Investmentweek

Konzert? Klar – wenn du dir’s leisten kannst

02. Juli 2025, 16:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Die Ticketpreise für Live-Musik erreichen absurde Höhen. Schuld daran ist nicht nur Ticketmaster. Ein ganzes System verdient daran, dass Fans draufzahlen.

Ein Drittel der Miete – für zwei Stunden Beyoncé

Wer heute Tickets für ein Konzert sucht, bekommt schnell das Gefühl, im falschen Film zu sein. 250 Euro für Sitzplätze in der dritten Reihe, 700 Euro auf dem Zweitmarkt – und das für Künstler, die früher Clubs füllten, nicht Stadien.

Konzertbesuche sind längst kein erschwingliches Freizeitvergnügen mehr, sondern ein Event für die besserverdienende Generation Streaming.

Laut Pollstar kostete ein Ticket für eine der 100 größten Tourneen im Jahr 2024 im Schnitt 135,92 Dollar – das sind über 40 Prozent mehr als noch 2019. Vor knapp 30 Jahren lag der Durchschnittspreis bei unter 30 Dollar. Was ist passiert?

Streaming bringt Exposure – aber kein Geld

Früher verkauften Musiker Alben und tourten zur Promo. Heute ist es umgekehrt: Musik bringt kaum Einnahmen, Konzerte sind die Hauptquelle. Und wer davon leben will, muss den Ticketpreis eben mitbedenken.

Die meisten Künstler verdienen an Streaming-Plattformen Centbeträge – auch weil Labels und Tech-Konzerne den Großteil abschöpfen.

Ergebnis: Bands touren mehr, aufwändiger und mit höheren Erwartungen. Große Lichtshows, Pyro, riesige Technik und ein Tross von über 80 Crew-Mitgliedern – das alles kostet.

Einfache Akustik-Sets mit Gitarre im Scheinwerferlicht? Eher die Ausnahme. Der Druck, immer noch spektakulärer zu inszenieren, treibt die Kosten – und damit die Preise.

Ticketmaster ist nicht allein

Schnell landet man beim Lieblingssündenbock der Branche: Ticketmaster, seit 2010 Teil von Live Nation, kontrolliert einen Großteil des Markts. Die US-Regierung klagt inzwischen wegen Monopolmissbrauchs.

Kritiker sprechen von einem vertikal integrierten Giganten, der Künstler bucht, Konzerte organisiert, Veranstaltungsorte besitzt und gleichzeitig die Tickets verkauft – samt undurchsichtiger Gebührenstruktur.

Doch Ticketmaster ist nur Teil des Problems. Sekundärmarktplätze wie StubHub oder Vivid Seats treiben die Preise weiter nach oben – oft noch vor dem offiziellen Verkaufsstart. In vielen Fällen werden Tickets spekulativ gelistet, also verkauft, bevor sie überhaupt verfügbar sind. Und weil Suchmaschinen Resale-Angebote priorisieren, glauben viele Fans fälschlich, nur noch überteuerte Tickets zu finden.

Konzert nur für Wohlhabende: Während Musiker einst mit Alben verdienten, ist heute die Live-Show das Geschäftsmodell – auf Kosten der Fans. 250 Euro für ein Ticket? Kein Einzelfall.

Verbraucherschutz? Fehlanzeige

Zwar gibt es in den USA das sogenannte BOTS Act, das automatisierte Ticketkäufe und Weiterverkäufe unterbinden soll. In der Praxis bleibt die Regelung wirkungslos.

Reseller umgehen die Vorschriften oder verkaufen fiktive Tickets – etwa für Veranstaltungen, die noch gar nicht im Verkauf sind. In Europa greifen einige Staaten härter durch. In Frankreich und Italien sind Spekulation und massive Preisaufschläge verboten. In den USA hingegen regieren die Plattformen.

Manche US-Bundesstaaten – etwa Massachusetts oder Minnesota – gestatten Künstlern, Resale zu beschränken oder den Weiterverkauf auf den Originalpreis zu deckeln. Doch das sind Ausnahmen. In Staaten wie New York oder Colorado hingegen haben Käufer das uneingeschränkte Recht, mit Tickets zu handeln – oft auf Kosten der Fans.

Lesen Sie auch:

Führungswechsel bei Airbus: Hoffnung mit Turbulenzen
Airbus liefert zu wenig, arbeitet zu analog, verliert Milliarden im Rüstungsgeschäft – doch nun krempelt Konzernchef Faury die Führung um. Was der neue Vorstand wirklich ändern kann.

Dynamisches Pricing – ein Algorithmus diktiert die Emotion

Ticketmaster nutzt sogenannte dynamische Preisgestaltung: Preise passen sich der Nachfrage an – wie bei Hotelzimmern oder Flugtickets. Das bedeutet: Wer schnell klickt, zahlt weniger.

Wer zu spät kommt, zahlt deutlich mehr. Offiziell treffen Menschen die Preisentscheidungen, doch im Hintergrund laufen Rechenmodelle, die maximieren sollen: Umsatz, Marge, Auslastung. Und sie treffen dabei oft exakt die Schmerzgrenze der Fans.

Dass Musiker selbst den Preis mitbestimmen, ist dabei kein Trost. Denn auch sie stehen unter Druck: Wer zu günstig verkauft, überlässt den Gewinn den Wiederverkäufern. Also wird gleich hoch angesetzt – in der Hoffnung, wenigstens selbst zu profitieren.

Undurchsichtige Gebühren, schwache Regulierung, kaum Alternativen

Ein Grundproblem bleibt die fehlende Transparenz. Bis zu 30 % des Ticketpreises bestehen aus Aufschlägen, Bearbeitungs- und Servicegebühren. Wer wohin verdient – Veranstalter, Plattform, Künstler – ist kaum nachvollziehbar.

Und obwohl Ticketplattformen inzwischen verpflichtet sind, den Endpreis anzugeben, fühlen sich viele Fans zu Recht über den Tisch gezogen.

Der Markt ist fest in der Hand weniger Anbieter. Neue Wettbewerber haben kaum Chancen. Wer nicht mitmacht, bekommt keine Künstler – oder kein Publikum. Ticketmaster selbst sagt: Exklusivverträge seien normal, Doppellösungen unerwünscht.

Was tun?

Ein Auseinanderbrechen von Live Nation und Ticketmaster könnte für etwas Wettbewerb sorgen. Auch klare Regeln für Resale-Plattformen, Preistransparenz, Aufschlagsgrenzen und eine Stärkung kleinerer Veranstalter könnten helfen.

Einige Künstler versuchen, dem Trend entgegenzuwirken. Die Band The Cure bestand auf festen Preisen und blockierte Wiederverkäufe. In Kalifornien sank dadurch das Wiederverkaufsvolumen um über 90 Prozent. Doch solche Einzelfälle ändern am System wenig – solange Politik, Justiz und Öffentlichkeit tatenlos zusehen.

Finanzen / Reichtum
[InvestmentWeek] · 02.07.2025 · 16:00 Uhr
[0 Kommentare]
bitcoin, currency, finance, coin, crypto, economy
Ein Fehler bei einem Drittanbieter führte dazu, dass die Revolut-App am Freitag extrem ungenaue Krypto-Preise anzeigte, bestätigte das Unternehmen, nachdem Nutzer in sozialen Medien Screenshots von Bitcoin zu einem Preis von nur 2 Cent geteilt hatten. Drittanbieter für Preischaos verantwortlich gemacht Revolut erkannte das Problem in einer […] (00)
vor 2 Stunden
Kamil Grabara (Archiv)
Wolfsburg - Am 33. und damit vorletzten Spieltag in der Fußball-Bundesliga hat der FC Bayern München gegen den VfL Wolfsburg mit 1: 0 überraschend knapp gewonnen. Während die Wolfsburger dringend Punkte im Abstiegskampf brauchten, wollten sich die Bayern nach dem Ausscheiden in der Champions League ein bisschen trösten. In der ersten Halbzeit hatten die […] (03)
vor 1 Stunde
Kneecap
(BANG) - Kneecap werden die Gewinne ihres neuen Albums 'Fenian' an wohltätige Organisationen spenden. Das zweite Studioalbum der Band aus West-Belfast – der Nachfolger von 'Fine Art' – erschien am 1. Mai und schoss in Großbritannien bereits auf Platz zwei der Charts. Damit ist es das irischsprachige Album mit der höchsten Chartplatzierung in der […] (00)
vor 7 Stunden
Review: Dreame Z30 Pro Aqua/Aqua-A im Test
Mit dem Dreame Z30 Pro Aqua hatten wir einen Stielstaubsauger im Einsatz, der auf den ersten Blick wie ein klassischer Akkustaubsauger wirkt, im Alltag aber deutlich mehr kann. Das Gerät kombiniert starke Saugleistung, flexible Bodenreinigung, Nassreinigung, intelligente Schmutzerkennung und eine praktische Station in einem System. Genau diese Mischung […] (00)
vor 4 Stunden
Helldivers 2: Arrowhead plant große Änderungen für den Sommer
Arrowhead Studios will Helldivers 2 im Sommer deutlich verbessern. Nach wachsender Kritik aus der Community hat das Studio neue Pläne für zentrale Systeme des Koop-Shooters vorgestellt. Im Mittelpunkt stehen die Galactic War, das Meta-Fortschrittssystem, Stabilität und bessere Belohnungen. Die Entwickler schreiben, dass Helldivers 2 ihnen wichtig sei […] (00)
vor 1 Stunde
Renée Zellweger
(BANG) - Renée Zellweger wird zusammen mit Sissy Spacek und Mia Threapleton in 'A Woman in the Sun' zu sehen sein. Die Oscar-Preisträgerinnen Zellweger ('Unterwegs nach Cold Mountain', 2004, und 'Judy', 2020) und Spacek ('Nashville Lady', 1980) werden gemeinsam mit Threapleton – der Tochter von Kate Winslet – im kommenden Regiedebüt von Julia Cox […] (01)
vor 7 Stunden
VfL Wolfsburg - Bayern München
Wolfsburg (dpa) - Drei Tage nach dem geplatzten Champions-League-Traum hat der FC Bayern München dem VfL Wolfsburg keinen Überraschungssieg im Abstiegskampf gestattet. Nach dem 1: 0 (0: 0) des deutschen Meisters hat der VW-Club nun am letzten Spieltag der Fußball-Bundesliga sein großes Finale um den Relegationsplatz beim punktgleichen FC St. Pauli. Die […] (00)
vor 1 Stunde
Gemeinsam Chancen schaffen: Town & Country Stiftung würdigt Ehrenamt
Erfurt, 09.05.2026 (lifePR) - Bereits zum 12. Mal wurde in diesem Jahr der Town & Country Stiftungspreis ausgelobt. Bundesweit fördert die Stiftung im Rahmen des Projekts 300 Vereine, Organisationen und Initiativen, die sich für benachteiligte Kinder und Jugendliche einsetzen mit insgesamt über 300.000 €. Am Samstag, den 9. Mai, wurden in Erfurt zwölf […] (00)
vor 2 Stunden
 
Die Powell-Ära: Eine prägende Amtszeit Jerome Powells Führung bei der Federal […] (00)
Rheinmetall im Abwärtstrend Die Aktien des Rüstungskonzerns Rheinmetall erlebten am […] (00)
btc, bitcoin, cryptocurrency, currency, crypto, gold, digital, blockchain, cryptography, 3d
Der Gründer von Binance, Changpeng Zhao, äußerte sich zu den bevorstehenden […] (00)
galanthus, flower background, spring, flower wallpaper, schneeglöckchen, beautiful flowers, frühling, flower, nature, blumen
Gemischte Bedingungen von Sonne bis Grau und Unwetter Am Samstag herrscht in vielen […] (03)
Surfer an der Eisbachwelle in München
München (dpa) - Auf der Eisbachwelle im Englischen Garten in München ist ab sofort […] (01)
Neue Hüter der Wildnis – der Faremont National Park heißt seine Ranger willkommen
Spielende von Ranger’s Path: National Park Simulator dürfen sich im Rahmen des ersten […] (00)
devolo – Wie schnell sind heutige Internetanschlüsse eigentlich im Ländervergleich?
Kochrezepte vom Tablet, TV-Unterhaltung vom Smart-TV und Home-Office mit der Cloud: […] (00)
Anna-Maria Ferchichi
(BANG) - Anna-Maria Ferchichi und Bushido äußern Kritik an Pietro Lombardi. Das Paar […] (01)
 
 
Suchbegriff