige Stanley-Cup-Sieger Nico Sturm vor seiner Abreise aus Mailand keine 16 Stunden nach dem 2:6-Viertelfinal-Debakel gegen die Slowakei. Ob diese Möglichkeit mit der «goldenen» deutschen NHL-Generation so noch einmal wieder kommt, ist ein Jahr vor der Heim-WM mehr als fraglich. Schon bei der WM im Mai in der Schweiz dürfte kaum einer der aktuellen NHL-Topspieler dabei sein, da nahezu alle aussichtsreich im Playoff-Rennen und somit wohl nicht verfügbar sind.

Bei den nächsten Winterspielen in vier Jahren dürfte Draisaitl mit dann 34 Jahren kaum mehr wie jetzt zu den aktuell drei bis fünf besten Spielern der Welt gehören. Auch Sturm ist dann 34 und Torhüter Philipp Grubauer sogar schon 38. Und aus der Jugend kommt außer dem 16 Jahre alten Top-Talent Max Penkin so gut wie nichts nach. Künftige Weltklassespieler mit der Klasse von Draisaitl, Tim Stützle oder Moritz Seider sind aktuell nicht in Sicht.

«Wir haben Strukturen geschaffen, die wirklich gut sind. Aber jetzt muss aus der Struktur die Qualität kommen und da muss der nächste Schritt her», sagte der Sportvorstand des Deutschen Eishockey-Bundes, Christian Künast. Nur kommt der nächste Schritt eben nicht. 

«Art und Weise ist ja völlig enttäuschend»

Platz sechs bei einem olympischen Turnier, bei dem erstmals seit 2014 wieder die besten Spieler der Welt dabei waren, ist auf dem Papier nicht so schlecht. «Wenn uns vor dem Turnier jemand gesagt hätte, wir scheiden im Viertelfinale aus, hätten wir wahrscheinlich gesagt: Ist okay. Aber die Art und Weise, wie wir hier gespielt haben, ist ja völlig enttäuschend», sagte Sturm ehrlich.

Zumal sich aufgrund des seltsamen Olympia-Modus ein Weg für die erstmals überhaupt mit wirklichen NHL-Topspielern gespickte DEB-Auswahl bot, den die Spieler selbst nicht fassen konnten: Ein Viertelfinale gegen die personell in der Spitze nicht so gut besetzten Slowaken, die aber als Team wesentlich besser funktionierten. «Wir waren ein sehr, sehr gutes Team außerhalb des Eises. Auf dem Eis sind wir es nie so richtig geworden», sagte Künast im ZDF.

Dass es einer Herkulesaufgabe gleicht, die neun Profis aus Nordamerika, die bis auf Draisaitl erst nach der Eröffnungsfeier in Mailand ankamen, in ein ansonsten fast nur aus DEL-Spielern bestehendes Team zu integrieren, wurde vom Bundestrainer teilweise barsch zurückgewiesen. Dabei hatten selbst Führungsspieler vor dem Turnier darauf hingewiesen, dass es darauf ankomme, schnell zusammenzufinden. Warum dies anderen Nationen wie etwa der Slowakei deutlich besser gelang, will Künast nun analysieren.

Sportvorstand kündigt ehrliche Analyse an

«Da müsst ihr uns ein bisschen Zeit geben», sagte der Sportvorstand, während der neue DEB-Vorstandsvorsitzende Frank Lutz bei Olympia komplett abtauchte und nicht einmal öffentlich in Erscheinung trat. 

Fast wirkte es bei Olympia so, als hätten zwei Nationalteams auf dem Eis gestanden: Die Hochveranlagten aus der NHL, an denen das kümmerliche Auftreten sicher nicht lag, und die DEL-Spieler, die in erschreckender Weise auf dem absoluten Top-Niveau überfordert schienen. Die einzige taktische Ausrichtung schien darin zu bestehen, den Puck wann immer möglich Draisaitl, Stützle und Co. zu geben - frei nach dem Motto: Die werden es schon richten. 

Bundestrainer Harold Kreis (67), dessen Vertrag von Künast ohne Druck schon vor Olympia bis zur Heim-WM im kommenden Jahr verlängert worden war, räumte Fehler ein. «Die Frage ist vielleicht berechtigt, ob ich die zu viel eingesetzt habe», gestand Kreis, angesprochen auf die sehr einseitig verteilten Eiszeiten zugunsten der NHL-Topspieler. 

Teamspitze gesteht Fehler ein

Auch die automatische Zuweisung der Kapitänsrollen für die drei größten NHL-Stars Draisaitl, Seider und Stützle war kaum zuträglich für die Bildung einer homogenen Einheit. Wie wichtig etwa der langjährige - für Olympia dann aber abgesetzte - Kapitän Moritz Müller (39) immer noch ist, wurde in Mailand offenbar. Als es nicht lief, war er es, der mit Einsatz auf dem Eis und mit deutlichen Worten voranging. «Man hätte insgesamt das Potenzial gehabt, sich hier besser zu verkaufen», stellte Müller vielsagend fest.

«Natürlich kann man jetzt im Nachhinein sagen: Hätte man vielleicht ein bisschen anders handeln können», gestand Künast, der die Kapitänsfrage zusammen mit Kreis entschieden hatte. 

Dass Künast den Vertrag mit Kreis wieder kündigt, ist kaum zu erwarten, zumal sich der ebenfalls gerade selbst erst zum Sportvorstand ernannte 54-Jährige damit auch infrage stellen würde. Eine mögliche Alternative zu Künast arbeitet als Sportdirektor in Nürnberg. Der frühere NHL-Profi Stefan Ustorf übte im Podcast «Schlagschuss» Kritik an den zugedachten Rollen für die Spieler. Dass die etwa maßlos enttäuschenden Marc Michaelis und Dominik Kahun teilweise mehr Eiszeit bekamen als Sturm, dem stur die Rolle als Anführer der vierten Reihen zugedacht war, verstand nicht nur Ustorf nicht.

Olympia / Eishockey / DEB / Deutschland / Italien / International / Slowakei
19.02.2026 · 13:09 Uhr
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