Millionen-Grab A100: Der absurde 8-Millionen-Plan zum Lichtausknipsen
In Zeiten klammer Kassen und maroder Brücken sorgt ein neues Projekt der Autobahn GmbH für fassungsloses Kopfschütteln. Um auf der meistbefahrenen Autobahn Deutschlands, der A100 in Berlin, das Licht zu löschen, greift der Bund tief in die Tasche. Satte 8,1 Millionen Euro sind im Bundeshaushalt bereits unter dem Posten „Verkehrswegeinvestitionen“ verbucht. Das Ziel: Weniger CO2 und langfristige Einsparungen bei den Stromkosten. Doch der Weg dorthin wirkt wie eine fiskalische Geisterfahrt.
Die Absurdität liegt im Detail der Kalkulation. Allein der technische Vorgang, die Beleuchtung dauerhaft außer Betrieb zu setzen, verschlingt schätzungsweise 1,1 Millionen Euro. Doch damit nicht genug: Da das Ausschalten des Lichts die Strecke in eine potenzielle Todesfalle verwandelt, müssen weitere sieben Millionen Euro investiert werden, um die Fahrbahn an die neue Dunkelheit anzupassen.
Der teure Umbau für die geplante Finsternis
Hinter der Millionen-Investition verbirgt sich ein gigantischer technischer Aufwand. Da die A100 ohne die gewohnte Beleuchtung nicht mehr den Sicherheitsstandards entspricht, muss die Autobahn GmbH massiv nachrüsten. Um die Orientierung der Autofahrer im „Blindflug“ zu gewährleisten, sollen Fahrbahnbeläge örtlich erneuert und Markierungen mit extrem hoher Sichtbarkeit aufgebracht werden.
Es ist ein bürokratisches Paradoxon: Man investiert acht Millionen Euro, um jährlich etwa 1,2 Millionen Euro an Strom- und Wartungskosten einzusparen. Rein rechnerisch würde es fast sieben Jahre dauern, bis sich die Maßnahme amortisiert – die massiven Kosten für die Umbaumaßnahmen und die potenziellen Risiken für den Verkehrsfluss noch gar nicht eingerechnet. Für die Autobahn GmbH steht jedoch der ökologische Fußabdruck im Vordergrund, den man durch den reduzierten Energieverbrauch senken will.
Der Vernichtungsschlag gegen die Verkehrssicherheit
Beim Berliner Senat löst der Vorstoß aus dem Bundesverkehrsministerium alles andere als Begeisterung aus. Die Senatsverwaltung für Mobilität warnt eindringlich vor den Folgen der „Dunkel-Strategie“. Auf einem Großteil der Stadtautobahn sei die Unfallwahrscheinlichkeit ohne künstliche Lichtquellen schlicht zu hoch. Die A100 ist durch ihre engen Kurvenradien, die hohe Dichte an Auf- und Abfahrten sowie das enorme Verkehrsaufkommen eine der komplexesten Strecken des Landes.
Besonders die Kommunikation sorgt für Zündstoff zwischen Land und Bund. „Wir wussten davon nichts“, beschwerte sich die Senatsverkehrsverwaltung, nachdem die Autobahn GmbH Anfang 2025 bereits eigenmächtig mit dem Abschalten der ersten Laternen begonnen hatte. Der Konflikt ist inzwischen so eskaliert, dass ein vorübergehender Stopp der Maßnahme verhängt wurde. Nun soll im Sommer die Unfallstatistik in Zusammenarbeit mit der Polizei ausgewertet werden, um zu beweisen, ob das dunkle Experiment Menschenleben gefährdet.
Ein Beben im Verhältnis zwischen Berlin und dem Bund
Der Streit um die A100-Beleuchtung ist mehr als nur eine Debatte um Stromkosten. Er symbolisiert das tiefe Misstrauen zwischen der Bundesgesellschaft und der Landespolitik. Seit die Autobahn GmbH 2021 die Zuständigkeit übernahm, herrscht ein Kompetenzgerangel, bei dem die Berliner Autofahrer buchstäblich im Dunkeln gelassen werden. Während der Bund auf seine Investitionspläne pocht, sieht Berlin die Funktionsfähigkeit der Hauptstadt-Logistik bedroht.
Ob die Millionen tatsächlich in die Finsternis fließen oder ob der öffentliche Druck das Projekt noch stoppt, bleibt abzuwarten. Die Ironie bleibt: In einem Land, in dem an jeder Ecke über fehlendes Geld für Bildung und Sanierung geklagt wird, leistet man sich den Luxus, Millionen auszugeben, damit es auf der Straße finster wird.
Wer im Dunkeln fahren will, braucht in Berlin künftig nicht nur gute Scheinwerfer, sondern vor allem starke Nerven – und der Steuerzahler ein dickes Fell.


